Der Preis des Alkohols

Letztes Jahr haben sich im Ostwürttemberg 58 Jugendliche ins Koma getrunken, davon zwölf im Landkreis Heidenheim. Das berichtet die AOK Ostwürttemberg.

Datum: 17.05.2018 / Kategorie: Ausbildung bei der AOK

Heidenheim

Der AOK-Geschäftsführer und der Suchtbeauftragte des Landkreises Heidenheim sind sich einig – Alkohol ist in Deutschland zu billig und zu einfach rund um die Uhr erhältlich. Vergangenes Jahr haben sich 58 bei der AOK versicherte Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren in der Region Ostwürttemberg in die Klinik getrunken – 17 mehr als 2016. „Angesichts solch einer Steigerungsrate sollte auch in Deutschland ein Mindestverkaufspreis für reinen Alkohol in Betracht gezogen werden“, sagt Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg mit Blick auf Schottland. Dort wurde zum 1. Mai ein Mindestverkaufspreis von 57 Cent je zehn Milliliter reinen Alkohols eingeführt.

 

„Der Preis regelt auch beim Alkohol die Nachfrage“, ist Bühler überzeugt und führt als Beispiel die vor 14 Jahren eingeführte Steuer auf sogenannte Alkopops an. „Über eine gezielte Besteuerung kann eine positive Lebensstiländerung auf breiter Front eingeleitet werden.“

 

Peter Barth, Suchtbeauftragter des Landkreise Heidenheim, plädiert angesichts des Alkohol-Hochkonsumlands Deutschland an die politischen Verantwortlichen, den Preis von Alkoholika nicht nur dem Markt zu überlassen. In Deutschland nimmt laut Statistischem Bundesamt der Konsum von harten Alkoholika – im Gegensatz zum Bier – zu. Seit 2013 verzeichnet das Amt einen stetig steigenden Verbrauch, 2016 waren es bundesweit 1,778 Milliarden Liter reinen Alkohols, der als Wodka, Schnaps und Korn getrunken wurde. Hier liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 2,2 Liter im Jahr.

 

Würde man die schottische Preisvorgabe für reinen Alkohol auf den deutschen Markt übertragen, würde eine 0,5-Liter-Flasche Bier zukünftig mindestens 1,40 Euro kosten und eine Flasche Wodka, die es derzeit beim Discounter für 4,99 Euro gibt, auf mindestens 14 Euro hochschnellen.

 

„Das bei feiernden Jugendlichen beliebte Mixgetränk Wodka mit dem Energydrink RedBull würde um 300 Prozent teurer werden!“ rechnet Barth vor. „Bei diesem Preis wird auch der Konsum von solchen harten Alkoholika  und damit die Anzahl der Komatrinker zurückgehen“, ist der Suchtexperte überzeugt.

 

Laut AOK Ostwürttemberg sind 2017 wegen eines akuten Alkoholrauschs – im Volksmund Komatrinken – im Landkreis Heidenheim 44 und im Ostalbkreis 149 Männer und Frauen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Insgesamt waren 602 AOK-Versicherte aufgrund alkoholbedingter Störungen in der Klinik, davon 197 aus dem Landkreis Heidenheim. Doch für den Landkreis Heidenheim kann die AOK Ostwürttemberg erfreuliches berichten. Die Zahl der jugendliche Komatrinker ist um neun Prozent zurückgegangen, die großen Zuwächse sind im Ostalbkreis zu finden.

 

Um dem Trend des exzessiven Alkoholkonsums entgegenzuwirken, schicken einige Landkreise in Niedersachsen den Eltern von jungen Komasäufern statt der entsprechenden Krankenkasse die Rechnung für den Notfall-Einsatz. Das können bis zu 1100 Euro sein.

 

„Das mag anfangs einen erzieherischen Effekt haben, doch ohne flankierende Maßnahmen wie eine Sucht- und Familienberatung lässt sich das Problem dadurch nicht lösen“, sagt AOK-Chef Josef Bühler und ergänzt: „Hinter solchen Alkohol-Exzessen stecken bei Wiederholung ja nicht nur Rituale zum Erwachsenenwerden, sondern auch soziale und psychische Probleme des Betroffenen, die gerade durch die familiäre Situation entstanden sein können.“

 

Grundsätzlich sei mehr Präventionsarbeit und Aufklärung über die Folgen von exzessivem Alkoholkonsum, der richtige Weg, um ein Umdenken zu bewirken, so AOK-Chef Josef Bühler.

 

Zur Erhebung der Zahlen

 

Alle aufgeführten Zahlen basieren auf Erhebungen unter allen AOK-Versicherten in Ostwürttemberg und umfassen zirka ca. 169.000 Personen und knapp 43 Prozent der gesetzlich Versicherten. Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr 2017Eingeschlossen wurden alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (ICD F10.0).“

 

Bild: Wenn es nur bei einem Bier bliebe … doch immer mehr junge Frauen greifen zu härterer Alkoholika. Zum ersten Mal haben sich in Ostwürttemberg mehr junge Frauen als junge Männer ins Koma getrunken.

 

Quelle: Pixabay

 

 

 

 

 

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