Lungenerkrankungen sind auf dem Vormarsch

Schwäbisch Hall. Durch die Corona-Epidemie werden viele andere Erkrankungen von der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Dabei sind insbesondere die Auswirkungen des Zusammentreffens von SARS-CoV-2-Viren mit Vorerkrankungen der Atemwege für die Betroffenen teilweise dramatisch.

Datum: 02.07.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Schwäbisch Hall

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung). Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht COPD - nach den koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfall - an dritter Stelle der Erkrankungen, welche die meisten Todesfälle nach sich ziehen. Die Gefahren für COPD-Patienten haben sich durch die aktuelle Pandemie noch drastisch erhöht, wie die AOK Heilbronn-Franken mitteilt.

 

In Baden-Württemberg wurden 2018 insgesamt 173.032 AOK-Versicherte wegen COPD behandelt, im Landkreis Schwäbisch Hall waren es 3.270Hall. Die Zahlen verharren seit Jahren, annähernd gleichbleibend, auf einem sehr hohen Niveau.

 

Experten des Robert-Koch-Instituts haben ermittelt, dass zwischen 80 und 90 Prozent der COPD-Erkrankungen auf das Rauchen zurückzuführen sind. AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein: „Eine COPD entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über Jahre hinweg. Typische Symptome sind Atemnot bei körperlicher Belastung - im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe – häufiges Husten, Auswurf, Geräusche beim Atmen wie Pfeifen und Brummen sowie verstärkte Beschwerden bei Erkältungen und Grippe. Die Betroffenen erleiden damit eine gravierende Einbuße an Lebensqualität.“

 

Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung ist das Organ dauerhaft geschädigt und die Bronchien verengt. Dadurch bekommt der Körper bei fortgeschrittener COPD nicht mehr genügend Sauerstoff. Schon Alltagstätigkeiten reichen aus, um außer Atem zu geraten. Durch häufige Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, dauerhafte Medikation, Fehlzeiten im Beruf, Rehabilitationsmaßnahmen, Frühverrentungen und vorzeitige Todesfälle entstehen hohe Kosten für das Sozialsystem. Beim Zusammentreffen mit dem neuartigen Corona-Virus besteht akute Lebensgefahr.

 

Die COPD-Erkrankungsrate nimmt mit dem Alter zu: In der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen sind etwa 0,8 Prozent aller Menschen betroffen, bei den 60- bis 64-Jährigen sind es bereits 8 Prozent und bei den 80- bis 84-Jährigen 12 Prozent. Experten schätzen die Zahl der nichterkannten Fälle noch wesentlich höher ein.

 

„Die Behandlung der COPD zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Medikamente können die Beschwerden lindern und Atemnot-Anfälle mindern. Heilung gibt es keine. Wichtig ist vor allem, auf das Rauchen zu verzichten, dazu kann der Weltnichtrauchertag einen wichtigen Impuls geben“, erklärt Dr. Sabine Knapstein.

 

Die AOK Heilbronn-Franken bieten zusammen mit Suchtberatungsstellen Nichtraucher-Kurse. Menschen mit einer chronischen Atemwegserkrankung können mit dem AOK-Curaplan lernen, akute Atemnot zu vermeiden und ihre Lebensqualität zu verbessern. Informationen gibt es in jedem AOK-Kundencenter und im Internet: www.aok.de/pk/bw/inhalt/curaplan-copd-3/

 

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Dr. René Schilling

Pressesprecher

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