Der traurige Mann

Wenn die Freude am Leben verloren geht, die Arbeit immer schwerer fällt und Freunde und Familie vernachlässigt werden, sind das deutliche Zeichen einer depressiven Phase. Diese Diagnose erhalten noch immer fast doppelt so viele Frauen wie Männer – doch das vermeintlich starke Geschlecht holt stark auf. In Mannheim und Heidelberg, dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Neckar-Odenwald-Kreis registriert die AOK deutlich höhere Zuwachsraten bei Männern mit der Diagnose Depression. Die Zahlen der AOK gelten als besonders repräsentativ, da gut 43 Prozent aller gesetzlichen Krankenversicherten bei ihr versichert sind.

Datum: 24.02.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Mannheim

Diagnose Depression: Höhere Zuwachsraten bei Männern

 


Wenn die Freude am Leben verloren geht, die Arbeit immer schwerer fällt und Freunde und Familie vernachlässigt werden, sind das deutliche Zeichen einer depressiven Phase. Diese Diagnose erhalten noch immer fast doppelt so viele Frauen wie Männer – doch das vermeintlich starke Geschlecht holt stark auf. In Mannheim und Heidelberg, dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Neckar-Odenwald-Kreis registriert die AOK deutlich höhere Zuwachsraten bei Männern mit der Diagnose Depression. Die Zahlen der AOK gelten als besonders repräsentativ, da gut 43 Prozent aller gesetzlichen Krankenversicherten bei ihr versichert sind.

 

 

14.151 männliche AOK Versicherte in der Region Rhein-Neckar-Odenwald ließen sich zuletzt wegen einer Depression behandeln (Zahlen der Kreise siehe Grafik am Textende): Das ist mit einem Anteil von 9 Prozent der männlichen Versicherten rund jeder Elfte. 2008 waren es noch 9.207 Männer (Anteil 6,3 Prozent). In nur sieben Jahren sind es also in der Region gut 53 Prozent mehr geworden. Frauen begeben sich zwar immer noch deutlich häufiger in Behandlung – zuletzt war es jede siebte AOK-Versicherte (14,2 Prozent) –, die Zuwachsrate ist bei ihnen jedoch nur halb so hoch.

 

„Studien zeigen, dass Frauen ihre Verzweiflung, Hilfsbedürftigkeit und Depressivität besser formulieren können als Männer“, sagt Stefan Strobel, Geschäftsführer der AOK Rhein-Neckar-Odenwald. „Für Männer ist eine Depression häufig noch immer ein Zeichen von Schwäche und Versagen“, ergänzt Strobel. Die vermehrte Behandlung männlicher Patienten könne jedoch darauf hindeuten, dass es hier langsam zu Verhaltensänderungen komme.

 

Die Zahl der diagnostizierten Depressionen bei Männern steigt mit dem Alter: Das erste Hoch verzeichnet die AOK bei den Anfang-60-Jährigen. Ab 75 steigt die Kurve rapide und erreicht den Höhepunkt mit 16 Prozent aller Betroffenen bei der Generation 85 plus. „Der bevorstehende Ruhestand bereitet gerade Männern oft Probleme, da der Beruf für sie eine große Bedeutung hat“, erläutert der AOK-Geschäftsführer. Im höheren Alter sei Multimorbidität, also das Zusammenkommen mehrerer Krankheiten, was die Lebensqualität massiv einschränke, oft ein Auslöser für eine Depression.

 

Ein Grund für die häufiger gestellten Diagnosen kann auch eine stärkere Präsenz des Themas Depression in der Öffentlichkeit sein. Zudem sind die Ärzte stärker sensibilisiert. Da sie wissen, dass Männer ungern Hilfe annehmen, sprechen sie sie inzwischen anders an und testen sie aktiv auf Depression. Die genauen Ursachen für Depressionen sind allerdings noch immer nicht abschließend geklärt. Biologische Vorgänge, psychische Faktoren, die persönliche Situation und besondere Ereignisse im Leben spielen hier zusammen. Stress, Einsamkeit, Lichtmangel, Erkrankungen und Medikamente oder Abhängigkeiten wirken begünstigend.

 

Bei einer Depression ist es wichtig, dass man schnell ärztliche Hilfe sucht, damit das Leiden nicht chronisch wird. „Die AOK Baden-Württemberg hat für ihre Versicherten mit den sogenannten Facharzt-Verträgen eine gute Verzahnung von Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten erreicht. Damit“, so Stefan Strobel, „erhalten Betroffene schnelleren Zugang zu einer geeigneten Behandlung als üblich, garantiert innerhalb von zwei Wochen.“

 

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