AOK-Fehlzeiten-Report für Baden-Baden und den Landkreis Rastatt: Beschäftigte seltener, dafür länger krank in der Pandemie

Eine Analyse der Krankmeldungen von 80.433 beitragspflichtigen AOK-Versicherten im Landkreis Rastatt hat ergeben, dass im ersten Halbjahr 2021 der Krankenstand gegenüber dem Vergleichszeitraum vor der Pandemie gesunken ist – und zwar von 5,4 auf 4,7 Prozent. Auch in Baden-Baden ging der Krankenstand spürbar zurück – von 5,3 Prozent im ersten Halbjahr 2020 auf 4,4 Prozent in 2021 bei 8.611 beitragspflichtigen AOK-Versicherten. Mit dem Krankenstand wird der Anteil der im Auswertungszeitraum angefallenen Arbeitsunfähigkeitstage im Kalenderjahr gemessen.

Datum: 24.09.2021 / Kategorie: Krankenstand

Baden-Baden/Rastatt

„Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag vieler Menschen grundlegend verändert“, beobachtet Christian Bikowski, der bei der AOK Mittlerer Oberrhein das betriebliche Gesundheitsmanagement betreut. Dieser Umbruch in der Arbeitswelt spiegle sich auch in den Fehlzeiten wider. „Homeoffice und die Flexibilisierung von Arbeitszeiten können sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken. Sie haben beispielsweise dazu beigetragen, dass die Grippewelle in diesem Jahr ausgefallen ist und Magen-Darm-Erkrankungen rückläufig waren“, erklärt er den auffallend niedrigen Krankenstand. Außerdem falle die sogenannte Bettkanten-Entscheidung „Bin ich krank – oder gehe ich arbeiten?“ häufiger pro Arbeit aus, wenn die Möglichkeit besteht, im Homeoffice zu arbeiten.

 

Eine weitere Spur der Pandemie erkennt Bikowski in einem leichten Anstieg der durchschnittlichen Krankheitsdauer. Während der Anteil der AOK-Mitglieder, die sich einmal oder mehrfach krankmeldeten, im Landkreis Rastatt von 42,2 auf 35,3 Prozent und in Baden-Baden von 41,4 auf 32, 9 Prozent fiel, verlängerte sich die durchschnittliche Krankheitsdauer von 12,6 auf 13,2 Kalendertage in Baden-Baden. Im Landkreis Rastatt verblieb sie konstant bei 13 Kalendertagen. Dies führt Bikowski darauf zurück, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen den höchsten Anteil an allen Arbeitsunfähigkeitsfällen ausmachen: „Diese Erkrankungen sind oft von langer Dauer und werden durch die Arbeit im Homeoffice begünstigt. Das viele Sitzen im nicht immer ergonomisch korrekt eingerichteten Homeoffice sowie das eingeschränkte Sportangebot während der Pandemie haben dazu geführt, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen bei der Krankheitshäufigkeit wie auch Krankheitsdauer aktuell den ersten Platz belegen.“

 

Zugenommen haben auch psychische Erkrankungen. „Im Landkreis Rastatt stieg der Anteil der psychischen Erkrankungen an allen Arbeitsunfähigkeitsfälle von 5,3 im ersten Halbjahr 2020 auf 5,6 Prozent im gleichen Zeitraum 2021“, entnimmt Bikowski der Statistik. „In Baden-Baden verzeichnen wir eine Zunahme von 5,1 auf 6,6 Prozent.“ Gleichzeitig stieg die Dauer einer durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Landkreis Rastatt um mehr als zwei Tage – von 26,5 Tagen im Jahr 2020 auf 28,9 Tage je Fall in 2021. In Baden-Baden sank sie von 35 Tagen auf 28,7 Tage je Fall.

 

Fotonachweis: AOK-Mediendienst

 

Nina Weber

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