Immer mehr Patienten mit Niereninsuffizienz im Landkreis Ludwigsburg

Die häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenkrankheit bei Erwachsenen sind Diabetes und Bluthochdruck.

Datum: 10.03.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ludwigsburg

Rund 8.370 AOK-Versicherte befanden sich im Jahr 2018 im Landkreis Ludwigsburg wegen einer chronischen Niereninsuffizienz in Behandlung. Landesweit waren es über 204.000 Versicherte der Gesundheitskasse. Während im Landkreis im Jahr 2014 noch 2,7 Prozent aller AOK-Versicherten wegen der Erkrankung ambulant oder stationär behandelt wurden, waren es im Jahr 2018 bereits 4,7 Prozent. Damit ist der Anteil der Betroffenen zwischen 2014 und 2018 um jährlich durchschnittlich 16,2 Prozent gestiegen. In ganz Baden-Württemberg lag die Steigerung unter den AOK-Versicherten im Mittel bei neun Prozent pro Jahr. Dies teilt die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr anlässlich des Welt-Nierentags am 12. März mit. Die Krankheitshäufigkeit steigt mit dem Alter kontinuierlich an. Ab einem Alter von 85 Jahren ist jeder Dritte von einer chronischen Niereninsuffizienz betroffen.

 

Wenn die Nierenfunktion abnimmt, sprechen Mediziner von einer Nierenschwäche oder Niereninsuffizienz. Unterschieden wird dabei zwischen einer akuten Niereninsuffizienz, wie sie beispielsweise bei einer Vergiftung entstehen kann, und einer chronischen Niereninsuffizienz, die auch chronische Nierenerkrankung genannt wird. Darum handelt es sich, wenn die Nieren länger als drei Monate nur eingeschränkt arbeiten oder sie dauerhaft geschädigt sind. Das Blut kann nicht mehr ausreichend gereinigt werden. Abfall- und Giftstoffe sammeln sich langsam im Körper an. Betroffene spüren eine chronische Erkrankung der Nieren oft erst, wenn es durch Folgeerkrankungen zu Beschwerden kommt oder die Nieren bereits versagen. Zu den Risikofaktoren, die zur Entstehung einer chronischen Nierenerkrankung beitragen können, zählen unter anderem starkes Übergewicht, Rauchen und starker Alkoholkonsum. Auch Zuckerkrankheit, also Diabetes, und Bluthochdruck können zu einer Einschränkung der Nierenfunktion führen.

 

„Übergewicht, Bewegungsarmut, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind weit verbreitet in unserer Gesellschaft des längeren Lebens. Dieser Lebensstil schädigt oft schleichend unseren Organismus und kann dann Jahrzehnte später zur Entstehung chronischer Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder in der Folge auch einer chronischen Nierenerkrankung beitragen. Diesen oft vermeidbaren Erkrankungen kann vorgebeugt werden, wenn von Geburt an ein gesundheitsförderlicher Lebensstil eingeübt und gepflegt wird“, sagt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.

 

Zu dauerhaften Nierenschäden kann es aber unter anderem auch kommen durch Entzündungen des Nierengewebes, Störungen des Harnabflusses – zum Beispiel durch Nierensteine – und angeborene Erkrankungen der Nieren, die von den Betroffenen nicht beeinflussbar sind. Die häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenerkrankung bei Erwachsenen sind Diabetes und Bluthochdruck. Die Nierenschädigung ist häufig eine schleichende Folgeerkrankung. Um einer Nierenschädigung vorzubeugen oder sie aufzuhalten, sind daher alle Faktoren bedeutsam, die sich auch positiv auf diese Grunderkrankungen auswirken. Dazu zählen insbesondere Rauchstopp, eine ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität und der Abbau von Übergewicht. Selbst wenn die Nieren bereits geschädigt sind, kann das Fortschreiten der Erkrankung durch den Lebensstil beeinflusst werden. Neben den genannten Faktoren können eine gute Einstellung der Blutzucker- und Blutdruckwerte und eine sichere Arzneimitteltherapie dazu beitragen, die Nieren vor einem weiteren Funktionsverlust bestmöglich zu schützen.

 

Auch manche Medikamente können das Nierengewebe schädigen. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte frei verkäufliche entzündungshemmende Schmerzmittel, die immer wieder oder auch über längere Zeiträume hinweg eingenommen werden. Studien zeigen, dass bei Bluthochdruckpatienten, Diabetikern und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei Patienten mit einer Entzündung des Nierengewebes Rauchen das Fortschreiten einer chronischen Nierenentzündung erheblich beschleunigt. Das kann zum Nierenversagen mit massiver Einschränkung der Lebensqualität führen.

 

Um Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung bestmöglich zu unterstützen, hat die AOK Baden-Württemberg mit MEDI Baden-Württemberg und in Zusammenarbeit mit dem Verbund nephrologischer Praxen (VNP) in Baden-Württemberg einen Facharzt-Vertrag geschlossen, der zum 1. April 2020 startet. Er fördert gezielt die umfassende Beratung und Unterstützung der Patienten durch den Nieren-Facharzt, auch Nephrologe genannt, in Abstimmung mit dem Hausarzt, um frühzeitiger dauerhafte Schädigungen zu erkennen und Spätfolgen zu vermindern. Im Vordergrund steht dabei das Vermeiden weiterer nierenbelastender Risiken. Daher sollten Patienten dringend zum Rauchstopp motiviert werden sowie zu regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung. Gefördert wird auch eine angepasste Arzneimitteltherapie. Zudem sollten bei fortgeschrittener Erkrankung die Patienten wissenschaftlich fundiert über die verschiedenen Möglichkeiten einer Nierenersatzbehandlung informiert werden. Begleitend zur Dialyse und in der Nachsorge einer Nierentransplantation werden die Patienten auch zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil beraten und motiviert, um die Rate an Komplikationen zu senken.

 

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