Pflegereform startet zum Jahresbeginn

Verbesserte Leistungen für Versicherte – Zahl der Pflegebedürftigen wird in der Region weiter steigen

Datum: 29.12.2016 / Kategorie: Pflege und Rehabilitation

Schwarzwald-Baar-Heuberg

Mit Beginn des neuen Jahres tritt die größte Reform der Pflegeversicherung seit ihrem Bestehen in Kraft. „Die Reform bedeutet eine Hinwendung zur Kompetenzorientierung“, sagt Klaus Herrmann, Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg. „Die Pflegebedürftigkeit orientiert sich nicht mehr daran, wie viel Zeit ein Mensch am Tag wegen körperlicher Einschränkungen an Hilfe benötigt. Stattdessen steht jetzt im Vordergrund, wie selbstständig der Alltag bewältigt werden kann und welche Unterstützung dafür notwendig ist.“ Daher erhalten mit dem neuen Gesetz Menschen mit geistigen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen einen gleichberechtigten Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung. So werden bei der Einschätzung der Pflegebedürftigkeit unter anderem auch kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie psychische Problemlagen berücksichtigt.

 

„Die neue Bewertungssystematik ist insbesondere für Menschen mit nur geringen körperlichen Einschränkungen von Bedeutung, wie etwa bei bestimmten Ausprägungen von Demenz. Bundesweit rechnet man mit insgesamt einer halben Million neuen Leistungsbeziehern“, so Herrmann.

 

Nicht nur der Kreis der Leistungsberechtigten erweitert sich. Auch für Menschen, die bislang bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten haben, gibt es Verbesserungen. Die bisherigen drei Pflegestufen werden abgeschafft. Zum 1. Januar werden stattdessen fünf Pflegegrade eingeführt. Die AOK hat bereits alle betroffenen Versicherten informiert. Herrmann: „Für die Versicherten gilt: Niemand wird schlechter gestellt. Im Gegenteil, die finanziellen Leistungen werden in vielen Fällen höher ausfallen.“ Ein Beispiel der AOK: Bei Vorliegen der Pflegestufe II betrug im Regelfall die Geldleistung bislang 458 Euro monatlich. Mit 1. Januar ist diese Personengruppe in Pflegegrad 3 eingestuft. Die Geldleistung beträgt nun 545 Euro monatlich.

 

Die AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg betreut in den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar derzeit rund 12.030 Versicherte, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Davon sind 63 Prozent weiblich. Insgesamt betrugen die Ausgaben der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg 2015 für Leistungen der Pflegeversicherung fast 100 Millionen Euro.

 

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wird die Anzahl der Pflegebedürftigen in der Region ausgehend von 2013 bis 2030 um fast ein Drittel steigen. „Pflege ist ein Zukunftsthema und betrifft viele Menschen“, meint Herrmann. „Größter Pflegedienst sind die Angehörigen, die sich um die pflegebedürftigen Partner oder Eltern kümmern. In der Region wird rund die Hälfte der Pflegebedürftigen ausschließlich von Angehörigen gepflegt.“ Dieser Einsatz wird mit einer Reihe von Leistungen wie etwa Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege oder Kuren für pflegende Angehörige unterstützt. „Wir stellen in unseren Beratungen fest, dass pflegeunterstützenden Angebote oft gar nicht bekannt sind. Es lohnt sich also in jedem Fall, sich ausführlich informieren zu lassen.“

 

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