Kreis Böblingen: Blauer Dunst begünstigt Rheuma

Raucher haben ein um 40 Prozent höheres Risiko an rheumatoider Arthritis zu erkranken als Nichtraucher. In der Bevölkerung wissen das aber die wenigsten. Im Landkreis Böblingen sind die rheumatischen Erkrankungen auf dem Vormarsch. Der Weg zum Nichtraucher lohne sich, so die AOK Stuttgart-Böblingen zum Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai.

Datum: 28.05.2018 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Kreis Böblingen

Die Tatsache, dass Nikotin auch rheumatische Erkrankungen negativ beeinflusst, ist in der Bevölkerung kaum bekannt. „Rauchen zählt zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der rheumatoiden Arthritis. Zudem haben Patienten mit rheumatoider Arthritis ein dreifach erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben“, so Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Eine weitere häufige Todesursache bei diesen Patienten seien Schlaganfälle. Auch das Risiko für diese Erkrankungen werde durch das Rauchen erhöht, erklärt die Ärztin.

 

In Deutschland sind schätzungsweise zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung und 15.000 Kinder und Jugendliche von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen betroffen. Im Landkreis Böblingen stieg die Zahl der AOK-Versicherten, die sich wegen einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkries in ärztlicher Behandlung befanden, von 6.036 im Jahr 2014 auf 6.426 im Jahr 2016. Dabei konnten nur die Versicherten im Landkreis ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden; die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher.


Eine frühe Diagnose und Therapieeinleitung sind von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf der Erkrankung. „Bei Rheumatikern, die nicht rauchen, wirken Rheumamedikamente besser als bei Rauchern. Rheumakranke Raucher brauchen daher mehr Medikamente. Studien belegen auch, dass die Zerstörung der erkrankten Gelenke bei Rauchern aggressiver verläuft als bei Nichtrauchern“, so Dr. Knapstein und ergänzt: „Experten gehen davon aus, dass eine von fünf Erkrankungen an rheumatoider Arthritis verhindert werden könnte, wenn nicht geraucht würde. Die Ärztin empfiehlt: „Wer mit dem Rauchen aufhört kann dazu beitragen, dass die Krankheit weniger schwer verläuft und Therapien besser wirken. Das ist für die Betroffenen ein Plus an Lebensqualität“

 

 

 

Fest steht: „Mit dem Rauchen aufzuhören lohnt sich immer und in jedem Alter“, so Dagmar Weisheit, Gesundheitsexpertin und Leiterin der Rauchersprechstunde bei der AOK Stuttgart-Böblingen. Nikotin hat ein hohes und nachhaltiges Abhängigkeitspotential. Deshalb reichen gute Vorsätze und ein starker Wille oft nicht aus. "Hilfreich ist eine gute Vorbereitung, eine effektive Methode, oder die Unterstützung einer Gruppe", sagt Weisheit.


Infos zu Rauchersprechstunden und Kursen, die eine unterstützende Begleitung in ein nikotinfreies Leben bieten, gibt es bei der AOK Stuttgart-Böblingen unter 0711 2069-5452.

 

 

 

Ergänzende Infos zum rheumatischen Erkrankungen:

 

  • Der Begriff "entzündlich-rheumatische Erkrankungen" bezeichnet eine Gruppe sehr unterschiedlicher, oft chronisch verlaufender Krankheiten. Bei diesen Erkrankungen greift das Immunsystem eigenes Körpergewebe an. Fachleute sprechen daher von einer Autoimmunerkrankung. Die entzündlichen Reaktionen betreffen vor allem den Bewegungsapparat, können aber auch innere Organe wie Herz und Niere schädigen. Beispiele für solche Erkrankungen sind die rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew und der systemische Lupus erythematodes.
  • Bei fortgeschrittenem Rheuma können schon einfache Tätigkeiten schwerfallen. Dazu zählen zum Beispiel Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen.
  • Viele Betroffene haben starke Schmerzen, schwere körperliche Funktionseinschränkungen und einen schlechten allgemeinen Gesundheitszustand. Das schränkt die Lebensqualität ein.“

     

     

    Ergänzende Infos zum Thema Rauchen:

  • Tabak ist schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus der Neuen Welt zu uns nach Europa importiert worden. Doch erst im 17. Jahrhundert begann die "Sauferei des Nebels", wie das Rauchen anfangs bezeichnet wurde, erst Mode zu werden. Das "Tabaktrinken" wurde bei geistiger Arbeit oder zur Entspannung eingesetzt. Man versprach sich dadurch eine verbesserte Konzentrationskraft und eine Schärfung der Gedanken.
  • Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man die Schädlichkeit des Rauchens und beklagte das rasche Ansteigen der Raucherquoten. In der Bundesrepublik Deutschland ist zwischen 1950 und 1975 die Zahl der jährlich konsumierten Zigaretten von rund 500 pro Person auf etwa 2000 angestiegen. Diese Zahlen halten sich nahezu konstant auf diesem hohen Niveau.
  • Laut dem Statistischen Bundesamt rauchen übrigens 33% der Männer und 27% aller Frauen, Frauen mit steigender Tendenz.
  • Dem Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zufolge sterben bundesweit jährlich rund 115.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das Zigarettenrauchen verursacht jährlich mehr Todesfälle als AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammengenommen.

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