Krankenstand steigt weiter

Im Coronajahr 2020 sind laut AOK-Statistik die krankheitsbedingten Fehlzeiten bei Arbeitnehmern im Landkreis Tübingen auf ein neues Hoch gestiegen. Bei der Kasse gingen zwar weniger Krankmeldungen ein, die Beschäftigten blieben jedoch länger krankheitsbedingt zu Hause.

Datum: 24.03.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Tübingen

Die im Landkreis Tübingen beschäftigten AOK-Mitglieder waren im Jahr 2020 an 5,2 Prozent aller Kalendertage krankgeschrieben. Im Vorjahr betrug der Krankenstand 5,1 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen: Im Jahr 2008 gab die AOK die Fehlzeiten ihrer beschäftigten Versicherten mit 4,0 Prozent an. Mit dem aktuellen Wert liegt die Region leicht über dem Landesdurchschnitt von 5,1 Prozent und unter dem bundesweiten Durchschnitt von 5,4 Prozent. Das Land Baden-Württemberg belegt im bundesweiten Ranking den vierten Platz. Geringer fiel der Krankenstand nur in Hamburg (4,3 Prozent), Bayern (4,8 Prozent) und Berlin (5,0 Prozent) aus. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse hervor, den der Geschäftsführer der AOK Neckar-Alb, Klaus Knoll, in einer Video-Pressekonferenz vorstellte.

 

Mit 56,2 Prozent hatten sich gut die Hälfte aller AOK-Mitglieder in Betrieben der Region einmal oder mehrfach krank gemeldet. Im Jahr 2019 lag dieser Wert etwas höher bei 57,7 Prozent. Auf 100 Versicherte registrierte die Kasse 154,3 Arbeitsunfähigkeitsmeldungen, das sind 11,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei entfielen auf jedes Mitglied durchschnittlich 19,0 krankheitsbedingte Fehltage, im Vorjahr waren es 18,6 Fehltage. Einen absoluten Spitzenwert von 46,3 Fehltagen im Schnitt erzielte hierbei der Bereich „sonst. Medizinische Fachangestellte“. „Dies und vor allem die Krankheitsdauer je Fall führten zu einem moderaten Anstieg des Krankenstandes“ erklärt Knoll. Die Krankheitsdauer habe sich von durchschnittlich 10,7 Tage je Fall im Jahr 2019 auf 12,3 Tage in 2020 erhöht.

 

Positiv wertet die Kasse, dass die Zahl der Langzeit-Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle, die länger als sechs Wochen krankgeschrieben waren) gleichgeblieben ist. Deren Anteil verharrt auf 4,1 Prozent, allerdings verursachten diese mehr AU-Tage (40,6 Prozent aller AU-Tage gegenüber 39,8 Prozent im Jahr 2019). Im Langzeitbereich fehlten Beschäftigte krankheitsbedingt im Durchschnitt ein dreiviertel Jahr lang

 

Wo Corona Spuren hinterlässt

 

Betrachtet man den Krankenstand im saisonalen Verlauf, fallen vor allem die Monate März und April auf. „Als die Pandemie so richtig Fahrt aufnahm und wir ab dem 16. März 2020 den ersten Lockdown hatten, schnellten auch die Krankmeldungen in die Höhe“, erinnert sich Knoll. „Mit 8,2 Prozent lag der Krankenstand im März deutlich über dem Niveau im Vorjahreszeitraum (5,8 Prozent). Und auch der April 2020 war mit 5,4 Prozent noch über Vorjahresniveau mit 4,9 Prozent.“ Dann jedoch beruhigte sich die Lage und der Krankenstand blieb Monat für Monat konstant unter den Vorjahreswerten. Erst im Dezember sei wieder eine Kehrtwende zu mehr Krankmeldungen erkennbar (Krankenstand Dezember 2020 von 4,9 Prozent gegenüber Dezember 2019 von 4,9 Prozent). Von März bis Dezember 2020 zählte die Kasse im Landkreis Tübingen 1.565 Krankmeldungen von AOK-versicherten Erwerbstätigen mit der Diagnose Covid 19.

 

Die Top drei AU-Krankheiten

 

Vergleicht man alle Krankheitsarten, die zu Arbeitsausfällen führten, blieb die Reihenfolge sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Dauer unverändert, mit leichten anteiligen Veränderungen. Mit 23,9 Prozent liegen die Atemwegserkrankungen nach wie vor vorne, wenn es um die Häufigkeit der Fälle geht. Dahinter reihen sich die Muskel- und Skeletterkrankungen mit 14,5 Prozent und die Erkrankungen des Verdauungssystems mit 6,5 Prozent ein. Betrachtet man die Dauer der Krankschreibungen, führen die Muskel- und Skeletterkrankungen mit 21,5 Prozent die Liste an, gefolgt von den Atemwegserkrankungen (13,6 Prozent) und den psychischen Beschwerden (11,7 Prozent).

 

Im Branchenvergleich fehlten die Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft mit 7,4 Prozent aller Kalendertage am häufigsten, eine auffällige Steigerung von 3,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. In 2019 führte dieses Ranking das Verkehrs-, Transport- und Baugewerbe mit 7,0 Prozent an. Am geringsten fiel der Krankenstand wie auch im Vorjahr im Wirtschaftszweig Dienstleistungen aus. Hier lag er bei 3,7 Prozent nochmals reduziert gegenüber 3,9 Prozent im Jahr 2019.

 

Betrachtet man die Entwicklung der Krankenstände nach Alter und Geschlecht fällt auf, dass die Arbeitnehmer zwischen 25 und 29 Jahren die geringsten Fehltage haben. Zunehmende Fehltage haben Beschäftigte ab einem Alter von 40 Jahren, sowohl Männer als auch Frauen. Ab 50 Jahren führen dann die Männer die Anzahl der krankheitsbedingten Fehltage an, bis zu einem Spitzenwert von 11,6 Prozent im Alter von 60 bis 64 Jahren.

 

Hinweis an die Redaktion:

 

Grundlage für den Gesundheitsreport sind Krankheitsdaten aus dem Jahr 2020 von 46.300 im Landkreis Tübingen beschäftigen AOK-Mitgliedern. Ausgewertet wurden diese vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO).

 

Berücksichtigt wurden nur durch eine ärztliche Bescheinigung gemeldete Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle). Als AU-Tage gelten Kalendertage, also auch Samstage, Sonntage und Feiertage. Fehlzeiten aufgrund von Kuren und Krankengeldfälle wurden ebenso berücksichtigt.

 

Eveline Blank

KC Balingen, Pressesprecherin

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