Falsche Medikamenteneinnahme birgt große Risiken

Mit Wirkung zum 1. Oktober wurde ein neues Gesetz rechtskräftig, das den Anspruch von Patienten auf einen Medikationsplan regelt, wenn diese täglich drei oder mehr unterschiedliche Arzneien zu sich nehmen müssen. Dies ist vor dem Hintergrund wichtig, dass zahlreiche Medikamente gefährliche Wechselwirkungen haben können. Die AOK Heilbronn-Franken hat die Sinnhaftigkeit der Regelung für Patienten aus Heilbronn und Hohenlohe untersucht, die unter Bluthochdruck leiden.

Datum: 04.10.2016 / Kategorie: Arzneimittel

Heilbronn-Hohenlohe

Menschen mit Bluthochdruck nehmen häufig ACE-Hemmer und ein Medikament zur Entwässerung (Diuretika) ein. Diese Medikamenten-Kombination wurde im vergangenen Jahr im Stadtkreis Heilbronn an 1070, im Landkreis Heilbronn an 2.701 und im Hohenlohekreis an 1.317 AOK-Versicherte verordnet. Kommen hier Schmerzmittel wie beispielsweise ASS, Diclofenac oder Ibuprofen hinzu, kann dies zu akutem Nierenversagen führen.

In einer Studie wurde nachgewiesen, dass eine solche Dreierkombination von Arzneimitteln das Risiko für eine Nierenschädigung um mehr als 30 Prozent erhöht. Untersuchungen der AOK Baden-Württemberg haben gezeigt, dass diese Medikamente trotz der hohen Risiken häufig zusammen verordnet werden. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch bedeutend höher, da viele Menschen Schmerzmittel ohne Verordnung in der Apotheke kaufen.

Laut Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Gesundheit in Deutschland 2016, nimmt ein Drittel der Über-65-Jährigen fünf und mehr Arzneimittel regelmäßig ein. Dies geht mit einem stark erhöhten Risiko unerwünschter Wechsel- und Nebenwirkungen einher. Das RKI schätzt, dass es in Deutschland pro Jahr etwa 500.000 Krankenhausnotaufnahmen durch vermeidbare Medikationsfehler gibt. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Polymedikation wird auf jährlich 16.000 bis 20.000 geschätzt. Von Polymedikation spricht man, wenn Patienten mehrere verschiedene Arzneien dauerhaft einnehmen.

„Diese Zahlen zeigen die Bedeutung des neuen Gesetztes für die Patientensicherheit“, verdeutlicht Michaela Lierheimer, Geschäftsführerin der AOK Heilbronn-Franken. Eine gute Nachricht sei: Ärzte verschreiben älteren Patienten immer seltener Medikamente, die für sie ungeeignet sind oder sogar gefährlich werden können. Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ist der Anteil der AOK-versicherten Patienten ab 65 Jahren, die mindestens ein für sie potenziell riskantes Medikament von der sogenannten Priscus-Liste erhielten, von 29 Prozent im Jahr 2006 auf knapp 19 Prozent im Jahr 2015 gesunken. „Wir freuen uns, dass sich die Medikationssicherheit für die Patienten verbessert, und engagieren uns dafür, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt“, sagt Michaela Lierheimer. Gleichzeitig gewinnt das Thema Polymedikation an Bedeutung: So stieg der Anteil der AOK-versicherten Patienten ab 65, die fünf oder mehr Wirkstoffe im Quartal verschrieben bekamen, von 49 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 55 Prozent im vergangenen Jahr.

Die AOK unterstützt niedergelassene Ärzte in Heilbronn und Hohenlohe auf Wunsch dabei, potenziell gefährliche Kombinationen von Medikamenten bei älteren Versicherten zu erkennen. Dafür wurde eine spezielle Software entwickelt, die unter anderem Analysen zu den Themen Polymedikation, Wechselwirkungen oder Priscus-Arzneimittel für ältere Patienten möglich macht. Mit der Software lassen sich die Verordnungsdaten eines Vierteljahres in der Regel sechs bis acht Wochen nach Quartalsende tabellarisch oder grafisch aufbereiten. Dabei wird zum Beispiel die Verschreibung von Medikamenten analysiert, die auf der Priscus-Liste stehen und für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind.

Mit der verpflichtenden Einführung des Medikationsplans zum 1. Oktober ist das Thema Polymedikation noch stärker in den Fokus gerückt: Patienten, denen mindestens drei Medikamente gleichzeitig verordnet werden, erhalten durch ihre behandelnden Ärzte zukünftig einen Medikationsplan in Papierform. Nach Berechnungen des WIdO werden nahezu 20 Millionen Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland einen Anspruch auf einen Medikationsplan haben. Das entspricht einem Anteil von mehr als 28 Prozent aller 70 Millionen GKV-Versicherten.

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