Komatrinken bei Jugendlichen nicht mehr angesagt – AOK-Statistik zeigt erfreulichen Trend

Aktuelle Auswertung der AOK Stuttgart-Böblingen zeigt rückläufige Krankenhauseinweisungen.

Datum: 10.05.2016 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Böblingen/Sindelfingen

Steigende Temperaturen, Feiertage und viele Maifeste in den Gemeinden - jetzt gibt es wieder viele Gelegenheiten für ein gemütliches Beisammensein in geselliger Runde. Dass dies bei Jugendlichen nicht zwangsläufig im Vollrausch enden muss, ist im Landkreis Böblingen ein erfreulicher anhaltender Trend.

 

„Die Zahlen bei der besonders gefährdeten Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen, die weiterhin ein Fünftel aller verzeichneten Fälle ausmachen, sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Das ist eine sehr gute Nachricht“, betont Christian Kratzke, Geschäftsführer der AOK Stuttgart-Böblingen. In der Tat gingen insbesondere die Zahlen bei den männlichen Jugendlichen auf ein Rekordtief zurück: Mit elf Krankenhausbehandlungen beobachtete die AOK den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2007 (2007: 30; 2008: 35; 2009: 40: 2010: 27; 2011: 30; 2012: 27; 2013: 36; 2014: 20). Bei den Mädchen zählte die AOK im Jahr 2015 insgesamt acht Einweisungen – und damit auch nur knapp ein Drittel des Vorjahreswertes (2007: 11; 2008: 20; 2009: 7; 2010: 19; 2011: 14: 2012: 18; 2013: 24; 2014: 22).

 

Dass die Zahlen seit mehr als vier Jahren rückläufig sind, zeige, dass viele Präventionsmaßnahmen greifen. Dabei unterstütze die AOK Stuttgart-Böblingen unter anderem seit Jahren auch die Jugendarbeit des Kommunalen Suchtbeauftragten des Landkreises.

 

„Wir hoffen sehr, dass sich dieser erfreuliche Trend auch in diesem Jahr über die Zeit der Outdoor-Feste fortsetzt“, so der AOK-Chef. Leider scheint gutes Wetter immer eine Art ´Risikofaktor´ zu sein: Je mehr die Temperaturen steigen, desto mehr Fälle von akutem Alkoholmissbrauch verzeichnete die AOK in den letzten Jahren. „Für viele sind das Frühjahr und der Sommer die schönste Zeit des Jahres – aber es ist neben der Faschingszeit leider auch die Zeit, in der die meisten Jugendlichen wegen Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert werden. Das Ziel muss sein, dass Komatrinken irgendwann kein Thema mehr ist“, so Kratzke. „Denn jeder einzelne Fall, den wir zählen, ist einer zu viel.“

 

Suchtpotential Jugend

 

Einstiegsdroge Alcopops: Wodka Lemon aus der Tube, knallroter Breezer mit Beeren und Rum oder prickelnder Slammer mit Tequila: Alcopops sind in. In den süßen Mixturen aus Aroma und Zucker geht der Alkohol praktisch baden: Immerhin zwei Schnapsgläser harter Sprit mit durchschnittlich 5,0 bis 6,0 Vol.-% reinem Alkohol sind je Flasche enthalten. Mit diesen alkohol- und farbstoffhaltigen Limonadengetränken entstand eine neue Generation von Alkoholkonsumenten. Die Gefahr dieser Drinks: Aufgrund des hohen Zuckeranteils und der Kohlensäure gelangt der Alkohol schnell ins Blut und wirkt somit besonders kurzzeitig. Geschmack und optische Aufmachung vermitteln zusätzlich den harmlosen Produktcharakter eines Limonadengetränkes. Dadurch wird der Alkoholgehalt oftmals weit unterschätzt – mit fatalen Folgen.

 

Alkoholkonsum bei Jugendlichen: Das erste Glas Alkohol wird laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) meist mit etwa 15 Jahren getrunken. Viele, die Alkohol einmal probiert haben, gehen künftig verantwortungsvoll damit um. Bei anderen nimmt der Alkoholkonsum jedoch riskante Ausmaße an. Generell neigen Jungen eher zum Rauschtrinken als gleichaltrige Mädchen. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern verstärkt sich mit zunehmendem Alter: Ab dem 18. Lebensjahr trinkt etwa die Hälfte der Männer regelmäßig mehr als fünf Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit, während dies nur etwa ein Drittel der Frauen tun.

 

Auswirkungen: Da die körperliche Entwicklung in diesem Alter noch nicht abgeschlossen ist, stellt Alkohol eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung für Kinder und Jugendliche dar. Die Leber kann den Alkohol nur sehr langsam abbauen, bereits geringe Mengen führen zu schweren Schädigungen und Vergiftungen. Am stärksten gefährdet ist das Gehirn, da die Reifung dessen meist erst mit dem 17. Lebensjahr abgeschlossen ist. Durch einen hohen Konsum können zudem die Pubertät und das Knochenwachstum verzögert werden. Auch die Persönlichkeitsentwicklung ist negativen Einflüssen ausgesetzt

 

Anmerkung für die Redaktionen

 

Datengrundlage:

 

  • Daten von Versicherten der AOK-Bezirksdirektion Stuttgart-Böblingen
  • Auswertungszeitraum: 2007 bis 2015
  • Selektionskriterium: alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol - Akute Intoxikation [akuter Rausch]“

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