Neue Bedarfsplanung soll ärztliche Versorgung verbessern - Ob das hilft? AOK ist skeptisch

Eine Änderung in der Bedarfsplanung soll zusätzlich Ärzte ins Land spülen. In den Raumschaften Kehl und Offenburg könnten auch heute schon Ärzte eine Praxis eröffnen. Tun sie aber nicht. Die AOK Südlicher Oberrhein ist daher skeptisch.

Datum: 01.06.2019 / Kategorie: Versorgung in Baden-Württemberg

Offenburg

Am 1. Juli sollen mehr Ärzte die Versorgung der gesetzlich Versicherten in Deutschland verbessern. So zumindest der Plan des Gemeinsamen Bundesausschusses, der zu zusätzlichen Zulassungen von Ärzten und Psychotherapeuten führen soll.

 

Bundesweit könnten zu den bundesweit rund 3.440 derzeit offenen Niederlassungsmöglichkeiten weitere 3.470 hinzukommen. Tobias Rauber, Leiter des AOK-KundenCenters in Offenburg, hat Zweifel, dass diese Aufstockung in der Region ankommt.

 

Das Grundproblem, fehlende Ärzte und die ungleiche Verteilung in den Regionen, in den Städten und im ländlichen Raum“, so Rauber, „wird dies nicht lösen“. Schließlich stehen schon heute Arztpraxen leer, die eigentlich besetzt sein könnten. „In der Raumschaft Kehl zum Beispiel könnten sofort sechs Ärzte eine Praxis eröffnen, in Offenburg vier. Tun sie aber nicht“, bedauert Rauber. Deshalb sei es unrealistisch, anzunehmen, dass mehr Niederlassungsmöglichkeiten auch mehr Ärzte an den Start bringen.

 

„Wir brauchen innovative und sektorenübergreifende Versorgungskonzepte“, ist er überzeugt. Ein Grund für die schwindende Attraktivität des Hausarztberufs auf dem Land dürfte bei vielen Jungmedizinern die Vorstellung sein, rund um die Uhr zur Verfügung stehen zu müssen und kaum Zeit für sich und seine Familie zu finden. Die meisten jungen Ärzte würden eine Festanstellung und geregelte Arbeitszeiten bevorzugen. Außerdem wird der Arztberuf zunehmend weiblicher und viele Ärztinnen befürchten einen Konflikt zwischen beruflicher Verantwortung, Familienplanung und der eigenen Balance. „Es wird in Zukunft darum gehen, die Chancen der digitalen Möglichkeiten zu erkennen und besser zu nutzen“, ist sich Rauber sicher. „Die Telemedizin wird, wie auch die Versorgungsassistentinnen, die ihrem Chef in der Hausarztzentrierten Versorgung Hausbesuche abnehmen können, für eine deutliche Entlastung sorgen“.

 

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