Immer früher und länger vorm Bildschirm: „Generation Kurzsichtig“ auf dem Vormarsch

Etwa jedes fünfte Kind bis zum Alter von 12 Jahren litt 2019 landesweit an einer Sehstörung. Im Landkreis Rastatt zählte die AOK Mittlerer Oberrhein 1.950 Kinder mit Fehlsichtigkeit. Laut einer aktuellen Statistik der Krankenkasse entspricht das 22,4 Prozent der Versicherten dieser Altersgruppe. Tendenz steigend.

Datum: 12.01.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Rastatt

Die sogenannte Schulkurzsichtigkeit, auch Schulmyopie genannt, entwickelt sich ab dem sechsten Lebensjahr. Auslöser sind neue Sehgewohnheiten und Alltagsabläufe. „Schüler schauen häufiger in die Nähe – in Hefte und Bücher, aber auch auf Bildschirme und Displays“, so Petra Spitzmüller, Geschäftsführerin der AOK Mittlerer Oberrhein. Das rege den Augapfel an zu wachsen – Kurzsichtigkeit sei die Folge. „Kinder verbringen immer mehr Zeit vorm Monitor und immer weniger an der frischen Luft“, fasst Spitzmüller die aktuelle Entwicklung zusammen, die durch den Lockdown zusätzlich an Brisanz gewinnt.

 

In den vergangenen Jahrzenten wurde gerade bei Kindern und Jugendlichen – vor allem in Asien – eine starke Zunahme an Kurzsichtigkeit registriert. „Heute sind ein Drittel der Menschen in den Industrienationen kurzsichtig, in Asien sogar die Hälfte“, veranschaulicht Spitzmüller. „Insgesamt sind in Deutschland 35 Prozent der Kinder und Jugendliche kurzsichtig und rund 50 Prozent der Studenten.“

 

„Je früher Kinder kurzsichtig werden, desto stärker wird ihre Sehschwäche im Erwachsenenalter ausgeprägt sein, weil der Augapfel bis zum 30. Lebensjahr wächst“, erläutert Spitzmüller. Je nach Alter der Kinder empfehlen Fachleute unterschiedliche Richtwerte für die Mediennutzung: Unter fünf Jahren sollte der Nachwuchs maximal eine halbe Stunde am Stück, von sechs bis neun Jahren bis zu einer Stunde Computer spielen. Bei älteren Kindern ab zehn Jahren wird ein Zeitkontingent von zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr am Tag oder einer Stunde pro Lebensjahr in der Woche vorgeschlagen. Eltern sollten klare Tageszeiten und Zeiträume für die Nutzung von digitalen Geräten mit ihren Kindern vereinbaren.

 

Der intensive Blick auf digitale Geräte lässt Augen jucken, tränen, flimmern und ermüden. Krankheitserreger haben leichteres Spiel. Gerade im Homeschooling ist es umso wichtiger, vorm Monitor oder Display für optimale Bedingungen zu sorgen und den Nachwuchs für die Gefahren von digitalen Sehwelten zu sensibilisieren. Petra Spitzmüller rät zu einem Leseabstand von etwa 40 Zentimetern zum regelmäßig gesäuberten Monitor oder Display und dazu, nicht im Dunkeln vorm Bildschirm zu arbeiten oder spielen. Das Wichtigste – nicht nur für die Augen – sind aber häufige Bildschirmpausen und ausgiebige Aufenthalte im Freien.

 

Foto: Nina Weber-Kunt

 

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