Schaflos am Hochrhein

Immer mehr Menschen an Hochrhein und Bodensee leiden an Schlafstörungen. Die jährliche Steigerung liegt bei 3,5 Prozent.

Datum: 22.06.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Waldshut-Tiengen / Konstanz / Lörrach

Die einen finden einfach nicht in den Schlaf und wälzen sich im Bett hin und her. Die anderen erwachen mitten in der Nacht und können nicht mehr einschlafen. Wieder andere werden wach lange bevor der Wecker klingelt. 8.886 betroffene AOK-Versicherte aus den Landkreisen Konstanz, Waldshut und Lörrach waren 2016 wegen der sogenannten Insomnie in ärztlicher Behandlung. Und es werden immer mehr. Vier Jahre zuvor hatte die AOK noch 7.290 Menschen gezählt, die unter Schlafstörungen leiden – eine durchschnittliche Steigerung um 3,5 Prozent jährlich.

 

Damit liegt die Region entlang des Hochrheins unter dem landesweiten statistischen Trend. In Baden-Württemberg waren 2016 mehr als 187.000 AOK-Versicherte wegen Schlafstörungen beim Arzt. Im Bundesland liegt die jährliche Steigerungsrate sogar bei 5,6 Prozent. Diese AOK-bezogenen Zahlen bestätigt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seiner Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Dort heißt es: „Mit Ein- und Durchschlafstörungen bei einer zusätzlich beeinträchtigten Schlafqualität und bei Tageskonsequenzen von Schlafproblemen wie häufiges Müde sein und Erschöpft sein erfüllten insgesamt 5,7% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von DEGS1 die Kriterien für die Screening-Diagnose ‚Insomnie‘.“

 

 

 

„Ist der Schlaf nicht erholsam und fühlen sich Betroffene tagsüber müde und abgeschlagen, haben sie möglicherweise eine Schlafstörung“, klärt AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein auf. „Wer in mehr als drei Nächten pro Woche schlecht schläft und das über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen, könnte eine chronische Schlafstörung entwickeln. Betroffene sollten abklären lassen, ob es eine medizinische Ursache dafür gibt und welche Behandlungsmöglichkeiten denkbar sind.“ Eine chronische Schlafstörung könne das Risiko für Herzerkrankungen erhöhen. Umgekehrt können bestimmte Krankheiten wie zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenkrankheiten, Schilddrüsenerkrankungen oder auch psychische Krankheiten Ursache chronischer Schlafstörungen sein. In diesen Fällen sprechen die Experten von sekundärer Insomnie. Eine Behandlung der Grunderkrankung kann die Schlafstörungen bessern.

 

Autogenes Training hilft

 

„Verschreibungspflichtige Schlafmittel wie Benzodiazepine dürfen nur für eine begrenzte Zeit eingesetzt werden, weil sie zahlreiche Nebenwirkungen haben und schnell abhängig machen. Viele Menschen sind am Tag nach der Einnahme noch schläfrig und unkonzentriert, zudem ist ihre Reaktionsfähigkeit herabgesetzt. Bei älteren Menschen können Schlafmittel auch das Risiko für Stürze erhöhen“, warnt Dr. Knapstein. „Entspannungstechniken wie zum Beispiel autogenes Training oder progressive Muskelentspannung müssen zwar zunächst erlernt werden, sind aber langfristig sehr erfolgversprechend.“

 

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