Demenzrisiko durch gesunden Lebensstil positiv beeinflussen: Trotz höherer Lebenserwartung weniger Fälle

Die Karlsruher und ihre Nachbarn sind seltener von dem krankhaften Vergessen betroffen als der Bundesdurchschnitt: Die Prävalenz der Demenz, also ihre Häufigkeit in der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt, liegt bundesweit bei 1,86 Prozent, in der Region Mittlerer Oberrhein dagegen bei 1,49 Prozent.

Datum: 08.04.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Karlsruhe

„15.400 Menschen in der Region Mittlerer Oberrhein leiden an Demenz, in ganz Deutschland sind es etwa 1,54 Millionen“, zitiert Gerontologin Gabi Klisch von der AOK Mittlerer Oberrhein das Forschungsprojekt BURDEN 2020. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) schafft zusammen mit dem Robert Koch-Institut und dem Umweltbundesamt im Forschungsprojekt BURDEN 2020 Transparenz zur gesundheitlichen Beeinträchtigung bei ausgewählten Krankheiten unter allen Einwohnern in den Regionen Deutschlands. 

 

„Auch wir von der AOK verzeichnen vor Ort einen Rückgang sowohl der Prävalenz als auch der absoluten Fälle bei Demenz“, bestätigt Klisch die Tendenz. So wurden im Zeitraum zwischen 2015 und 2019 in Karlsruhe und im Landkreis jährlich rund drei Prozent Versicherte weniger behandelt.

 

Hauptgründe für diese positive Entwicklung könnten laut Gabi Klisch ein verbesserter Lebensstil durch mehr Bewegung, eine gesündere Ernährung, ein Mehr an sozialen Kontakten sowie ein vergleichsweise hoher Bildungsstandard sein. „Heilbar ist der fortschreitende Abbau der geistigen Fähigkeiten bisher leider nicht“, so Klisch. Es besteht jedoch die Möglichkeit, das Demenzrisiko durch eine gesunde Lebensweise zu reduzieren. Die Gerontologin empfiehlt deshalb: „Regelmäßige körperliche Bewegung, ein geistig aktives Leben mit immer neuen Anregungen für das Gehirn und die Pflege sozialer Kontakte mit Angehörigen und Freunden. Des Weiteren versorgt eine mediterrane Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Olivenöl und Nüssen, Fisch und wenig rotem Fleisch das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen. Dadurch können Risikofaktoren minimiert werden wie etwa Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Cholesterinwerte.

 

Der Begriff „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß „ohne Geist“. Er ist der Oberbegriff für verschiedene Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit, von denen Alzheimer die bekannteste und mit zwei Dritteln aller Demenzerkrankungen auch die häufigste ist. Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren für eine Demenz, die gut beeinflussbar sind. Dazu zählen beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Depressionen, Vitaminmangelzustände, Alkoholmissbrauch, eine zu hohe Medikation oder auch Wechselwirkungen von Medikamenten.

 

„Da eine Demenz in den meisten Fällen nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch die Angehörigen betrifft, ist es umso wichtiger, auch den pflegenden Angehörigen Unterstützung zu bieten“, so Klisch. Eine Demenzdiagnose darf nicht zum Ausschlusskriterium in unserer Gesellschaft werden. Demenzkranke und ihr Umfeld müssen besser integriert und gesellschaftlich akzeptiert werden. „Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft werden etwa 80 von 100 Menschen mit Demenz von ihren Angehörigen versorgt. Häufig sind es Frauen, die zwischen sechs bis zehn Stunden täglich für die Pflege des erkrankten Angehörigen aufwenden. Die Demenz und ihre Symptome belasten viele dieser pflegenden Angehörigen und schränken deren Lebensqualität stark ein.“

 

www.wegweiser-demenz.de

 

www.krankheitslage-deutschland.de

 

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