Mehr Depressionen bei Senioren in der Region - Voraussichtlich weiterer Anstieg durch Corona-Einschränkungen

Ein kleines Stimmungstief kann jeder einmal haben. Im Normal-fall geht es schnell vorbei. Bei Menschen mit Depressionen ist das anders: Sie empfinden eine anhaltende gedrückte Stimmung, starke Erschöpfung sowie Antriebs- und Interesselosigkeit.

Datum: 21.12.2020 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Freudenstadt

Eine Auswertung der AOK Nordschwarzwald ergab, dass die Anzahl der über 70-jährigen Versicherten, die sich wegen einer Depression in ambulanter oder stationärer Behandlung befanden, in der Region Freudenstadt kontinuierlich zugenommen hat. Waren es im Jahr 2016 noch 1.607 Betroffene, so hat sich die Anzahl im Jahr 2019 auf 1.851 Versicherte erhöht. Landesweit ergibt sich für die über 70-jährigen AOK-Versicherten im Jahr 2019, dass der Anteil der Menschen, die wegen depressiven Störungen in ärztlicher Behandlung waren, mit zunehmendem Alter stetig gestiegen ist und bei Hochbetagten knapp ein Viertel der Versicherten umfasst. „Die soziale Isolation durch die Corona-Einschränkungen führen voraussichtlich zu einer weiteren Zunahme der Altersdepressionen“, sagt Harald Brandl, Pressesprecher der AOK Nordschwarzwald.

 

Besonders gefährdet, an einer Depression zu erkranken, sind Frauen sowie Menschen ohne vertrauensvolle persönliche Beziehungen und Bewohner von Pflegeheimen. Außerdem entwickeln viele Menschen vor dem Hintergrund anderer körperlicher Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Gehirns wie beispielsweise Schlaganfall, Parkinson oder Demenz sowie Krebserkrankungen und Diabetes eine depressive Symptomatik – Erkrankungen, die im Alter eine große Rolle spielen.

 

Die gute Nachricht: Eine Depression kann auch im fortgeschrittenen Alter gut behandelt werden. „Ab einem gewissen Schweregrad der Depression stellt eine antidepressive Medikation, am besten in Verbindung mit einer Psychotherapie, die wirksamste Behandlung dar. Dabei ist der Behandlungserfolg unabhängig vom Alter nachgewiesen“, sagt Dr. med. Dipl.-Psych. Alexandra Isaksson, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie bei der AOK Baden-Württemberg.

 

Auch die Betroffenen selbst können etwas dafür tun. Insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie ist es wichtig, eine geregelte Tagesstruktur beizubehalten bzw. aufzubauen und in Bewegung zu bleiben. „Im Falle eines Verdachts auf eine depressive Störung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden“, rät die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Grundsätzlich sei es wichtig, bei einer depressiven Symptomatik nicht alleine in der aussichtslos erscheinenden Situation zu bleiben, sondern sich trotz oft vorhandener Scham- und Schuldgefühle einer anderen Person anzuvertrauen.

 

Bei Fragen zur Erkrankung oder zu Anlaufstellen in der Nähe, kann man sich an das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe wenden: 0800 3344533. AOK-Versicherte haben die Möglichkeit, sich über ihren Hausarzt in ein spezielles Facharztprogramm einzuschreiben, über das ihnen eine zeitnahe psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung sowie auch Unterstützung durch den sozialen Dienst der AOK vermittelt werden kann.

 

Kontakt zur Pressestelle

Harald Brandl

Pressesprecher

E-Mail: harald.brandl@bw.aok.de
Telefon: 07231 381-309
Telefax: 07231 38191-309
Mobil: 0152 01569741

Zerrennerstraße 49
75172 Pforzheim