Ortenau: Mit dem Alter steigt das Risiko

Die Behandlungszahlen wegen Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre sind rückläufig. Im Ortenaukreis begaben sich im letzten Jahr 866 AOK-Versicherte in ambulante oder stationäre Behandlung. Vier Jahre zuvor waren es noch 1.146 Versicherte.

Datum: 24.11.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

„Damit beobachten wir in der Ortenau einen ähnlichen Trend wie im Land“, erklärt Norbert Limberger, Leiter des AOK-KundenCenter-Netzwerks in der südlichen Ortenau. In Baden-Württemberg erfasste die AOK 2015 noch knapp 31.000 Versicherte, die wegen Magen- oder Darmgeschwüren in ärztlicher Behandlung waren, 2019 zählte die Kasse dann 28.300 erkrankte Versicherte. „Jährlich erkranken in Deutschland etwa 50 von 100.000 Menschen an einem Magengeschwür“, so Limberger. Die meisten sind älter als 50 Jahre, Frau und Männer sind etwas gleich häufig betroffen. Anders bei Zwölffingerdarmgeschwüren. An ihnen erkranken Männer etwa drei Mal häufiger als Frauen. Die Diagnose Zwölffingerdarmgeschwür erhalten pro Jahr etwa 150 von 100.000 Menschen.

 

Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren handelt es sich um abgegrenzte entzündliche Defekte in der Schleimhaut, die in tiefere Schichten der Magen- bzw. Darmwand hineinreichen. „Schmerzen im Oberbauch, die oft in direkten Zusammenhang mit den Mahlzeiten stehen, können auf ein Geschwür hinweisen“, erklärt AOK-Ärztin Sabine Knapstein. „Verschwinden diese nach dem Essen für einige Stunden, könnte ein Magengeschwür dafür verantwortlich sein. Treten sie nachts bei leerem Magen auf, könnte dies ein Anzeichen auf ein Zwölffingerdarmgeschwür sein“, so die Medizinerin. Oft blieben solche Geschwüre über einen längeren Zeitraum unentdeckt – gerade wenn die Beschwerden nicht eindeutig sind oder als weniger belastend wahrgenommen werden. Bei etwa 20 von 100 Betroffenen beginnt das Geschwür zu bluten. „Das kann ernsthafte Folgen haben“, warnt Knapstein. Dazu zählen beispielsweise Eisenmangel und Blutarmut, bei stärkeren Blutungen auch Teerstuhl und das Erbrechen von Blut.

 

„Um eine sichere Diagnose stellen zu können, ist eine Spiegelung von Magen und Dünndarm verbunden mit der Entnahme einer Gewebeprobe notwendig. Dies dient vor allem dem Ausschluss einer bösartigen Erkrankung und dem Nachweis einer Infektion mit dem Erreger Heliobacter pylori“. Eine solche Infektion wird meist bereits in er Kindheit erworben. Auch entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente wie beispielsweise Ibuprofen oder ASS können die Ursache solcher Geschwüre sein. „Dies gilt insbesondere, wenn die Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Auch Medikamente, die oft gegen Depression eingesetzt werden oder Chemotherapeutika können zu einer Geschwürbildung führen“.

 

Aber auch ein ungesunder Lebensstil – Rauchen, zu viel Alkohol, zu viel Kaffee – genetische Veranlagung oder psychosozialer Stress können die Entstehung solcher Geschwüre begünstigen. Zur Behandlung kann der Patient selbst etwas beitragen. Neben der Einschränkung von Nikotin, Alkohol und Kaffee könne auch der Verzicht auf fette und scharfe Gerichte sowie das Reduzieren von Stress die Genesung und die Vorbeugung erneuter Erkrankungen unterstützen. Ist eine Helicobacter-pylori-Infektion nachgewiesen, kann eine Kombination aus Medikamenten zum Magenschutz und Antibiotika erfolgreich sein. „Geschwüre, die nach sechs Monaten noch nicht abgeheilt sind, sollten in der Regel operiert werden“.

 

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