Erhöhter Medienkonsum verstärkt die Fehlsichtigkeit

Heilbronn. Heranwachsende verbringen inzwischen so viel Zeit vor dem Bildschirm wie in der Schule. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Forsa-Umfrage der AOK Baden-Württemberg. Dies hat erhebliche Folgen für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen: Immer mehr leiden unter Übergewicht und Sehstörungen. Im Landkreis Heilbronn stieg die Zahl der Diagnose „Fehlsichtigkeit“ von 2015 mit 2.586 Behandlungen, über 2.710 Behandlungen im Jahr 2017, auf 3.079 Augenarztbesuche 2019. Im Stadtkreis im gleichen Zeitraum von 1.269 über 1.466 auf 1.572.

Datum: 15.01.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Heilbronn

Laut Forsa schaut gut jedes zweite Kind bis 12 Jahre an einem durchschnittlichen Tag mindestens eine Stunde auf einen Fernsehbildschirm, Computer-Monitor oder Smartphone-Display. Bei 27 Prozent sind es täglich gut drei Stunden und an den Wochenenden sogar noch deutlich mehr.

 

 

 

„Studien zufolge wirken sich neben der genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren und die Freizeitgestaltung auf die Entwicklung von Fehlsichtigkeit bei Kindern aus,“ verdeutlicht der AOK-Kinder- und Jugendarzt Dr. Hans-Peter Zipp. Bei Heranwachsenden mit mehrstündigem Medienkonsum täglich, sei das Risiko für Augenbeschwerden wesentlich erhöht.

 

 

 

2019 waren in Baden-Württemberg insgesamt 107.984 AOK-versicherte Kinder wegen Augenleiden in ambulanter oder stationärer Behandlung. Dies entspricht 19,8 Prozent dieser Altersgruppe. Im Landkreis Heilbronn waren es 19,6 Prozent und im Stadtkreis 20,8 Prozent. Forsa hat festgestellt, dass der Medienmissbrauch bei Kindern aus bildungsfernen Schichten besonders hoch sei. Da sich bei den Kleinkindern das Sehvermögen erst noch entwickeln müsse, seien hier die negativen Folgen für die Gesundheit noch gravierender.

 

 

 

Dr. Hans-Peter Zipp: „Für die fehlerfreie Ausreifung des Sehsystems sind ständige visuelle Informationen und Erfahrungen notwendig. Fallen nun Kurz- oder Weitsichtigkeit in die Kinderjahre, so kommt es zu Störungen der Entwicklung des Sehens, die ein Leben lang nachwirken, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.“

 

 

 

Die sogenannte Schulkurzsichtigkeit entwickle sich ab dem sechsten Lebensjahr, da häufiger auf sehr nahe Gegenstände wie Bücher, Bildschirme oder Displays geschaut werde. Dies rege den Augapfel an zu wachsen. Die Folge ist Kurzsichtigkeit. „Kinder, die schlecht sehen, tun sich bei vielen Dingen schwerer als nötig: Beim Lernen, beim Sport oder auf dem Schulweg“, so der Facharzt.

 

 

 

Zur Vorbeugung empfehlen Augenkundler eine einfache und sehr effiziente Maßnahme: Täglich mindestens zwei Stunden an die frische Luft. Dr. Zipp ergänzt: „Je früher Kinder kurzsichtig werden, desto stärker wird ihre Sehschwäche im Erwachsenenalter ausgeprägt sein. Deshalb ist schnelles Gegensteuern wichtig.“

 

 

 

Die gute Nachricht: Sehschwächen und Fehlsichtigkeit lassen sich behandeln und mit einer Brille korrigieren. Wichtig sei, Auffälligkeiten zeitig zu entdecken und  vom Augenarzt untersuchen zu lassen. „Je schneller, desto besser. Nur so kann das betroffene Kind eine gute Sehleistung erreichen und sich störungsfrei entwickeln,“ rät der Kinder- und Jugendarzt.

 

 

 

(Bildunterzeile)

 

Jedes fünfte Kind hat eine Sehschwäche. Die Erkrankung wird durch zu häufigen Medienkonsum begünstigt. Foto: AOK

 

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