Immer mehr Sehfehler bei Kindern

Kinder und Jugendliche scheinen immer schlechter zu sehen. Laut einer Auswertung der AOK Baden-Württemberg nehmen die Sehstörungen im Landkreis Esslingen seit Jahren konstant zu. Vor fünf Jahren waren rund 5.280 AOK-versicherte Mädchen und Jungen im Alter bis zu zwölf Jahren wegen einer Sehstörung wie Kurz- oder Weitsichtigkeit in ärztlicher Behandlung. Im Jahre 2019 erhöhte sich die Zahl im Kreis Esslingen auf rund 6.000. In ganz Baden-Württemberg waren es 2019 insgesamt 107.980 Behandlungsfälle. Etwa jedes fünfte Kind war demnach in ambulanter oder stationärer Behandlung. Ein Anlass, das Thema einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Datum: 25.01.2021 / Kategorie: Kindergesundheit

Esslingen

„Ist die Mutter oder der Vater kurzsichtig, hat der Nachwuchs ein dreimal höheres Risiko, selbst kurzsichtig zu werden. Sind beide Elternteile betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit sechsmal so hoch, dass das Kind kurzsichtig wird“, sagt Dr. Zipp, Kinder- und Jugendarzt/ Neuropädiatrie bei der AOK Baden-Württemberg. Deshalb sei es wichtig, dass Eltern, die von einer Fehlsichtigkeit betroffen sind, ihre Kinder frühzeitig vom Augenarzt untersuchen zu lassen.

 

„Die sogenannte Schulkurzsichtigkeit entwickelt sich ab dem sechsten Lebensjahr. Schuld daran sind neue Sehgewohnheiten und Alltagsabläufe. Schüler schauen häufiger in die Nähe – in Hefte und Bücher, aber auch auf Bildschirme und Displays. Das regt den Augapfel an zu wachsen – Kurzsichtigkeit ist die Folge“, erklärt Dr. Zipp. Hinzu kommt, dass sich die Kinder viel weniger an der frischen Luft aufhalten, als während ihrer Kita-Zeit – ebenfalls ein begünstigender Faktor für das Entstehen von Kurzsichtigkeit, so Dr. Zipp.

 

Ursachen für Sehschwächen bei Kindern sind oft Baufehler der Augen, mitunter auch Augenerkrankungen. „Die Augen nehmen die Bilder aus der Umgebung nicht korrekt auf und werden im Gehirn nicht richtig zu einem Gesamtbild zusammengesetzt“, sagt Dr. Zipp.

 

Die gute Nachricht: „Baufehler der Augen, Sehschwächen und Fehlsichtigkeiten lassen sich in der Regel behandeln und mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren.“ Wichtig sei, Auffälligkeiten rechtzeitig zu entdecken und vom Augenarzt oder Orthoptisten untersuchen zu lassen. Vorbeugen ist besser als behandeln – das gilt auch für die Kurzsichtigkeit. Dazu Dr. Zipp: „Augenheilkundler empfehlen eine Maßnahme, die nichts kostet und die von den Jüngsten bis zu den Heranwachsenden einfach anzuwenden ist: Täglich mindestens zwei Stunden raus an die frische Luft. Das senkt das Risiko, dass eine Kurzsichtigkeit entsteht oder sich stark ausprägt“, so Dr. Zipp. Denn draußen wird das Auge auch auf weiter entfernte Objekte gelenkt.

 

 

 

 

 

 

 

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