Alter schützt vor Vollrausch nicht

Dass viele Jugendliche und junge Menschen einen riskanten Umgang mit Alkohol pflegen, davon wird immer wieder berichtet. Die AOK Südlicher Oberrhein ermittelte nun, wie es um das Trinkverhalten älterer Menschen steht. Im Süden des Landes waren im Jahr 2017 1944 AOK-Versicherte, die 60 Jahre und älter waren, mit alkoholbedingten Störungen in ärztlicher Behandlung. 141 Versicherte waren wegen eines Vollrausches im Krankenhaus.

Datum: 29.11.2018 / Kategorie: Sonstiges

Südlicher Oberrhein

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK zeigt, dass Senioren deutlich häufiger zur Flasche greifen als Jüngere. Allerdings verrät die Statistik auch, dass bei alkoholbedingten Störungen in der Region ein Rückgang zu verzeichnen ist.

 

Zählte die AOK im Jahr 2013 noch 2345 Versicherte, die wegen alkoholbedingter Störungen in Behandlung waren, so waren es vier Jahre später nur noch 1944.

 

Laut der Studie ist Bier das mit Abstand am meisten konsumierte alkoholische Getränk. Rund 20 Prozent der Menschen ab 60 Jahre trinkt mindestens drei Mal pro Woche Bier. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind das acht Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 16 Prozent. Jeder dritte Baden-Württemberger trinkt mindestens einmal die Woche Bier, jeder vierte Wein oder Sekt. Dass Männer tendenziell mehr Bier, Frauen dagegen mehr Wein und Sekt trinken, überrascht nicht.

 

Die Zahl der im Vollrausch ins Krankenhaus eingelieferten Patienten ist in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, dem Ortenaukreis und dem Stadtkreis Freiburg seit Jahren relativ konstant. Insgesamt waren Akute Alkohol-Intoxikation bei 141 Senioren die Einlieferungsdiagnose. „In Deutschland haben etwa 9,5 Millionen Menschen einen Alkoholkonsum, der als gesundheitsgefährdend gilt“, erklärt Elvira Steinmann, Leiterin des Sozialen Dienstes der AOK Südlicher Oberrhein in Freiburg. Zusammen mit ihrem Team berät sie Menschen in schwierigen Lebenssituationen, auch in Verbindung mit Suchtproblemen. Als riskant gilt ein Alkoholkonsum von im Durschnitt mehr als einem Glas (Bier 0,25 Liter, Wein ein achtel Liter) pro Tag bei Frauen und mehr als durchschnittlich zwei Gläsern pro Tag bei Männern. Mit zunehmendem Alter nimmt die Alkoholverträglichkeit ab. Auch die Leber brauche mit steigendem Ater länger, um den Alkohol abzubauen, so die AOK.

 

Einen mindesten wöchentlichen Konsum riskanter Alkoholmengen weisen 13,8 Prozent der Frauen und 18,2 Prozent der Männer auf. Männer konsumieren demnach signifikant häufiger Alkohol in riskanten Mengen als Frauen. „Eine Alkoholabhängigkeit kann sich auch noch im höheren Alter entwickeln oder aber sich verfestigen“ erklärt die Sozialpädagogin. „Wer trinkt, um körperliche Beschwerden zu lindern oder negative Gefühle wie zum Beispiel Trauer, Einsamkeit oder Langeweile besser ertragen zu können, ist gefährdet“. Der Übergang von einem riskanten Alkoholkonsum zur Abhängigkeit ist oft schleichend und entwickelt sich oft über einen längeren Zeitraum. Es gibt jedoch eine Reihe von Warnsignalen. „Wer nach durchzechten Nächten Erinnerungslücken hat, ohne Alkohol unruhig ist und nicht einschlafen kann oder andere Interessen zugunsten des Alkohols hinten anstellt, der sollte sich beraten lassen“, so Elvira Steinmann. Untersuchungen zeigen, dass bei mindesten 50 von 100 Betroffenen schon eine Beratung von 10 bis 30 Minuten durch den Hausarzt dazu führt, dass die Trinkmenge nachhaltig gesenkt wird.

 

Die Gründe für riskanten Alkoholkonsum können sehr unterschiedlich sein. „Spielen bei Jugendlichen oft Identitätsfindung, Gruppendruck, das Austesten von Grenzen und der Ablöseprozess vom Elternhaus eine Rolle“, erklärt Elvira Steinmann, „so weiß man von älteren Menschen, dass sie mit Alkohol häufig auf aktuelle Schwierigkeiten wie etwa der Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand oder den Verlust des Lebenspartners reagieren. Etwa 80 von 100 Menschen, die alkoholabhängig sind, suchen mindestens einmal einen niedergelassenen Arzt auf. Häufig kommen sie wegen anderer Beschwerden, beispielsweise wegen Verletzungen, Infekten, Magen-Darm-Beschwerden oder weil sie eine Krankschreibung benötigen. „Die Mehrzahl verleugnet den Alkoholkonsum und die damit einhergehenden Probleme“.

 

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