Nachwuchs-Mangel

345 Versicherte der AOK aus Biberach, Alb-Donau-Kreis und Ulm waren 2014 wegen ungewollter Kinderlosigkeit in Behandlung. Vor allem 30- bis 39-Jährige suchen einen Arzt auf, wenn es mit dem Wunschbaby nicht klappt. Drei von fünf Rat Suchenden sind Frauen. Die Zahlen der Region waren über lange Jahre konstant und sind ab 2013 deutlich angestiegen.

Datum: 17.05.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Ulm

Die durchschnittliche Baden-Württembergerin bekommt zurzeit 1,46 Kinder. Biberach ist mit 1,71 Kindern pro Einwohnerin Spitze im Ländle. Der Alb-Donau-Kreis hält Platz neun der 44 Stadt- und Landkreise. Ulmerinnen dagegen stehen mit durchschnittlich 1,35 Kindern am unteren Ende der Tabelle, gemeinsam mit den anderen Großstadt-Bewohnerinnen: das typische Stadt-Land-Gefälle. Um den Bevölkerungsbestand zu halten, wären 2,1 Kinder nötig.[1]

Einer der Gründe für unsere niedrige Geburtenrate ist, dass im Land jeder Vierte zwischen 20 und 50 unfreiwillig kinderlos ist. Entweder fehlt der passende Partner – oder es klappt einfach nicht. Biberach, Alb-Donau-Kreis und Ulm bilden da keine Ausnahme: Zuletzt haben sich 345 Versicherte der AOK Ulm-Biberach[2] wegen Kinderlosigkeit vom Arzt beraten lassen. 204 davon, also fast 60 Prozent, waren Frauen.

Im Fünf-Jahres-Vergleich ist die Zahl wegen Kinderwunsch Hilfe Suchenden um ein Viertel gestiegen (2010: 275 Personen). Ein deutlicher Sprung ist von 2012 auf 2013 zu erkennen.

Kündigt sich nach über einem Jahr trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr kein Kind an, kann eine Fruchtbarkeitsstörung vorliegen. Dann ist es sinnvoll, gemeinsam mit einem Arzt nach den Ursachen zu suchen. Bei ungewollter Kinderlosigkeit werden Frau und Mann untersucht, auch wenn sich noch immer mehr Frauen „zuständig fühlen“ und den Spezialisten aufsuchen. Gynäkologe und Urologe vermitteln dann gegebenenfalls an Spezialpraxen oder Reproduktionszentren.

„Beim überwiegenden Teil der Paare führt die künstliche Befruchtung nach einem oder mehreren Behandlungszyklen zur ersehnten Schwangerschaft“, erläutert Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. Die AOK Baden-Württemberg zahlt bei den ersten drei Versuchen ihrer Versicherten drei Viertel der Behandlungskosten. Das sind 25 Prozent mehr als vorgeschrieben und gilt auch für weibliche gleichgeschlechtliche Lebenspartner-schaften. „Damit wollen wir Paare, die unter ungewollter Kinderlosigkeit meist sehr leiden, auf ihrem Weg zum Wunschbaby besonders unterstützen“, unterstreicht Schwenk.

Paare, die große Hoffnungen in die Behandlung setzen und trotz mehrerer Versuche scheitern, sollten über einen Besuch beim Psychologen oder einer Selbsthilfegruppe nachdenken. Die erlebte Trauer ist meist enorm. In einer solchen Situation können der Fachmann oder andere Betroffene helfen, sich wieder neue Ziele zu stecken, sei es durch verstärkte Freizeit-gestaltung, höheres berufliches Engagement oder eventuell eine Adoption.

[1] Quelle: Statistisches Landesamt, 2014

 

[2] Die AOK hat einen Marktanteil von 50 Prozent aller gesetzlich Versicherten in Ulm, Biberach und Alb-Donau-Kreis; die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2014. Detailzahlen sind am Ende der Pressemitteilung eingefügt.

Kontakt zur Pressestelle

Thomas Wöllhaf

Pressesprecher

E-Mail: presse-ulb@bw.aok.de
Telefon: 0731 168-705
Telefax: 0731 16891-705
Mobil: 0175 6070803

Schwambergerstraße 14
89073 Ulm