Rems-Murr-Kreis: Kinder schauen zu viel auf Bildschirme

Fast jedes fünfte Kind in der Region leidet an einer Sehstörung

Datum: 23.02.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Waiblingen

Etwa jedes fünfte Kind in Baden-Württemberg war im Jahr 2019 wegen einer Sehstörung in ambulanter oder stationärer Behandlung. Das zeigt eine Auswertung der AOK Baden-Württemberg zu den Daten ihrer Versicherten. Im Rems-Murr-Kreis gingen 3.491 AOK-versicherte Kinder wegen eines Sehfehlers zum Arzt. Dies entspricht 18,6 Prozent der analysierten Gruppe. In ganz Baden-Württemberg waren rund 107.980 Kinder und somit 19,8 Prozent der Versicherten in dieser Altersgruppe betroffen.

 

Neben der genetischen Veranlagung haben auch Faktoren wie die Freizeitgestaltung Einfluss auf die Entwicklung von Kurzsichtigkeit. „Zu viel Naharbeit und zu häufiger Aufenthalt in Innenräumen wirken sich ungünstig aus“, sagt Dr. Hans-Peter Zipp, Kinder- und Jugendarzt bei der AOK Baden-Württemberg. Viele und vor allem ältere Kinder verbringen hierzulande viel Zeit vor einem Bildschirm. Eine kürzlich von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene Forsa-Studie zeigt, dass jedes zweite Kind im Land an einem durchschnittlichen Tag mindestens eine Stunde auf einen Fernsehbildschirm, Monitor oder auf ein Smartphone-Display schaut. Am Wochenende ist es noch mehr. 40 Prozent der 15- bis 18-Jährigen sitzen laut der Studie täglich sogar drei Stunden oder länger vor dem Bildschirm. An erster Stelle der von Kindern hierzulande genutzten Geräte steht der Fernseher (78 Prozent). Die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts unter 507 Eltern von Kindern zwischen ein und 18 Jahren wurde im Auftrag der AOK Baden-Württemberg im November 2020 durchgeführt..

 

In den vergangenen Jahrzehnten wurde bei Kindern und Jugendlichen – vor allem in Asien – eine starke Zunahme der Kurzsichtigkeit registriert. Doch gerade im Kindesalter kann eine unerkannte Fehlsichtigkeit gravierende Folgen haben: „Zum einen befindet sich das Sehsystem noch in der Entwicklung. Zum anderen können Sehfehler auch die gesamte Entwicklung des Kindes stören“, so Dr. Zipp. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung sind daher vor allem bei Kindern von großer Bedeutung.

 

Im Rahmen der gesetzlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt steht insgesamt dreimal der Sehsinn des Kindes mit im Fokus: Bei der U 5, der U 8 und der U 9. „Zusätzlich sollen Eltern unbedingt regelmäßig den Sehsinn ihrer Kleinen beobachten. Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ein Kind fehlsichtig ist, sind Klagen über Kopfschmerzen, Augenbrennen, vermehrtes Zwinkern oder Blendempfindlichkeit. Auch wenn das Kind ‚mit der Nase‘ liest, liegt der Verdacht nahe, dass eine Fehlsichtigkeit der Grund ist“, sagt Zipp. „Je früher Auffälligkeiten erkannt und behandelt werden, desto besser kann das Kind eine gute Sehleistung erreichen und sich selbst störungsfrei allseitig entwickeln“, so der Experte weiter. Baufehler der Augen, Sehschwächen und Fehlsichtigkeiten ließen sich in der Regel behandeln und mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren.

 

Die Veranlagung eine Fehlsichtigkeit zu entwickeln, ist vererbbar. „Ist entweder Mutter oder Vater kurzsichtig, haben die Kinder ein dreimal höheres Risiko, selbst kurzsichtig zu werden. Sind beide Elternteile betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit sogar sechsmal so hoch“, erläutert Zipp.

 

Die sogenannte Schulkurzsichtigkeit entwickelt sich ab dem sechsten Lebensjahr. Schuld daran sind neue Sehgewohnheiten und Alltagsabläufe. Schüler schauen häufiger in die Nähe – in Hefte und Bücher, aber auch auf Bildschirme und Displays. Das regt den Augapfel an zu wachsen – Kurzsichtigkeit ist die Folge. „Außerdem halten sich die Kinder und Heranwachsenden viel weniger an der frischen Luft auf als in der Kita-Zeit – ebenfalls ein begünstigender Faktor für das Entstehen von Kurzsichtigkeit“, so Zipp. Kinder sollten täglich mindestens zwei Stunden raus an die frische Luft. Dies senkt das Risiko, dass eine Kurzsichtigkeit entsteht oder sich stark ausprägt.

 

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