Corona-Frust nicht versüßen: AOK-Analyse zu stark übergewichtigen Kindern im Kreis Tuttlingen

Kinder essen zu viel Zucker. Gerade Lebensmittel für die Jüngsten weisen einen übermäßigen Zuckeranteil auf. Dabei leiden auch im Kreis Tuttlingen immer mehr Kinder unter krankhaftem Übergewicht.

Datum: 08.05.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Tuttlingen

Die Zahl der wegen Adipositas behandlungsbedürftigen Kinder zwischen 0 und 12 Jahren, stieg im Zeitraum von 2014 bis 2018 um 5,5 Prozent. Der Anteil stieg dabei bei den Mädchen mit 7,6 Prozent stärker als bei den Jungen mit 6,2 Prozent. Darauf weist die AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg hin. In absoluten Zahlen heißt das: Wurden 2014 noch 137 Kinder ambulant oder in Krankenhäusern aufgrund ihres starken Übergewichts behandelt, waren es 2018 schon 188. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer hier um einiges höher liegt, da in die Statistik nur diejenigen Kinder eingehen, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Eine für Deutschland ausgelegte Studie des Robert Koch-Instituts hat ergeben, dass inzwischen jedes siebte Kind übergewichtig ist. Die Anzahl der adipösen Kinder, die wegen Fettleibigkeit ärztlich behandelt werden, steigt mit dem Alter. Während bei 0,9 Prozent der Ein- bis Vierjährigen eine Adipositas vorliegt, steigt sie bei den Fünf- bis Neunjährigen auf 2,2 Prozent und bei den Zehn- bis Zwölfjährigen auf 3,7 Prozent.

 

Katharina Lause, Ernährungsberaterin bei der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg in Tuttlingen, warnt. „Die Risiken des oft verharmlosten „Babyspecks“ seien nicht zu unterschätzen. Starkes Übergewicht schon im Jugendalter kann zu Bluthochdruck, Diabetes, Leberschäden, Stoffwechselstörungen oder Gelenkproblemen führen.“ Hinzu kämen massive seelische Probleme verbunden mit einem höheren Risiko für Mobbing.

 

Gerade jetzt während der Corona-Krise greifen Groß und Klein vermehrt zu Süßigkeiten, da viele Menschen die meiste Zeit des Tages zu Hause verbringen. Laut Internationalem Süßwarenhandelsverband verzeichneten die Verkäufe von Süßwaren in den vergangenen Wochen ein zweistelliges Plus. „Zum vermehrten Naschen aus Langeweile oder Frust kommen der fehlende Sportunterricht und die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten“, gibt Lause zu bedenken. Kinder und Jugendliche mit Gewichtsproblemen benötigten während der Corona-Krise deshalb eine besonders intensive Unterstützung. „Gesunde Ernährung und Freude an Bewegung müssen einem Kind vorgelebt werden – am besten, die ganze Familie macht mit.“

 

Ein hoher Zuckerkonsum führe unter anderem zu Übergewicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, die Zufuhr an freiem Zucker auf 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu beschränken, was bei einem Erwachsenen maximal 50 Gramm oder 10 Teelöffeln entspricht. Bei Kindern die Hälfte: 25 Gramm Zucker pro Tag. Der tägliche Zuckerverbrauch in Deutschland beträgt jedoch durchschnittlich 90 Gramm pro Person – meist versteckt in Lebensmitteln wie Müsli, Fruchtjoghurt, Tiefkühlpizza, Säften oder Saucen.

 

 

 

 

 

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