Mädels trinken fast so viel wie Jungs

Im Ostalbkreis ist die Zahl der Personen, die im Jahr 2013 wegen eines akuten Alkoholrauschs – im Volksmund Komatrinken – in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Besorgniserregend ist die wachsende Zahl von Komatrinkerinnen. Hier eifern junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren den Jungs beim exzessiven Alkoholkonsum nach. Die Mädchen machen im Ostalbkreis schon 44 Prozent aller jugendlichen Komatrinker aus.

Datum: 23.07.2014 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Aalen, Schwäbisch Gmünd

Konnte noch letztes Jahr ein starker Rückgang vor allem bei Mädchen verkündet werden, hat sich dieses Jahr der Trend wieder umgekehrt.

Die AOK Ostwürttemberg konnte für den Ostalbkreis 29 Fälle jugendlichen Komatrinkens dokumentieren – zwei mehr als 2012.

Während es bei den Jungen einer weniger war, ist die Zahl bei den jungen Frauen um 3 gestiegen.

Auch beim Blick auf alle Altersklassen wird sichtbar, dass der Trend zu exzessivem Trinken sich im Ostalbkreis leider fortsetzt. Waren 2012 noch 144 Personen aus dem Ostalbkreis in die Klinik geliefert worden, stieg die Zahl auf 146. In der gesamten Region Ostwürttemberg sind 2013 282 Fälle (2012: 285) registriert worden.

Nach Geschlechtern waren im Ostalbkreis 97 Männer (2012: 98) und 49 Frauen (2012: 46) in stationärer Behandlung.

Da in der Region fast jeder Zweite AOK-versichert ist, ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl der wegen Alkoholkonsums Eingelieferten etwa doppelt so hoch ist. Und auch dies ist nur die Spitze des Eisbergs, denn geschätzt wird, dass lediglich jede zwanzigste Person, die sich krankenhausreif trinkt, auch entsprechend medizinisch behandelt wird.

Diese Entwicklung im Ostalbkreis mit leichten Trend nach oben, ist besonders erschreckend, da die Zahlen für ganz Baden-Württemberg um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen sind. Als repräsentativer Vergleich dient der AOK der Schnitt der Jahre 2007 bis 2012.

Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, plädiert angesichts der wieder steigenden Zahlen an alle Bürger, ihr eigenes Trinkverhalten zu überprüfen und gerade bei öffentlichen Veranstaltungen sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst zu sein. „Jetzt stehen wieder ganz viele Heimat- und Vereinsfeste an. Daher sollten alkoholhaltige Getränke teurer angeboten werden als nichtalkoholhaltige Getränke. Die Wirte, Händler und Vereinsmitglieder müssen den Jugendschutz ernst nehmen und konsequent einhalten. So können Alkoholexzessen unter Jugendlichen verhindert werden“, sagt der AOK-Chef.

Der Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin des Stauferklinikums Dr. Jochen Riedel unterstützt die Forderungen des AOK-Geschäftsführers. „Gerade das sogenannte Vorglühen – sprich günstig Alkohol einkaufen und vor dem Besuch des Festes zuhause trinken – scheint Teil einer neuen Jugendkultur zu sein“, sagt der Mediziner. „Jugendliche trinken dann in kurzer Zeit in größeren Mengen in der Regel Brandwein mit Energy-Drinks gemixt. Eltern dulden dies oft, doch hier muss gerade bei ihnen ein Umdenken stattfinden.“

Dr. Riedel beobachtet mit Sorge, dass auch immer öfter Jugendliche unter 15 Jahren in die Klinik kommen. „Rund 50 Komasäufer im Alter zwischen 13 und 18 Jahre wurden 2013 mit dem Notarztwagen in der Kinder- und Jugendmedizin am Stauferklinikum eingeliefert“, berichtet der Arzt aus seiner eigenen Statistik. „Bei mehreren Jugendlichen konnte neben einer Alkoholvergiftung auch anderer Drogenkonsum nachgewiesen werden.“

Durch den Alkoholkonsum gefährden sich die Jugendliche nicht nur selbst, sondern auch Fremde, etwa bei Verkehrsunfällen. Alkoholexzesse wirken sich auch negativ auf schulische Leistungen und soziale Beziehungen aus. Schwere Krankheiten, Abhängigkeit und sozialer Verfall können die Folge sein. Mit Blick auf die Frauen, die in jungen Jahren oft und exzessiv trinken, sieht Dr. Riedel, die Gefahr von Langzeitschäden bei den Betroffenen. „Das kann sich später beim eigenen Nachwuchs zeigen“, erklärt der Arzt. „Das Baby kann mit schweren geistigen und körperlichen Schäden zur Welt kommen. Daher müssen wir als Gesellschaft alle Anstrengungen unternehmen, um den exzessiven Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu verhindern.“

„Aufklärung muss das vorrangigste Ziel sein, damit Jugendliche erst gar nicht zur Flasche greifen“, skizziert Josef Bühler das gemeinsame gesellschaftliche Ziel. Daher unterstützt die AOK Ostwürttemberg die Arbeit des Suchtbeauftragten im Ostalbkreis jährlich mit zirka 8000 Euro.

Zur Erhebung der Zahlen

Alle aufgeführten Zahlen basieren auf Erhebungen unter allen AOK-Versicherten im Ostalbkreis und umfassen zirka ca. 100.000 Personen und knapp 43 Prozent der gesetzlich Versicherten. Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr 2013, die Vergleichszahlen sind ein Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2012. Eingeschlossen wurden alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol.“

Kontakt zur Pressestelle

Oliver Bayer

Pressesprecher

E-Mail: presse-owb@bw.aok.de
Telefon: 07171 601-125
Telefax: 07171 601-472
Mobil: 0173 7442715

Pfeifergäßle 21
73525 Schwäbisch Gmünd