Perspektiven gegen den drohenden Ärztemangel - Zukunft der ärztlichen Versorgung im Landkreis Göppingen

Um die Zukunft der ärztlichen Versorgung im Landkreis ging es auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Kreisärzteschaft Göppingen, der AOK Neckar-Fils und der Kreissparkasse Göppingen. Im Fokus stand auch die Frage, welche Perspektiven es im Landkreis Göppingen für Mediziner gibt, die sich als Haus- oder Facharzt niederlassen möchten.

Datum: 25.11.2016 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Göppingen

Als ein „Schlüsselthema der Kreispolitik“ bezeichnete Landrat Edgar Wolff die Gesundheitsversorgung im Kreis Göppingen in seinem Grußwort. Insbesondere in der ambulanten ärztlichen Versorgung drohen in den nächsten Jahren große Lücken. Viele niedergelassene Haus- und Fachärzte sind über 60 Jahre alt und stehen kurz vor dem Ruhestand. Die Suche nach Nachfolgern gestaltet sich oft schwierig.

Eine wohnortnahe ärztliche Versorgung lässt sich in Zukunft daher nur durch neue Versorgungsmodelle sicherstellen. Auf die verschiedenen Möglichkeiten der ambulanten Tätigkeit durch Haus- und Fachärzte ging Peter Ramolla von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg ein. Von der Einzelpraxis über die Gemeinschaftspraxis bis zur Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) reichen die verschiedenen Möglichkeiten, als Haus- oder Facharzt ambulant tätig zu sein.

Dr. Frank Genske, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Göppingen machte in seinem Vortrag deutlich, dass die klassische Hausarztpraxis ein Auslaufmodell ist. Der Wunsch vieler junger Ärzte nach fachlichem Austausch, geregelten Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie lasse sich am Besten über gemeinschaftliche Tätigkeit, zum Beispiel in einem MVZ, erreichen. Konkret wurde im September dieses Jahres bereits ein MVZ mit dem Namen „DOC-da!“ im Landkreis gegründet, das mehrere Praxisfilialen betreiben kann. „Wir möchten die wohnortnahe Versorgung auch in Randbereichen des Landkreises sichern“, sagte Genske. „Es wird keine Konkurrenz zu bestehenden Praxen geben.“

Die Vorteile, die eine so genannte hausarztzentrierte Versorgung (HzV) bietet, erläuterte Heike Kallfass, stellvertretende Geschäftsführerin der AOK Neckar-Fils. In der HzV übernimmt der Hausarzt für seine Patienten die Funktion eines Lotsen durch das Gesundheitssystem. Die AOK habe durch ihre Haus- und Facharztprogramme in den letzten Jahren für Ihre Versicherten spürbare Verbesserungen in der Qualität der Versorgung erreichen können, so Kallfass.

Dr. Heidrun Sturm vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Tübingen betonte abschließend, wie wichtig strukturierte Aus- und Weiterbildungsprogramme für die Attraktivität des Hausarztberufs sind. Sie konnte zeigen, dass steigende Teilnehmerzahlen in der Weiterbildung für Allgemeinmedizin Hoffnung machen: „Der Trend geht in die richtige Richtung“. Dass die Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung auch weiterhin eine große aber durchaus lösbare Aufgabe ist, darin waren sich die Referenten ebenso einig, wie die Veranstaltung als Impuls zu sehen, diese Aufgabe gemeinsam zu bewältigen.

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