Depression im Alter: Pandemie verstärkt das Leiden

Wenn betagte Menschen schwermütig oder antriebslos wirken und sich völlig zurückziehen, können dies Symptome einer depressiven Erkrankung sein.

Datum: 26.11.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Karlsruhe

Laut einer aktuellen AOK-Statistik sind 21,5 Prozent aller Versicherten ab 70 von dem psychischen Leiden betroffen. Doch wie lassen sich in Zeiten der Kontaktbeschränkung Anzeichen einer Depression von einem „Lockdown-Koller“ unterscheiden?

 

„Hier sind Betroffene, Angehörige und Pflegende besonders gefordert.“ Harald Röcker, Geschäftsführer der AOK Mittlerer Oberrhein, sieht mit jeder Pandemiewelle auch eine Flut an psychischen Erkrankungen heranrollen. „Die durch COVID-19 verursachten Einschränkungen und Ängste können psychische Leiden auslösen oder verstärken. Eine Depression im Alter bleibt allerdings oft unerkannt – sie während der Corona-Pandemie zu diagnostizieren, kann sich aufgrund der reduzierten Kontaktmöglichkeiten doppelt schwierig gestalten.“ Für das Jahr 2019 zählte die AOK in der Stadt Karlsruhe 2.295 über 70-Jährige, die wegen einer Depression in Behandlung waren, im Landkreis Karlsruhe waren es 5.306 Personen. „Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen“, vermutet Röcker. „Insbesondere zum jetzigen Zeitpunkt, wo viele Menschen Arztbesuche meiden.“

 

Quarantäne und Kontaktverbot: Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus sind für viele Menschen ein Härtetest. Dennoch „Wer einmal schlechte Laune oder ein paar Tage einen ,Durchhänger‘ hat, ist nicht gleich krank“, so Röcker. „Erst wenn Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Interessenslosigkeit nicht mehr aufzuhören drohen, wird das seelische Tief zur Depression.“ Weitere typische Beschwerden seien Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel und eine starke Grübelneigung bis hin zu Suizidgedanken.

 

Erste Orientierung, ob man sich ärztlichen Rat suchen sollte, bietet ein Selbsttest unter www.deutsche-depressionshilfe.de. „Ein Arztbesuch wird dadurch nicht ersetzt“, betont Röcker. Doch wer versucht, die neun gestellten Fragen möglichst ehrlich und objektiv zu beantworten, kann vielleicht schon nach wenigen Klicks aufatmen. „Im Falle eines Verdachts auf eine depressive Störung oder einer akuten Krise sollte allerdings immer umgehend ein Arzt oder Notarzt kontaktiert werden.“

 

Insgesamt liege die Prävalenz bei Frauen etwa doppelt so hoch wie bei Männern, und bei allen Versicherten über dem 70. Lebensjahr etwa doppelt so häufig wie bei jüngeren Altersgruppen. Schwere Depressionen im Alter seien grundsätzlich nicht häufiger als im jüngeren Erwachsenenalter, beruft sich Röcker auf eine Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des Robert-Koch-Instituts (DEGS). Allerdings seien leichtere Depressionen zwei bis drei Mal so häufig bei älteren Menschen zu finden.

 

Menschen, die angesichts der Kontaktbeschränkungen oder Quarantäneverpflichtungen an Einsamkeit leiden, empfiehlt Röcker soziale Kontakte telefonisch und digital zu pflegen, sich – wenn möglich – regelmäßig an der frischen Luft zu bewegen, Alltagsstrukturen aufrechtzuerhalten und sich immer wieder neue Herausforderungen zu suchen wie etwa die Lektüre eines anspruchsvollen Buches. Wissenschaftlich geprüfte Online-Programme wie das kostenfreie  www.moodgym.de können interaktive Hilfe zur Selbsthilfe bieten und dabei unterstützen, die Zeit bis zum Beginn einer Therapie zu überbrücken.

 

Foto: AOK-Mediendienst

 

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