Immer weniger Jugendliche im Vollrausch - Zahl der Krankenhaus-Einweisungen im Kreis Esslingen weiter rückläufig

Start frei für die Freiluftsaison und die Zeit der Sommerfeste in der Region. Doch die Vorfreude auf die ausgelassene Stimmung wird getrübt, denn es ist zu befürchten, dass die Feierlaune im Vollrausch endet. Eine aktuelle Auswertung der AOK Neckar-Fils gibt jedoch Anlass zur Hoffnung: Denn diese Zahlen belegen, dass der Trend zum Komatrinken bei den Jugendlichen im Landkreis Esslingen weiterhin rückläufig ist. Während 2014 insgesamt 49 Krankenhausfälle registriert wurden, reduzierte sich die Zahl im Vorjahr auf 43.

Datum: 08.06.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Esslingen

„Auch wenn die Zahlen seit einigen Jahren sinken, kann von Entwarnung nicht die Rede sein. Alkoholmissbrauch stellt nach wie vor eines der größten Gesundheitsprobleme in der Gesellschaft dar“, sagt Johannes Bauernfeind, Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils. Im Hinblick auf den jüngsten Vorschlag der neuen Landesregierung, der eine Lockerung des Alkoholverkaufsverbot von 22 Uhr abends bis 5 Uhr morgens vorsieht, bleibt abzuwarten, wie sich der Trend künftig entwickeln wird, so der AOK-Chef.

Dass Partys nicht mehr im Rausch enden müssen, wird den Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren zunehmend bewusst: Im Vorjahr mussten im Kreis Esslingen 15 junge Frauen wegen akuter Alkoholvergiftung stationär behandelt werden; 2014 waren es noch 23 aus dieser Altersgruppe (2013: 19, 2012: 22, 2011: 21, 2010: 27). Der seit dem Alkoholexzessjahr 2010 (52 Fälle) auffällig rückläufige Trend bei den männlichen 15- bis 19-Jährigen scheint sich auf stabilem Niveau einzupendeln: 2015 mussten 28 Heranwachsende wegen Vollrausch in die Klinik – zwei mehr als 2014 (2013: 26, 2012: 36, 2011: 43).

Über alle Altersgruppen hinweg zeigt sich bei Zahl der Krankenhauseinweisungen ebenso ein deutlicher Rückgang. Waren es 2014 noch 261 Fälle, reduzierte sich die Zahl in 2015 auf 237, wobei es bei den Frauen kaum eine Veränderung gab. Hier wurden 83 Einweisungen registriert (2014: 84, 2013: 79, 2012: 95, 2011: 65). Im Gegensatz dazu ist bei den Männern ein spürbarer Rückgang zu vermelden: Im Vorjahr mussten 154 von ihnen stationär behandelt werden; 2014 waren es 177 (2013: 150, 2012: 207, 2011: 211). „Ein Zeichen dafür, dass die Präventionsmaßnahmen gegen Alkoholkonsum und -sucht greifen und weiterhin vorangetrieben werden müssen“, so AOK-Chef Bauernfeind.

Seit Jahren fördert die AOK suchtpräventive Projekte der kommunalen Suchtbeauftragten im Kreis Esslingen, wie z.B. das Alkoholpräventionsprojekt HaLT (Hart am Limit), das die Abgabe von Alkohol an junge Menschen frühzeitig verhindern soll. „Wird ein Jugendlicher mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, wirbt die Klinik sowohl bei den Eltern als auch beim Jugendlichen für eine Teilnahme am Projekt HaLT. Sobald die Schweigepflichtentbindung unterschrieben ist, wird die Jugend- und Drogenberatung informiert. Die zuständige Beraterinnen oder der Berater nimmt Kontakt zum Betroffen auf, um über mögliche Motive zu sprechen sowie zum Brückengespräch und Risiko-Check einzuladen“, erläutert Gerhard Schmid, Leiter der Jugend- und Drogenberatung des Landkreises Esslingen. Gleichzeitig appelliert Schmid an die Verantwortung und das Vorbildverhalten von Erwachsenen im Umgang mit Alkohol.

Zusatzinformation:

In Baden-Württemberg zählte die AOK insgesamt 6.564 Krankenhaus-Fälle durch Komatrinken und erreicht damit seit der Zahlenerhebung im Jahr 2007 erstmals das niedrigste Ergebnis. Die Behandlungskosten für „Komatrinker“ beliefen sich im Jahr 2015 auf rund 5,9 Millionen Euro (2014: 6,4 Mio. Euro) davon rund 11 Prozent für die 15- bis 19-Jährigen.

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