Immer mehr Menschen in der Region leiden unter Altersdepressionen

Heilbronn. Die Frage, was wird, wenn wir alt werden, beschäftigt viele Menschen. Laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg klettert der Bevölkerungsanteil der 65-Jährigen und Älteren hierzulande bis zum Jahr 2060 auf 30 Prozent . Zudem zeigen Zahlen der AOK Baden-Württemberg, dass sowohl Anzahl als auch Anteil der Pflegebedürftigen seit 2015 um fünf Prozent angestiegen sind. Doch während Jüngere eher zuversichtlich sind, fürchten sich viele Ältere verstärkt vor Krankheit, dem Verlust von Angehörigen und Pflegebedürftigkeit. Dies ergab eine Forsa-Umfrage in Baden-Württemberg im Auftrag der AOK.

Datum: 16.12.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Heilbronn

Problematisch wird es, wenn aus den Ängsten Depressionen entstehen. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2019 insgesamt 145.949 AOK-Versicherte über 70 wegen depressiver Erkrankungen behandelt. Im Landkreis Heilbronn waren es 4.008 und im Stadtkreis Heilbronn 1.508. Landesweit waren im vergangenen Jahr 21,5 Prozent der AOK-Versicherten ab 70 wegen Depressionen beim Arzt, im Landkreis Heilbronn 21,7 Prozent und im Stadtkreis 19,3 Prozent. Rund die Hälfte der Menschen im Land sind bei der Gesundheitskasse versichert, daher gelten ihre Zahlen als besonders repräsentativ.

 

 

 

Dabei leiden Frauen doppelt so häufig unter depressiven Verstimmungen wie Männer. In den vergangenen fünf Jahren war in Baden-Württemberg ein jährlicher Anstieg der Erkrankungsraten von 2,3 Prozent zu verzeichnen, im Landkreis Heilbronn waren es 2,1 Prozent und im Stadtkreis 1,7 Prozent. Laut Robert-Koch-Institut ist wegen der Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie in diesem Jahr noch mit deutlich höheren Werten zu rechnen. Einsamkeit und Ängste machen krank!

 

 

 

AOK-Ärztin Dr. Alexandra Isaksson: „Eine Depression ist eine psychische Störung, die mit einer andauernden gedrückten Stimmung, starker Erschöpfung und Antriebslosigkeit einher geht. Die Lebensführung ist beeinträchtigt und es fällt schwer den Alltag zu bewältigen.“ Teilweise würden die Selbstzweifel bis hin zu Suizidgedanken führen, verdeutlicht die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Körperliche Begleitsymptome seien Schlafstörungen, Ohrgeräusche, Verdauungsprobleme und Schmerzen.

 

 

 

Die gute Nachricht: Depressionen können auch im Alter gut behandelt werden. „Ab einem gewissen Schweregrad stellt eine antidepressive Medikation, am besten in Verbindung mit einer Psychotherapie, die wirksamste Methode dar,“ so Dr. Isaksson. Auch die Patienten könnten etwas dafür tun, um einer depressiven Symptomatik entgegen zu wirken. „Insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie ist es notwendig, eine geregelte Tagesstruktur beizubehalten oder aufzubauen und in Bewegung zu bleiben,“ so die Ärztin.

 

 

 

Das Wichtigste sei, nicht allein in der aussichtslos erscheinenden Situation zu verharren, sondern sich anderen Personen anzuvertrauen und Hilfe anzunehmen. Im Falle eines Verdachts auf eine depressive Störung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Bei Fragen zur Erkrankung oder zu Anlaufstellen in der Nähe, kann man sich an das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe wenden: 0800 3344533. AOK-Versicherte haben die Möglichkeit, sich über ihren Hausarzt in ein spezielles Facharztprogramm einzuschreiben, über das ihnen eine zeitnahe psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung sowie Unterstützung durch den sozialen Dienst der AOK vermittelt werden kann.

 

 

 

 

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Infolge der Kontaktbeschränkungen durch Corona befürchten AOK und RKI einen weiteren Anstieg bei Altersdepressionen. Foto: AOK

 

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