Drogenmissbrauch nimmt in der Region kontinuierlich zu (Schwäbisch Hall)

2018 wurden im Landkreis Hall 796 AOK-Versicherte wegen Betäubungsmittelsucht behandelt

Datum: 15.04.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Schwäbisch Hall

Wer gedacht hätte, dass der Konsum harter Drogen rückläufig sei, der wird durch eine aktuelle Statistik der AOK Heilbronn-Franken eines Besseren belehrt: Die Krankenhausbehandlungen wegen Drogenmissbrauchs stiegen bei AOK-Versicherten im Landkreis Schwäbisch Hall in den Jahren 2014 bis 2018 jährlich um 1,1 Prozent. Im Landesschnitt waren es 1,4 Prozent.

 

In absoluten Zahlen waren es im Landkreis 691 Fälle im Jahr 2014, 757 im Jahr 2016 und 796 im Jahr 2018. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2018 insgesamt 43.818 AOK-Versicherte wegen Betäubungsmittel-Missbrauchs behandelt, davon 27.865 Männer und 15.952 Frauen. Die Zahlen der AOK gelten als repräsentativ, da sie mit einem Marktanteil von über 45 Prozent in Baden-Württemberg mit Abstand die meisten Menschen versichert.

 

Bei der Altersverteilung fällt auf, dass die Zahl der Drogenfälle zwischen 15 und 40 Jahren fortlaufend größer wird und sich danach deutlich verringert.

 

Der Jahresbericht der deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht verdeutlicht, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist: Bei Befragungen haben rund acht Prozent der Bevölkerung zugegeben regelmäßig verbotene Substanzen zu konsumieren. Die Abweichung zu den AOK-Daten beruht darauf, dass sich nur ein Bruchteil der Drogenkonsumenten in ärztliche Behandlung begibt. Laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erhalten derzeit 79.400 Menschen in Deutschland eine Substitutionstherapie. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 1.398 drogenbedingte Todesfälle polizeilich registriert. Gegenüber dem Vorjahr ist damit ein Anstieg um 9,6 % zu verzeichnen (2018: 1.276 Drogentote).

 

AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein: „Bei Sucht handelt es sich um eine Krankheit, die auf Fehlregulierungen im Gehirn beruht. Drogen können positive Empfindungen auslösen, weshalb sich ein starkes Verlangen danach entwickeln kann. Der Betroffene verliert die Kontrolle über den Konsum, Gehirn und Organe werden geschädigt. Meist entwickelt sich zunächst eine psychische Abhängigkeit, die schleichend in eine körperliche übergeht.“

 

Häufig werde der Grundstein für Suchterkrankungen bereits in der Kindheit gelegt. Beispielsweise durch Beziehungskrisen in Familien oder belastende Situationen. „Mangelnder sozialer Rückhalt und fehlende Zukunftsperspektiven spielen bei vielen Konsumenten ebenfalls eine Rolle,“ so Dr. Knapstein. Betroffene sollten unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Unterstützung bieten die Drogenberatungsstellen der Landratsämter. Patienten in der Nachsorge einer Suchterkrankung können von der biopsychosozialen Versorgung im Rahmen des AOK-Facharztvertrages PNP (Psychiatrie/Neurologie/Psychotherapie) profitieren. Diese beinhaltet regelmäßige fachärztliche Betreuung, unterstützende Gesprächstherapie sowie Beratung zu Lebensstil und Alltagsgestaltung durch den Sozialen Dienst der AOK.

 

  • Infos im Internet: aok.de/pk/bw/inhalt/aok-facharztprogramm/ 

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