AOK: Depressionen bei Männern nehmen stark zu im Landkreis Tuttlingen – auch Männer sollten Hilfe annehmen

Im Landkreis Tuttlingen nehmen Depressionen bei Männern stark zu. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg auf Grundlage ihrer Versicherten hervor. Seit 2010 ist demnach die Zahl der Männer mit ärztlich festgestellten depressiven Episoden um 48 Prozent gewachsen.

Datum: 28.12.2015 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Landkreis Tuttlingen

Bei den Frauen ist die Zahl der Diagnosen in den vergangenen fünf Jahren dagegen nur etwa halb so schnell angestiegen, nämlich um rund 26 Prozent. Insgesamt begeben sich aber Männer deutlich seltener in Behandlung als Frauen. Im vergangenen Jahr haben die Ärzte bei rund 5.020 Frauen eine Depression diagnostiziert, bei den Männern waren es dagegen nur rund 2.310.

„Frauen können ihre Depressivität und Hilfsbedürftigkeit nachweislich besser zum Ausdruck bringen und akzeptieren als Männer“, erklärt Birgit Imdahl, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Sozialmedizin in Rottweil sowie Landesvorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater in Baden-Württemberg. „Eine Depression ist noch immer für viele Männer ein Zeichen von Schwäche. Dabei ist wissenschaftlich erwiesen, dass es sich dabei um eine Erkrankung handelt, die genau wie fast jede andere Erkrankung gut behandelbar ist.“ Eine ‚männliche Depression‘ äußere sich in Rückzug aus Freundeskreis und Familie, Reizbarkeit und Aggressivität und Abstreiten von Traurigkeit, so die Rottweiler Psychiaterin. Teilweise zeigen Betroffene auch berufliches Überengagement, um Beschwerden wie Konzentrationsstörungen und einen zunehmenden Energiemangel auszugleichen. Allerdings: Die vermehrte Behandlung von depressiven Männern könne darauf hindeuten, dass hier langsam eine Verhaltensänderung Einzug hielte und Hilfe eher aufgesucht werde als früher, meint Imdahl. „Ein weiterer Grund für den starken Anstieg bei den Männern ist auch, dass vor allem Hausärzte stärker sensibilisiert sind und die Anzeichen von Depressionen bei Männern häufiger erkennen.“

Eine besonders sensible Lebensphase ist der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand. In der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen erreicht im Landkreis die Zahl der Diagnosen mit 15 Prozent aller Männer ihren Höhepunkt. Danach geht die Anzahl der Diagnosestellungen zunächst zurück und steigt erst wieder bei den 75-Jährigen und Älteren, erreicht aber nicht mehr so hohe Werte. „Sich mit seinem Beruf zu identifizieren, ist für Männer und ihre Gesundheit wichtig. Wenn man dann vor dem Ruhestand steht, kann das bei manchen zu psychischen Problemen führen, wenn Hobbies oder andere sinngebende Beschäftigungen wie Ehrenämter fehlen“, so Imdahl. Als nahe stehende Person könne man in solch einer Situation helfen, indem man den Betroffenen bei einem aktiven Umgang mit der Erkrankung unterstützt und seine Hilfe zum Beispiel beim Arztbesuch anbietet. „Die Betroffenen können aber auch selbst zu ihrer Gesundung beitragen“, erklärt die Psychiaterin. „Hier kommt körperlicher Betätigung eine große Bedeutung zu, selbst der tägliche Spaziergang und Tätigkeiten, die nichts mit Leistung zu tun haben, unterstützen die Genesung.“

Im Landkreis Tuttlingen ist über die Hälfte der Bevölkerung bei der AOK versichert.

Anmerkung für die Redaktionen:

Gerne können Sie auf das AOK-FacharztProgramm verweisen. Am AOK-Hausarzt Programm teilnehmende Hausärzte können ihre eingeschriebenen Patienten auch ins Facharztprogramm einschreiben und damit innerhalb von zwei Wochen einen Sprechstundentermin bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater vermitteln. In dringenden Fällen geschieht dies sogar innerhalb von drei Tagen. In der Region nehmen bereits 24 Psychotherapeuten, Neurologen und Psychiater am AOK-FacharztProgramm teil. Durch die gute Verzahnung der hausärztlichen und psychotherapeutischen Bereiche und dem rascheren Zugang zur Behandlung kann Betroffenen schneller geholfen werden. So wird vermieden, dass die Erkrankung chronisch wird oder zusätzlich soziale Probleme wie Arbeitsplatzverlust entstehen.

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