Jährlich erkranken in Deutschland etwa 300.000 Menschen an Demenz

Main-Tauber-Kreis. Im Alter gehören Demenzen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Aktuell sind in Deutschland fast 1,6 Millionen Menschen daran erkrankt. Jährlich kommen etwa 300.000 neue Patienten hinzu. Rund zwei Drittel davon fallen unter die Rubrik Alzheimer. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts dürften demografisch bedingt im Jahr 2050 in der Bundesrepublik über zwei Millionen Menschen ab 65 Jahren an einer Demenz leiden. Doch die Erkrankung ist kein Schicksal. Mit einem gesunden Lebenswandel kann man vorbeugen.

Datum: 24.03.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Main-Tauber-Keis

Im Main-Tauber-Kreis war die Zahl der betroffenen AOK-Versicherten in den vergangenen fünf Jahren relativ konstant. 2015 wurden 1.074 Personen wegen Demenz behandelt, 2017 waren es 1.101 und 2019 1.037. Das entspricht einen Anteil von 1,8 Prozent der Versicherten. Im Durchschnitt gingen die Diagnosen im Landkreis zwischen 2015 und 2019 jährlich um 2,9 Prozent zurück. Die Zahlen der AOK gelten als repräsentativ, da sie mit einem Marktanteil von rund 47 Prozent die größte Kasse im Main-Tauber-Kreis ist.

 

Eine Demenzerkrankung liegt vor, wenn der Betroffene seit mindestens sechs Monaten durch Gedächtnisstörungen und weitere kognitive Ausfälle beeinträchtigt wird. Außer dem Gedächtnis können auch Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen vermindert sein. Die Wahrscheinlichkeit einer Demenz steigt im höheren Alter stark an. Der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge beträgt die Rate bei den 65- bis 69-Jährigen 1,6 Prozent, den 75-79-Jährigen 7,31 Prozent, den 85-89-Jährigen 26,11 Prozent und 40,95 Prozent bei den Menschen über 90.

 

„Übergewicht, Tabakkonsum, Bluthochdruck, Diabetes und Stoffwechselstörungen erhöhen das Risiko. Wer daher bestehendes Übergewicht abbaut, mit dem Rauchen aufhört und die genannten Erkrankungen konsequent behandelt, kann die Wahrscheinlichkeit für eine Demenz verringern“, weiß AOK-Ärztin Dr. Gudula Kirtschig. Vorbeugend empfiehlt sie „regelmäßige körperliche Bewegung, ein geistig aktives Leben mit immer neuen Anregungen fürs Gehirn und die Pflege sozialer Kontakte. Eine Kost mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst wird ebenfalls empfohlen, weil sie Übergewicht und Krankheiten vorbeugt, die das Risiko für eine Demenz erhöhen.“

 

Eine sorgfältige Untersuchung ist Voraussetzung für eine frühzeitige und wirkungsvolle Behandlung. Daher hat die AOK Baden-Württemberg zusammen mit den Medizinern im Facharztprogramm Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie großen Wert auf eine umfassende Diagnostik gelegt. Es ist zudem notwendig, den Patienten und seine Angehörigen gut zu beraten.

 

Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft werden etwa 80 von 100 Demenzkranke von ihren Angehörigen versorgt. „Häufig sind es Frauen, die zwischen sechs und zehn Stunden täglich für die Pflege aufwenden. Die Demenz und ihre Symptome belasten viele dieser pflegenden Angehörigen und schränken ihre Lebensqualität stark ein. Deshalb bietet die AOK Heilbronn-Franken Pflegeberatung und -kurse an – derzeit auch verstärkt online,“ so Dr. Gudula Kirtschig.

 

Für die Betroffenen sind Orientierungshilfen wichtig, um sich räumlich zurechtfinden. Auch eine geregelte Tagesgestaltung ermöglicht, den Alltag leichter zu bewältigen und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Verhaltenstherapie, körperliche Aktivität, Hirnleistungstraining und Biographiearbeit zählen unter anderem zu den Behandlungsmethoden. Für Fragen und Informationen rund um die Pflege stehen auch die Pflegestützpunkte in Heilbronn, Brackenheim und Möckmühl zur Verfügung. Alle Kontaktdaten findet man unter bw.pflegestuetzpunkt.de

 

 

 

 

(Bildunterzeile)

 

Die Pflege Demenzkranker wird zu 80 Prozent von Familienangehörigen in Privathaushalten bewältigt. Die AOK Heilbronn-Franken bietet vielfältige Hilfestellungen. Foto: AOK

 

Dr. René Schilling

Pressesprecher

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