Pflege und Beruf im Einklang - AOK empfiehlt Pflege-Auszeit und baut Beratungsteam aus - Forsa-Umfrage bestätigt: 30 Prozent der Erwerbstätigen haben Pflegeerfahrung

„Die Pflege eines Angehörigen darf nicht zur alles dominierenden Erfahrung werden, es besteht die Gefahr, dass man daran kaputt geht“, sagt Ralf Buschle. Der CompetenceCenter-Leiter Pflege der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben weiß wovon er spricht. Er ist gemeinsam mit mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für rund 10.000 Pflegebedürftige in der Region verantwortlich. Die im Auftrag der AOK durchgeführte Befragung über das Meinungsforschungsinstitut Forsa ergab, dass Pflegende hohen psychischen Belastungen ausgesetzt sind. An der Spitze stehen emotionale Betroffenheit (73 %), gefolgt von Gereiztheit (63 %), Müdigkeit (56 %) und dem Gefühl, allein zu sein (48 %). „Wer pflegt, darf selbst nicht zum Pflegefall werden. Es muss Platz für Auszeiten geben und die AOK sorgt dafür“, bestätigt Roland Beierl, AOK-Geschäftsführer.

Datum: 10.10.2016 / Kategorie: Pflege und Rehabilitation

Region Bodensee-Oberschwaben

Wer in die Pflegethematik eingebunden ist, hat neben den pflegerischen Tätigkeiten am Menschen auch eine gehörige Portion Verwaltungs- und Organisationsaufgaben zu bewältigen - oft geht das Ganze an die Grenzen der Belastbarkeit. Schlafstörungen oder Depressionen könnten die Folgen sein. Roland Beierl: „Oft geht der Einsatz auch nonstop über einen längeren Zeitraum. Jeder Zweite (50 %) hat mindestens zwei Jahre Pflegeerfahrung, knapp jeder Fünfte (19 %) sogar fünf Jahre oder mehr. Rund ein Drittel (30 %) kümmert sich darüber hinaus auch noch um eigene oder nahestehende Kinder.“

Von den 10.000 pflegebedürftigen Versicherten der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben werden mehr als 7.000 zu Hause gepflegt, was ohne Familienangehörige nicht möglich wäre. Viele Erwerbstätige sind mit der Doppelbelastung von Pflege und Beruf konfrontiert. Häufigster Grund für das Engagement ist, laut einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts, die enge Beziehung zum Pflegebedürftigen. Dies trifft für 84 Prozent der Befragten zu. Dabei handeln 52 Prozent aus Pflichtgefühl, 48 Prozent entsprechen dem Wunsch der verwandten Person.

Im Weiteren zeigen die Befragungsergebnisse, dass unter den im privaten Umfeld Pflegenden der Anteil der Frauen höher ist als der der Männer (35 % vs. 26 %) und sich die Pflegetätigkeit offenbar stärker belastend auswirkt: Frauen sind häufiger traurig (78 % zu 66 % bei Männern), müde (61 % vs. 48 %) oder fühlen sich allein (53 % vs. 42 %). Hier können Entlastungsangebote gegensteuern. Doch nur zehn Prozent der Frauen haben bislang das Angebot einer sogenannten Verhinderungspflege genutzt (vs. 17 % der Männer), bei der die Kosten für eine Ersatzpflegekraft von der Pflegekasse übernommen werden, wenn der pflegende Angehörige eine wohlverdiente Auszeit nimmt.

„Modelle wie etwa die Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege, damit pflegende Angehörige auch mal Urlaub von der Pflege nehmen können, sollten öfter in Anspruch genommen werden“, rät der AOK-Pflegeexperte Ralf Buschle. Wenn die Pflege erstmals organisiert werden muss, besteht seiner Erfahrung nach ein intensiver Kontakt zur Pflegeversicherung und ihren Fachleuten. In den Jahren danach wird die Beratung sehr viel seltener genutzt. „Gerade dann aber, wenn man Pflege und Beruf länger schultert, sollte man sich bei uns Rat holen“, so Ralf Buschle weiter, „damit diese verdienstvolle Aufgabe nicht zur unerträglichen Belastung wird.“

Es ist nicht immer leicht den Spagat von Pflege und Beruf zu bewältigen. „Die fehlende Anerkennung durch das private und berufliche Umfeld ist für viele ein großes Problem“, weiß der Diplom-Sozialpädagoge und AOK-Pflegeberater Tobias Nestle. Wenn die Herausforderung zur Überforderung wird, nimmt die Anfälligkeit für Krankheiten zu, sind depressive und gereizte Stimmungslagen und Schlaflosigkeit typisch. Noch schlimmer, wenn finanzielle Probleme hinzukommen.

In diesen Fällen steht der Soziale Dienst der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben den Betroffenen zur Seite. Die hier tätigen Sozialpädagogen sind qualifizierte Pflegeberater. Sie besuchen die Akteure in ihrem häuslichen Umfeld. Sie beraten in rechtlichen und finanziellen Fragen, geben Orientierung bei schwierigen Entscheidungen und zeigen Entlastungangebote auf. Eine stundenweise Unterbringung in einer Einrichtung für Tagespflege etwa oder eine Haushaltshilfe können Freiräume schaffen. Gemeinsam mit allen Betroffenen entwickeln sie Lösungen. „Pflegende Angehörige müssen lernen selbstfürsorglich zu sein, nicht alles allein schultern zu wollen und Entlastungsangebote auch annehmen“, erklärt Tobias Nestle.„Die Studie zeigt, dass lediglich 14 Prozent der Befragten die Pflegeberatung ihrer Pflegekasse bereits genutzt und nur neun Prozent einen Pflegekurs besucht haben.“

Die AOK setzt deshalb auf die ab Januar 2017 geltenden Verbesserungen durch die Pflegereform. Dann haben auch pflegende Angehörige einen Rechtsanspruch auf eine individuelle Pflegeberatung. Die AOK bereitet sich bereits seit Monaten auf die umfassende Unterstützung ihrer Versicherten durch individuelle Beratung zu den Neuerungen ab 2017 vor. Roland Beierl, AOK-Geschäftsführer: „Wir haben unsere Beratungsteams ausgebaut. Weitere Fachleute stehen in unseren 18 AOK-Kundencentern in der ganzen Region zur Verfügung. Die Qualifizierungen hierzu sind bereits abgeschlossen.“

Weitere Informationen online unter www.aok-bw.de/pflege

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