Ortneau: Fehlsichtigkeit bei Kindern nimmt zu. Die Zeit vor den Bildschirmen auch.

Die Fehlsichtigkeit bei Kindern nimmt deutlich zu. Im Jahr 2019 zählt die AOK unter ihren Versicherten bis 12 Jahre in der Ortenau 3.768 Kinder, die wegen Sehstörungen und Fehlsichtigkeit in ärztlicher Behandlung waren. Vier Jahre zuvor waren dies noch 450 Kinder weniger. Das entspricht einem Anteil von 17,6 Prozent an allen Versicherten in der Altersgruppe im Ortenaukreis. In Baden-Württemberg litt etwa jedes fünfte Kind bis zum Alter von 12 Jahren an einer Sehstörung.

Datum: 25.01.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Unter dem Einfluss der Corona-Pandemie dürften sich die Zahlen weiter erhöhen. „Heute haben die Schulen geschlossen, das Kinderzimmer wird zum Klassenzimmer“, berichtet Tobias Haller, der bei der AOK Südlicher Oberrhein für die Gesundheitsförderung zuständig ist. Er ist davon überzeugt, dass dies helfen wird, die Infektionskette zu unterbrechen. „Allerdings sollten Eltern auch im Homeschooling darauf achten, dass die Kinder nicht zu viel Zeit vor dem Laptop oder dem Smartphone verbringen. „Ab zwei Stunden täglich führen Bildschirmarbeit und Videospiele zu einer Ermüdung der Augen“, erklärt Hans-Peter Zipp, Kinder- und Jugendarzt bei der AOK. „Augenbeschwerden, Fehlsichtigkeit und Kopfschmerzen sind die Folge.“

 

Heute gehen Mediziner davon aus, dass die Veranlagung, eine Fehlsichtigkeit zu entwickeln, vererbbar ist. „Ist entweder Mutter oder Vater kurzsichtig, hat der Nachwuchs ein dreimal höheres Risiko, selbst kurzsichtig zu werden, als bei nichtkurzsichtigen Eltern. Sind beide Elternteile von einer Myopie betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit sogar sechsmal so hoch, dass das Kind kurzsichtig wird“, erklärt der Mediziner. Die gute Nachricht: Baufehler der Augen, Sehschwächen und Fehlsichtigkeit lassen sich in der Regel behandeln und mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren. „Wichtig ist, Auffälligkeiten rechtzeitig zu entdecken und vom Augenarzt untersuchen zu lassen. Je früher, desto besser“.

 

In einer von der AOK in Auftrag gegebenen Forsa-Studie wurden im November 2019 - zu dem Zeitpunkt waren die Schulen noch offen - Eltern zum Medienkonsum ihrer Kinder befragt. Demnach sitzen in Baden-Württemberg 40 Prozent der 15- bis 18-Jährigen wochentags drei Stunden oder länger vor Fernsehen, Smartphone oder Laptop. Am Wochenende sind es 70 Prozent. Bei den 4- bis 9-Jährigen sagen immerhin 20 Prozent der Eltern, dass ihre Kinder unter der Woche länger als eine Stunde vor einem Monitor verbringen. Danach befragt, was ihre Kinder dabei so anstellen, sagen fast 70 Prozent „Filme und Videos schauen“, 54 Prozent „Spiele spielen“ und 47 Prozent geben an, dass ihr Nachwuchs lernt und sich mit Hausaufgaben beschäftigt.

 

Bei der Frage, „Wie lange halten sich die Kinder im Freien auf?“ sieht es anders aus. 8 Prozent der Eltern geben an, dass die Kinder weniger als eine halbe Stunde an der frischen Luft sind. Gut jeder fünfte Befragte erklärt, dass sein Kind in der Freizeit keinen Sport treibt. Und auch die Antworten zu gesundheitlichen Beschwerden oder Verhaltensauffälligkeiten sind interessant: 14 Prozent der Eltern haben beobachtet, dass ihre Kinder Probleme haben sich zu konzentrieren, 13 Prozent sind davon überzeugt, dass sie sich ungesund ernähren, 11 Prozent haben Schlafstörungen, weitere 10 Prozent klagen über Kurzsichtigkeit. Zipp warnt davor, dass häufige Mediennutzung eine gesunde Entwicklung im Kindesalter gefährden kann.

 

„Die Chancen, die Homeschooling heute bieten, sind ein Segen“, resümiert Haller, „wenn wir aber Kinder vor Kurzsichtigkeit schützen möchten, dann sollten Nutzungszeiten abgesprochen und eingehalten werden. Und es sollte für einen Ausgleich gesorgt werden. Bewegung senkt das Risiko, dass eine Kurzsichtigkeit entsteht oder sich stark ausbildet“.

 

Kontakt zur Pressestelle

Frank Kölble

Pressesprecher

E-Mail: frank.koelble@bw.aok.de
Telefon: 0761 2103-228
Telefax: 0761 2103-316
Mobil: 0173 2674515

Fahnenbergplatz 6
79098 Freiburg