Ein Drittel mehr alkoholbedingte Klinik-Aufenthalte in Ulm und Kreis

Schwörmontag, Stadt- und sommerliche Vereins-Feste: Die schönste Zeit des Jahres verleitet zu vermehrtem Alkoholgenuss. Der Trend, deutlich „einen über den Durst“ zu trinken, setzt sich in Ulm und Alb-Donau-Kreis in gravierendem Ausmaß fort. In ihrer Auswertung des Jahres 2014 verzeichnet die AOK Ulm-Biberach 31 Prozent mehr Personen, die alkoholbedingt ins Krankenhaus eingeliefert wurden, als im repräsentativen Schnitt der Vorjahre. Diese Steigerung verursachen vor allem Frauen: In Ulm mussten die 50 Prozent mehr das Krankenhaus aufsuchen – im Kreis sogar zwei Drittel. Besonders tragisch ist, dass sich die Zahl jugendlicher Trinkerinnen im Kreis verdoppelt hat..

Datum: 12.06.2015 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ulm

Landesweit sinken die Zahlen der Exzessiv-Trinker seit vier Jahren. In Ulm und Alb-Donau-Kreis hingegen setzt sich der Negativtrend bei Alkohol-Missbrauch massiv fort: Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 170 Personen, die in Stadt und Landkreis wohnten und bei der AOK versichert waren, volltrunken ins Krankenhaus. 2013 waren es noch 155 Personen. Das zeigt eine deutliche Steigerung gegenüber dem repräsentativen Schnitt der Jahre 2007 bis 2013 von 130 Personen.*

Ulm verzeichnete 73 Einlieferungen gegenüber 56 Personen im Schnitt der Vorjahre, der Alb-Donau-Kreis 97 gegenüber 74, für beide Gebiete eine Steigerung um ein knappes Drittel. Im landesweiten Vergleich sind die Zunahmen nur in Biberach höher; hier hat sich die Zahl von 180 auf 250 um fast 40 Prozent gesteigert.

„Alkohol ist gesellschaftlich sehr akzeptiert und gehört gerade bei Festen fast zwingend und in größeren Mengen dazu. Die Gefahr und das Suchtpotenzial, die vom Alkohol ausgehen, werden wider besseres Wissen immer noch unterschätzt,“ sagt Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. „Daher möchten wir als Gesundheitskasse daran appellieren, das eigene Trinkverhalten zu überprüfen und besonders auf öffentlichen Veranstaltungen zu bedenken, dass Jugendliche sich beim Trinken an Erwachsenen ein Vorbild nehmen“, ergänzt sie. „Menschen, die Alkohol nicht mehr genießen, sondern brauchen, müssen sich unbedingt rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen“, so Schwenk. Baden-Württemberg-weit sanken die alkoholbedingten Krankenhaus-Aufenthalte 2014 gegenüber dem Sieben-Jahres-Schnitt um 6,4 Prozent. Die zeitliche Spitze des Alkohol-Missbrauchs bildet übrigens die Silvester-Nacht, gefolgt von Festen und Feiertagen.

Jahrelang waren Männer weit häufiger betroffen als Frauen – doch sie holen massiv auf: 30 der 73 eingelieferten Personen in Ulm waren weiblich. Im Vergleichszeitraum waren es 20, was eine Zunahme von 50 Prozent bedeutet. Noch drastischer sieht es im Alb-Donau-Kreis aus; hier liegt die Steigerung bei zwei Dritteln, auch wenn der Anteil der Frauen mit 35 von 97 Alkoholmiss-bräuchen, die in der Klinik endeten, insgesamt geringer ist. Im Sieben-Jahres-Schnitt verzeichnete der Kreis 21 Frauen. Das heißt jedoch nicht, dass die Männer vorbildlicher geworden wären – das Plus ist mit rund 17 Prozent ebenfalls signifikant.

Der Alkoholmissbrauch unter Frauen setzt sich leider bei den 15- bis 19-Jährigen fort. Im Alb-Donau-Kreis verdoppelten sich die alkoholbedingten Krankenhaus-Einlieferungen von weiblichen Teenagern von 6 im Schnitt der Vorjahre auf 12 in 2014. Für Ulm ist die Fallzahl insgesamt zu gering, um repräsentativ zu sein (4 gegenüber 3 Personen). Die männlichen Jugendlichen waren zurückhaltender. Im Alb-Donau-Kreis stieg die Zahl von 9 auf 11; damit wurden die Jungs erstmals von den Mädchen überholt. In Ulm blieben die Männer mit 5 gegenüber 6 Personen etwa konstant.

2014 kamen im Gesamtgebiet 32 Jugendliche alkoholbedingt ins Krankenhaus. „Seit Jahren unterstützt die AOK Ulm-Biberach die kommunale Suchtbeauftragte“, sagt Schwenk. „Im Hinblick auf diese Zahlen ist eine Fortführung dieser Arbeit wichtiger denn je. Während des Wachstums schadet Alkohol dem Gehirn viel mehr als im Erwachsenenalter. Was viele Jugendliche nicht wissen: Alkoholmissbrauch schränkt Fitness und Muskelaufbau stark ein“, warnt Schwenk.

Dabei geben die Zahlen nur einen Trend wieder – tatsächlich liegen sie deutlich höher. Jeder Zweite in Ulm und Alb-Donau-Kreis ist bei der AOK versichert, das heißt, die tatsächlichen Zahlen sind etwa doppelt so hoch. Schätzungen zufolge begibt sich nur jede zwanzigste Person, die sich krankenhausreif trinkt, auch in medizinische Behandlung.

* Zur Erhebung der Zahlen:

Alle aufgeführten Zahlen basieren auf Erhebungen unter allen AOK-Versicherten in Ulm und Alb-Donau-Kreis; sie umfassen etwa 50 Prozent der gesetzlich Versicherten und sind damit repräsentativ. Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr 2014, die Vergleichszahlen sind ein Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2013. Eingeschlossen wurden alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol.“

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