Schwangerschaftsvergiftung: Eine gefährliche Unbekannte

Die Krankheit bleibt oft unbemerkt. Doch zählt die Schwangerschaftsvergiftung zu den gefährlichsten Komplikationen während einer Schwangerschaft. Eine aktuelle Auswertung der AOK Stuttgart-Böblingen zeigt, Schwangerschaftsvergiftungen haben sich im Landkreis erhöht. Waren es 2016 noch 382 betroffene Frauen, zählte die Gesundheitskasse 2020 schon 504 AOK-Versicherte. Damit steigt die Prävalenz mit 4,9 Prozent in den letzten Jahren deutlich. Zahlen für Baden-Württemberg sind ähnlich deutliche: Hier ging die Entwicklung von 11.049 in 2017 auf 15.211 in 2020. Das bedeutet eine Prävalenz von 4,8 Prozent. Die Ursachen sind unklar. Rechtzeitig erkannt helfen Medikamente.

Datum: 12.05.2022 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Sindelfingen

Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Schmerzen im Oberbauch, das können bei Schwangeren erste Anzeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) sein. Die gefährliche Erkrankung, die von vielen Frauen allerdings selbst nicht erkannt wird, tritt oft nach der 20. Schwangerschaftswoche auf. „Präeklampsie entsteht bei ungefähr 10 Prozent der Schwangerschaften“, erklärt Dr. Gudula Kirtschig, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Bluthochdruck und eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin seien erste Indizien für eine Schwangerschaftsvergiftung. Die Erkrankungen betreffen Frauen im Alter von 20 bis 45 Jahren mit einer deutlichen Häufung zwischen 30 und 35 Jahren. Die genauen Ursachen sind unklar. „Eine Schwangerschaftsvergiftung entsteht wahrscheinlich durch eine verminderte Durchblutung der Plazenta und damit verbundenen Entzündungsreaktionen. Risikofaktoren, sind Übergewicht, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, hoher Blutdruck bereits vor der Schwangerschaft und eine positive Familienanamnese, das heißt das Auftreten bei Familienangehörigen“, so Dr. Kirtschig weiter. 

 

So unbekannt die Schwangerschaftsvergiftung bei werdenden Müttern ist, so gefährlich kann sie für Schwangere und das ungeborene Kind werden. „Die Gefahren für werdende Mutter sind u.a. Blutgefäß-Erkrankungen wie zum Beispiel Thrombosen, Hirnödem oder auch Schädigungen der Nieren. Im Endstadium treten Krampfanfälle auf. Neben Blutungen und Infektionen sind diese Krampfanfälle die häufigste Ursache der Schwangerensterblichkeit“, führt die AOK-Ärztin aus. „Für das Ungeborene drohen Wachstumsstörungen und im schlimmsten Fall kommt es zur Totgeburt“, mahnt Dr. Gudula Kirtschig.

 

Die Behandlung der Schwangerschaftsvergiftung hängt von den Symptomen ab. „Ein hoher Blutdruck wird zum Beispiel medikamentös behandelt. Auch wird zur Ruhe und körperlicher Schonung geraten. Die Schwangere erhält außerdem eine eiweißreiche Wunschkost und sollte ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen“, so Dr. Kirtschig. Da die genauen Ursachen der Schwangerschaftsvergiftung bislang ungeklärt sind, lässt sich sie sich auch nicht immer vorbeugen. Dennoch können werdende Mütter präventiv auf ihre Gesundheit achten. Hierbei helfen ein gesunder Lebensstil und gesunde Ernährung. Falls Risikofaktoren vorliegen, können ebenfalls Medikamente präventiv helfen. „Die derzeit einzige effektive Prävention der Präeklampsie bei Frauen mit Risikofaktoren besteht in einer ab der Frühschwangerschaft beginnenden oralen Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure,“ AOK-Ärztin Kirtschig abschließend. Die AOK unterstützt Schwangere und deren Familien bei Fragen rund um das Thema Leistungen und Services während und nach der Schwangerschaft.

 

Sebastian Scheible

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