Niedriger Krankenstand in der Stadt: AOK-Gesundheitsbericht 2019 für Karlsruhe

Auf das ganze Jahr 2019 hochgerechnet waren AOK-versicherte Beschäftigte aus Karlsruhe im Mittel 17,3 Tage krank. Die durchschnittliche Dauer pro Krankschreibung betrug dabei 10,5 Tage. Laut gerade erschienenem AOK-Report liegt die Krankheitsdauer im Land pro Fall im Schnitt bei 10,6 Kalendertagen. Untersucht wurden 44 Kreise und kreisfreie Städte in Baden-Württemberg.

Datum: 24.03.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Karlsruhe

Im Vergleich zum Jahr 2018 ist der Krankenstand in der Stadt stabil geblieben: Mit 4,8 Prozent liegt diese Kennzahl exakt auf Vorjahresniveau. Auch der baden-württembergische Landesschnitt mit 5,2 Prozent hat sich nicht bewegt. „Mit dem Krankenstand wird der Anteil der im Auswertungszeitraum angefallenen Fehltage im Kalenderjahr angegeben“, erläutert Christian Bikowski. „Mit 4,8 Prozent erfreut sich die Stadt seit Jahren eines vergleichsweise niedrigen Krankenstandes“, kommentiert der Koordinator für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK Mittlerer Oberrhein die Auswertung. „Der Landkreis Karlsruhe liegt mit 5,7 Prozent deutlich darüber.“ Junge Menschen ziehe es eher in größere Städte, die folglich eine gesündere Altersstruktur und einen niedrigeren Krankenstand aufweisen.

 

Die vier Krankheitsarten mit den höchsten Anteilen an allen Krankheitsfällen in der Stadt waren Atemwegserkrankungen (25,9 Prozent), Muskel- und Skeletterkrankungen (14,5 Prozent), Erkrankungen der Verdauungsorgane (8 Prozent) und Verletzungen (5,8 Prozent). Setzt man die Krankheitsarten jedoch in Relation mit den jeweiligen Gesamt-Fehlzeiten, ergibt sich eine neue Rangfolge: „Muskel- und Skeletterkrankungen führen zu 21 Prozent aller Fehltage“, schlüsselt Bikowski auf. „Atemwegserkrankungen stehen hier mit 14,1 Prozent an zweiter Stelle, dicht gefolgt von psychischen Erkrankungen (12,2 Prozent) und Verletzungen (9,6 Prozent).“ Betroffen sind vor allem Beschäftigte mit körperlich stark belastenden Tätigkeiten und ältere Menschen. „Präventionsangebote können die körperliche Belastbarkeit und Beweglichkeit der Beschäftigten verbessern und somit die Fehlzeiten sowie die Zahl der Neuerkrankungen verringern“, lautet die Erfahrung von Bikowski, der darauf hinweist, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Unternehmen dabei unterstützen, entsprechende Angebote zu etablieren.

 

„Die Fehltage bei psychischen Erkrankungen haben 2019 erneut zugelegt“, beobachtet Bikowski. „Im Jahr 2006 konnten wir in der Region Mittlerer Oberrhein 8,8 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Leiden zurückführen. Danach stiegen die Zahlen erst mal an. In den vergangenen vier Jahren stagnierte der Aufwärtstrend, der jetzt wieder zulegt – in der Stadt Karlsruhe liegen wir nun bei 12,2 Prozent.“ Hinter dieser Auffälligkeit vermutet Bikowski eine Sensibilisierung von Seiten der Ärzte wie auch der Betroffenen und Angehörigen für die Thematik. „Aber auch die Schnelllebigkeit in unseren Arbeitswelten und die zunehmende Komplexität auch bei einfachen Tätigkeiten können mit der Auslöser für psychische Erkrankungen sein“, so Bikowski. „Nicht jeder kommt mit der Flut an Veränderungen zurecht.“ Insbesondere im Dienstleistungssektor, etwa im Pflegebereich oder in Call-Centern seien Beschäftigte oft Stresssituationen ausgesetzt.

 

Die meisten Arbeitsunfähigkeitsfälle sind von kurzer Dauer. „70,2 Prozent aller Krankschreibungen umfassen maximal sieben Tage“, entnimmt Bikowski der Statistik für Karlsruhe. „Nur bei 3,4 Prozent aller Krankmeldungen handelt es sich um Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen. Diese allerdings verursachen 38,3 Prozent aller krankheitsbedingten Fehlzeiten.“

 

Der aktuelle Gesundheitsbericht 2019 basiert auf Krankheitsdaten von 196.067 beitragspflichtigen Mitgliedern der AOK Mittlerer Oberrhein, davon leben 50.004 in der Stadt Karlsruhe. Der größte Teil der AOK-Mitglieder im ausgewählten Bereich war in den Branchen Dienstleistungen, Handel und Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt.

 

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