„Es ist vieles denkbar, man muss es halt ausprobieren"

AOK-Geschäftsführer Hans-Joachim Seuferlein und Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp diskutierten über die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

Datum: 03.07.2020 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Schwäbisch Gmünd, Aalen, Heidenheim

„Wer in einer Großstadt wie Stuttgart oder Berlin die Corona-Epidemie in einer Drei-Zimmer-Wohnung ohne Balkon mit seinen Kindern verbringen musste, überlegt sich bestimmt zurzeit, ob er nicht aufs Land ziehen sollte“, sagt Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp im Gespräch mit Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg. „Ein wichtiges Kriterium neben Arbeit und Schule, damit die Menschen aufs Land ziehen, ist eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Wenn es keinen Hausarzt mehr gibt und die nächste Klinik zu weit weg ist, hat der ländliche Raum gegenüber der Großstadt verloren.“

 

AOK-Chef Hans-Joachim Seuferlein sieht hier ebenfalls notwendige Anstrengungen, um die ärztliche Versorgung zukunftsfest zu machen. „Der jüngst vom Landratsamt vorgestellte Bericht zur Gesundheitsversorgung im Ostalbkreis und den beinhalteten Handlungsempfehlungen ist ein gutes Arbeitspapier, um mit allen Beteiligten in ganz Ostwürttemberg und den Menschen vor Ort in einen Dialog zu treten. Wir haben bei der Erstellung des Berichts mit unserer Expertise geholfen und sind auch weiterhin bereit, zu unterstützen.“

 

Seuferlein berichtet der Abgeordneten, dass die AOK Baden-Württemberg das Thema Versorgungssicherheit schon seit mehreren Jahren auf der Agenda hat und schon 2008 konkrete Maßnahmen ergriffen hat. „Damals ging es vielen kleinen Hausarztpraxen auf dem Land in Baden-Württemberg wirtschaftlich schlecht. Wir haben mit dem Hausärzteverband und dem Medi-Verbund einen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung geschlossen. Heute nehmen zwei Drittel aller Hausärzte in Ostwürttemberg am AOK-Hausarztprogramm teil und stehen dank einer besseren Vergütung ohne Fallzahlbeschränkung wirtschaftlich viel besser als noch vor zwölf Jahren da. Die Ärzte können im Rahmen des Programms, bestimmte Aufgaben an VERAHs – Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis – delegieren. Dadurch wird der Arzt entlastet und kann mehr Patienten behandeln.“

 

Seit März vergütet die AOK den am AOK-Hausarzt-Programm beteiligten Ärzten aufgrund der Corona-Epidemie die Fernbehandlung per Video und Telefon. „Das konnten wir mit unserem Partner regional schnell auf den Weg bringen“, so Seuferlein.

 

Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp plädiert dafür, solche Angebote der Fernbehandlung und die Telemedizin weiter auszubauen. „Das ist auch eine Chance für den ländlichen Raum. Wenn die technische Infrastruktur mit schnellem Internet vorhanden ist, könnte der Hausarzt vor Ort für den Facharzt in der Stadt einige Behandlungsschritte übernehmen“, meint die Expertin für digitale Infrastruktur der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

 

Der AOK-Chef berichtet, dass es solch ein Modellversuch unter dem Namen Telederm gibt. Hier fotografiert der Hausarzt mit einer Spezialkamera Hautveränderungen und sendet sie digital an den Hautarzt. „Ist der Befund harmlos, muss der Facharzt nicht aufgesucht werden.“

 

Die Bundestagsabgeordnete findet es gut, dass die AOK bei der Absicherung und Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung aktiv mitwirkt und hofft, dass verschiedene Modelle in der Region ausprobiert werden. „Es ist vieles denkbar, man muss es halt ausprobieren. Wir müssen neue Wege gehen, auch wenn es sich anfangs nicht rechnet.“ Apropos Rechnen. Stumpp und Seuferlein waren sich einig, dass bei zukünftigen lokalen Gesundheitszentren oder Mehrversorgungszentren (MVZ) die Trägerschaft nicht in den Händen von renditegetriebenen Unternehmen liegen sollte.

 

Foto: Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp und Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, trafen sich zum persönlichen Austausch.

 

Quelle: AOK Ostwürttemberg

 

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