Ortenau: Depressionen weiter auf hohem Stand

2017 litten im Ortenaukreis rund 15.800 AOK-Versicherte unter Depressionen

Datum: 09.10.2018 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Wenn schon das Aufstehen morgens schwerfällt, wenn der Antrieb fehlt und das, was man tut, sinnlos erscheint, dann lautet die Diagnose oft Depression. Sie verändert das Leben stark und nachhaltig. Betroffene empfinden eine große Leere, können sich kaum noch freuen und verlieren das Interesse an sozialen Kontakten. Menschen, die an Depressionen leiden, werden immer mehr. Die AOK Südlicher Oberrhein beobachtet seit Jahren einen Anstieg bei ihren Versicherten.

 

Im Ortenaukreis zählte die AOK im Jahr 2017 rund 15.800 Versicherte, die sich wegen Depressionen in ambulanter oder stationärer Behandlung befanden. Das entspricht fast zehn Prozent aller AOK-Versicherten in der Ortenau. „Drei Jahre zuvor waren dies noch 9,7 Prozent und 15.180 Versicherte“, erklärt Tobias Rauber, Leiter des Offenburger AOK-Kundencenters. Etwas doppelt so viele Frauen wie Männer waren davon betroffen.

 

Die Vergleichszahlen aus Baden-Württemberg sprechen eine ähnlich deutliche Sprache. Über 465.000 Versicherte waren 2017 an einer Depression erkrankt. Und auch in der gesamten Region Südlicher Oberrhein, dazu zählen neben dem Ortenaukreis auch die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und die Stadt Freiburg, meldet die Statistik mit 35.800 Versicherten einen hohen Stand (2014: 32.800 Versicherte).

 

Die Krankheitshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter tendenziell an. Die meisten Betroffenen zählt die AOK zwischen dem fünfzigsten und fünfundsechzigsten Lebensjahr.

 

„Obwohl die Zahl der Frühberentungen insgesamt zurückgeht, hat sich diese Zahl bei Menschen mit depressiven Störungen vom Jahr 2000 bis 2013 mehr als verdoppelt“, erklärt Prof. Katharina Domschke, ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Freiburg. Anzeichen für eine Depression sollten vom Hausarzt aktiv erfragt werden. Denn viele Patienten berichten von sich aus zunächst von körperlichen Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Problemen. „Wenn abzusehen ist, dass sich die Symptome einer depressiven Episode ohne Behandlung nicht zurückbilden, sollte eine leitliniengerechte Behandlung erwogen werden“, erklärt die Medizinerin. Zu den Zielen der Behandlung gehört unter anderem, dass sich die Beschwerden verringern, dass sich die Krankheit zurückbildet und dass der Betroffene wieder am sozialen wie am beruflichen Leben teilhaben kann.

 

„Zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Depressionen haben sich Psychotherapie und medikamentöse Therapien bewährt. „Studien weisen darauf hin, dass körperliche Bewegung Depressionen vorbeugen kann“, macht Katharina Domschke Hoffnung. Untersucht wurden vor allem Jogging, Walking, aber auch Aerobic und Kraftsport. „Von großer Bedeutung ist die Entstigmatisierung der Volkskrankheit Depression, woran zum Beispiel vom Freiburger Bündnis gegen Depression e.V. gearbeitet wird.“

 

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