Mehr Hitze-Notfälle zu erwarten

Die Pandemie hat viele negativen Trends beschleunigt. Nicht so bei den Hitze-Notfällen im Landkreis. Für den starken Rückgang der hitzebedingten Behandlungszahlen gibt es viele Gründe: Menschen waren weniger beim Arzt, Freibäder hatten geschlossen, Urlaube wurden storniert und Sport lief in den eigenen vier Wänden ab. Bis 2019 gab es jedoch einen rasanten Anstieg. So lassen die Zahlen der AOK Stuttgart-Böblingen nichts Gutes für 2022 ahnen.

Datum: 03.08.2022 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Sindelfingen

Die Menschen im Landkreis Böblingen ächzten unter den anhaltenden hohen Temperaturen. Sie sorgen sich nicht nur um Wassermangel und extremen Wetterlagen, sondern leiden besonders unter den extremen Temperaturen. Zahlen der AOK Stuttgart-Böblingen zeigen: „162 AOK-Versicherte sind im Vor-Pandemie-Sommer 2019 wegen hitzebedingter Beschwerden behandelt worden", weiß Sebastian Scheible, Leiter Kommunikation und Politik der AOK Stuttgart-Böblingen. Schaue man auch auf die Landkreise, befinde man sich damit im oberen Mittelfeld. Trauriger Spitzenreiter sei der Landkreis Esslingen mit 404, gefolgt von der Landeshauptstadt mit 305 Behandlungsfällen. Landesweit waren es 2019 über 6.500 AOK-Versicherte, die sich behandeln lassen mussten.

 

Zu kämpfen haben die Menschen bei extremer Hitze mit Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. „Besonders gefährdet sind Menschen mit beispielsweise vermindertem gesundheitlichem Allgemeinzustand, starkem Übergewicht, aber auch mit chronischen Vorerkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, sowie akut Erkrankte.“, erklärt Frau Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg, die möglichen Risikogruppen. „Menschen, die sich bei Hitze körperlich anstrengen, tragen ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Dies gilt auch für das Tragen bestimmter Schutzausrüstung wie zum Beispiel bei Feuerwehr oder Polizei in Verbindung mit körperlicher Anstrengung.“, so Dr. Knapstein weiter.

 

Schaut man in den Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dann ist jeder vierte AOK-Versicherte über 65 Jahre überdurchschnittlich gefährdet, an heißen Tagen gesundheitliche Probleme zu bekommen und deshalb ins Krankenhaus zu müssen. An Hitzetagen mit über 30 Grad Celsius kam es laut dem Report hitzebedingt zu drei Prozent mehr Krankenhauseinweisungen in dieser Altersgruppe. Das Institut untersuchte unter anderem, wie viele Krankenhauseinweisungen in den Jahren 2008 bis 2018 auf Hitze zurückzuführen waren.

 

„Besonders ältere Menschen können aus unterschiedlichen Gründen gefährdet sein. Manche trinken bei Hitze zu wenig, weil ihr Durstempfinden vermindert ist. Andere nehmen die negativen Folgen der Hitze nicht wahr und reagieren deshalb erst spät. Ältere Menschen, die allein leben und deren Mobilität eingeschränkt ist, sind besonders gefährdet, weil sie auf die Unterstützung anderer angewiesen sind“, weiß die AOK-Ärztin.

 

Theoretisch jedem bekannt, in der Praxis jedoch wenige angewandt, ist das individuelle Schutzverhalten. Das Ergebnis der WIdO-Befragung (2018), zeigt zwar, dass die meisten Befragten ihr Trinkverhalten an heißen Tagen anpassen (87 Prozent), andere Schutzmaßnahmen werden jedoch vergleichsweise seltener umgesetzt. Ein gutes Sonnenschutzmittel verwenden weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent). Noch weniger (32 Prozent) schützen sich mit hautbedeckender Kleidung. Nur 29 Prozent achten darauf, bei erhöhter Belastung der Atemluft, beispielsweise durch Feinstaub oder Ozon, körperliche Belastungen und Sport zu vermeiden.

 

Deshalb empfiehlt die AOK: An heißen Tagen hilft es, viel zu trinken und besonders wasserhaltige Nahrung zu sich zu nehmen. Dafür eignen sich besonders gut wasserhaltige Obst- und Gemüsesorten wie beispielsweise Wassermelone, Gurke und Tomate. Wie es in den Mittelmeerländern vorgelebt wird, sind kalte Suppen, Salate und fettarme Gerichte mit viel Gemüse im Sommer eine gute Wahl. Eier, Erdnüsse, Mandeln, Geflügel, Käse, Milch, Meeresfrüchte und Kochsalz enthalten ebenfalls Elektrolyte. Als Getränke an heißen Tagen sind wie zu anderen Zeiten auch insbesondere Wasser sowie ungesüßte Kräuter- und Früchtetees empfehlenswert. Auch Saftschorlen (ca. ein Drittel Saft, zwei Drittel Wasser) eignen sich gut, weil sie nicht nur den Flüssigkeitsspeicher, sondern auch den Mineralhaushalt auffüllen.

 

Sport, leichte Bewegung an der frischen Luft oder auch Besorgungen sollten in die kühlen Morgenstunden verlegt werden. Um die Wohnung kühl zu halten, sollten in den frühen Morgenstunden möglichst alle Fenster weit geöffnet werden, um für Durchzug zu sorgen, später die Fenster abgedunkelt werden.

 

Sebastian Scheible

Leiter Kommunikation/Politik

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