Mit Schuleintritt steigen ADHS-Diagnosen: Jungen häufiger und früher betroffen

Der Befund kann das ganze Familienleben durcheinanderwirbeln: Erkrankt ein Kind an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), gelangen Eltern schnell an ihre Grenzen. Im Land- und Stadtkreis Karlsruhe zählte die AOK 2.184 betroffene Versicherte für das Jahr 2017, im Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden 529 Fälle.

Datum: 28.08.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Karlsruhe

ADHS gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. „Während in der Altersgruppe der Ein- bis Vierjährigen gerade mal 0,3 Prozent aller Kinder von ADHS betroffen sind, verzehnfacht sich die Häufigkeit in der Gruppe der Fünf- bis Neunjährigen“, beschreibt Harald Röcker, Geschäftsführer der AOK Mittlerer Oberrhein, die auffällige AOK-Statistik. „In der Gruppe der 10- bis 14-Jährigen steigt die Krankheitshäufigkeit sogar bis 5 Prozent an, während sich die Rate für die älteren Altersgruppen dann schnell der Null nähert.“

 

„ADHS wird am häufigsten nach dem Schuleintritt erstmalig erkannt“, erklärt Röcker den steilen Diagnose-Anstieg. „Die drei ADHS-Kernsymptome Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe und Impulsivität sind bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nicht ungewöhnlich“, räumt er ein. Mit Schulbeginn und den damit verbundenen Anforderungen zeige sich jedoch, dass diese Merkmale bei betroffenen Kindern ein Ausmaß annehmen, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet. Jungen erhielten die Diagnose früher und mehr als doppelt so häufig, weil bei ihnen die leichter zu beobachtende Hypermotorik ausgeprägter sei.

 

Doch was tun, wenn der Verdacht auf ADHS im Raum steht? „Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt und eine körperliche Untersuchung sind wichtig, um andere mögliche Ursachen für das auffällige Verhalten des Kindes auszuschließen“, rät Röcker. So können auch Schlafstörungen, Sehfehler, Schwerhörigkeit oder eine Schilddrüsenüberfunktion für Konzentrationsschwierigkeiten, Schulprobleme oder Hyperaktivität verantwortlich sein. „Die Ursachen der ADHS sind nicht abschließend geklärt, vermutlich ist die Störung aber nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung. Untersuchungen zeigen auch, dass der Transport des Botenstoffs Dopamin an die Nervenzellen im Gehirn verändert ist.“

 

Wie geht man mit kindlichen Wutanfällen um? Wie können Eltern ihr ADHS-Kind im Alltag am besten unterstützen? Was können Eltern für sich selbst tun? Antworten gibt der „ADHS-Elterntrainer“. Das online-Programm ist kostenfrei, bedarf keiner Registrierung und richtet sich nicht nur an Mütter und Väter von Kindern mit ADHS, sondern auch an andere Familien in ähnlich schweren Erziehungssituationen. Das Angebot der AOK wurde in Kooperation mit dem ADHS-Experten Professor Manfred Döpfner vom Uniklinikum Köln entwickelt und ist für alle Interessierten frei zugänglich.

 

www.adhs-elterntrainer.de

 

Foto: AOK-Mediendienst

 

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