Der traurige Mann

Wenn die Freude am Leben verloren geht, die Arbeit immer schwerer fällt und Freunde und Familie vernachlässigt werden, sind das deutliche Zeichen einer depressiven Phase. Diese Diagnose erhalten noch immer fast doppelt so viele Frauen wie Männer – doch das vermeintlich starke Geschlecht holt stark auf. In Ulm, Biberach und Alb-Donau-Kreis registriert die AOK doppelt so hohe Zuwachsraten bei Männern mit der Diagnose Depression.

Datum: 15.01.2016 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ulm/Biberach

6.717 männliche Versicherte der AOK Ulm-Biberach ließen sich zuletzt wegen einer Depression behandeln: Das ist jeder Vierzehnte. 2010 waren es noch 4.701 Männer. In nur fünf Jahren sind es also 43 Prozent mehr geworden. Allein im Vergleich der letzten beiden Jahre stieg die Zahl der Betroffenen, die einen Arzt um Hilfe baten, um 14 Prozent. Dieser Trend gilt für Stadt und Land, für Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach, gleichermaßen.

Frauen begeben sich zwar doppelt so häufig in Behandlung – zuletzt war es jede siebte AOK-Versicherte (14,2 Prozent) –, die Zuwachsrate ist bei ihnen mit sieben Prozent jedoch nur halb so hoch. „Studien zeigen, dass Frauen ihre Verzweiflung, Hilfsbedürftigkeit und Depressivität besser formulieren können als Männer“, sagt Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. „Für Männer ist eine Depression häufig noch immer ein Zeichen von Schwäche und Versagen“, ergänzt Schwenk. Die vermehrte Behandlung männlicher Patienten könne jedoch darauf hindeuten, dass es hier langsam zu Verhaltensänderungen komme.

Die Zahl der diagnostizierten Depressionen bei Männern steigt mit dem Alter: Das erste Hoch verzeichnet die AOK bei den Anfang-60-Jährigen. Ab 75 steigt die Kurve rapide und erreicht den Höhepunkt mit 16 Prozent aller Betroffenen bei Hochbetagten 85 plus. „Der bevorstehende Ruhestand bereitet gerade Männern oft Probleme, da der Beruf für sie eine große Bedeutung hat“, erläutert Schwenk. „Auch Multimorbidität, also das Zusammenkommen mehrerer Krankheiten, was die Lebensqualität massiv einschränkt, ist ein Faktor für eine Depression“, so Schwenk weiter.

Ein Grund für die häufiger gestellten Diagnosen kann auch eine stärkere Präsenz des Themas Depression in der Öffentlichkeit sein. Zudem sind die Ärzte stärker sensibilisiert. Da sie wissen, dass Männer ungern Hilfe annehmen, sprechen sie sie anders an und testen sie aktiv auf Depression.

Die genauen Gründe für Depressionen sind noch immer nicht genau bekannt. Biologische Vorgänge, psychische Faktoren, die persönliche Situation und besondere Ereignisse im Leben spielen hier zusammen. Stress, Einsamkeit, Lichtmangel, Erkrankungen und Medikamente oder Abhängigkeiten wirken begünstigend.

Bei einer Depression ist es wichtig, dass man schnell handelt, damit das Leiden nicht chronisch wird. Wer vermutet, dass ein Angehöriger oder Freund betroffen ist, dem rät die AOK, ihm genau zuzuhören, dazu zu raten, sich Hilfe zu suchen, die Person bei der Behandlung zu unterstützen und Selbstmordgedanken unbedingt ernst zu nehmen. Zudem kann man dem Betroffenen dabei helfen, den Tagesablauf mit regelmäßiger Bewegung, sinnvoller Ernährung und sozialen Aktivitäten zu gestalten.

* Die Zahlen für Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach:

Ulm liegt im Fünf-Jahres-Vergleich etwas über dem Schnitt; es gab 2014 knapp 50 Prozent mehr Diagnosen bei männlichen AOK-Versicherten als 2010 (1.422 gegenüber 952 Personen). Der Anstieg von 2013 auf 2014 liegt bei 13 Prozent.

Im Alb-Donau-Kreis verzeichnete die AOK zuletzt 2.625 depressive männliche Versicherte, 15 Prozent mehr als im Vorjahr und 41 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor.

In Biberach zählte die AOK zuletzt 2.670 Versicherte mit Diagnose Depression, das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr und 41 Prozent mehr als im 5-Jahres-Vergleich, als 1.892 Männer betroffen waren.

Zur Erhebung der Zahlen: In der Analyse berücksichtigt sind alle Versicherten der AOK Ulm-Biberach in Ulm, Biberach und Alb-Donau-Kreis, was etwa jeden zweiten gesetzlich Versicherten in der Region und einen Schnitt durch die Bevölkerung abbildet. Es liegen die Zahlen für die Kalenderjahre 2008 bis 2014 zugrunde. Erfasst wurden alle Versicherten, die sich mit entsprechender Diagnose in ärztliche Behandlung begaben.

 

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