Sehfehler bei jedem fünften Kind

Ende Dezember hatte die AOK bereits eine eigens in Auftrag gegebene Forsa-Studie veröffentlicht, die die Zusammenhänge zwischen zu langer Mediennutzung und Fehlsichtigkeiten nahelegt. Jetzt folgen die regionalen Zahlen der Kinder mit einer entsprechenden Diagnose.

Datum: 07.01.2021 / Kategorie: Kindergesundheit

Neckar-Alb

8.185 Kinder im Alter bis 12 Jahre mussten in 2019 wegen Sehstörungen ärztlich behandelt werden – gut 1.000 Kinder mehr als noch vor fünf Jahren. Das macht einen Anteil von 20,4 Prozent an allen Versicherten in der Altersgruppe aus. Davon entfallen mit 3.483 auf den Landkreis Reutlingen. Für den Landkreis Tübingen wurden 2.059 Fälle gezählt, im Zollernalbkreis waren es 2.643. Nicht mitgezählt sind Kinder mit leichten Sehfehlern oder bereits therapierte, also etwa Kinder, die bereits eine Brille tragen.

 

Sehfehler werden mit zunehmendem Alter immer häufiger entdeckt, sodass die Fallzahlen unter den älteren Kindern deutlich höher liegen. Das liegt vor allem daran, dass mit zunehmendem Alter das Kind selbst eine Fehlsichtigkeit artikulieren kann. In allen Altersgruppen sind Mädchen und Jungen gleichermaßen betroffen.

 

Fördert Fernunterricht Fehlsichtigkeit?

 

„Heranwachsende verbringen inzwischen ebenso viel Zeit vor dem Bildschirm wie in der Schule“ sagt Dr. Hans-Peter Zipp. Der Kinder- und Jugendarzt bei der AOK Baden-Württemberg bezieht sich auf die Forsa-Studie, wonach 40 Prozent der 15 bis 18-Jährigen täglich 3 Stunden oder länger vor dem Bildschirm sitzen. Aber auch jüngere Kinder verbringen laut Studie zuviel Zeit vor dem Fernseher, vor Smartphones oder Spielkonsolen. Für den Mediziner ist das ein Grund zur Besorgnis. Denn übermäßiger Medienkonsum führt zu einer Ermüdung der Augen und Augenbeschwerden – und das schon ab zwei Stunden täglich. Wenn die Schule im Pandemie-bedingten Lockdown in Form von Fernunterricht an den heimischen Laptops, iPads oder Smartphones stattfindet, kommt weitere Zeit beim Medienkonsum dazu. Ob und wie stark sich das tatsächlich auf die Entwicklung von Sehfehlern bei Kindern auswirkt, werden die Zahlen für 2020 und das laufende Jahr zeigen.

 

Unabhängig vom Fernunterricht bestünde bereits das Problem der sogenannten Schulkurzsichtigkeit. „Schuld daran sind neue Sehgewohnheiten und Alltagsabläufe“, erklärt Kinder- und Jugendarzt Dr. Zipp. „Schüler schauen häufiger in die Nähe – in Hefte und Bücher, aber auch auf Bildschirme und Displays. Das regt den Augapfel an zu wachsen – Kurzsichtigkeit ist die Folge.“ Hinzu komme, dass sich Kinder und Heranwachsende viel weniger an der frischen Luft aufhielten, als in der Kita-Zeit. Das sei jedoch ebenfalls ein Faktor, der das Entstehen von Kurzsichtigkeit begünstige.

 

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