Sein dürfen, wie man ist

Ein Fünftel aller Menschen gilt als hochsensibel. Gleichzeitig ist wenig über das Phänomen Hochsensibilität bekannt. Gerade betroffene Kinder sind auf Verstehen und Verständnis angewiesen, um sich gesund entwickeln zu können. Dafür starten das Haus der Familie Sindelfingen-Böblingen e.V. und die AOK Stuttgart-Böblingen jetzt ein Pilotprojekt. Gemeinsame Pressemitteilung Haus der Familie Sindelfingen-Böblingen e.V. und AOK Stuttgart-Böblingen.

Datum: 17.03.2016 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart/Sindelfingen

Es gibt Kinder, die nachdenklicher und gleichzeitig mitfühlender wirken als ihre Altersgenossen, die „feinere Antennen“ haben, aber auch eine größere Empfindlichkeit gegenüber Stress. „Als ´irgendwie anders´ beschreiben Eltern oder Erzieher diese Kinder oft“, weiß Eva Schaber von der Familienbildungsstätte Haus der Familie Sindelfingen-Böblingen e.V. Viele sind introvertiert und schüchtern – doch nicht auf alle Hochsensiblen trifft diese Beschreibung zu, viele sind auch kommunikationsfreudig und offen. Doch allen gemeinsam ist, dass sie Reize, Eindrücke, Gefühle anders, intensiver verarbeiten und dafür häufiger mehr Zeit brauchen. Auch die Möglichkeit zum Rückzug ist für sie wichtig. Allzu schnell werden diese Kinder deswegen dann als Außenseiter oder auch als „unsozial“ wahrgenommen.

 

Hochsensible Kleinkinder gewöhnen sich häufig auch eher schlecht in der KiTa ein, sind zurückgezogen oder weinen schnell scheinbar grundlos. Auch Feste oder der Besuch in einem Freizeitpark können die Reizverarbeitung im Gehirn eines betroffenen Kindes an Grenzen bringen. Die Reizüberflutung muss dann irgendwann abgebaut werden, doch die Ursache von zum Beispiel scheinbar grundlosem Weinen, ist für Eltern oder Betreuer dann nicht gleich erkennbar.

 

Oftmals machten sich Eltern wegen des Verhaltens ihrer Kinder Sorgen, berichtet Schaber. „Hochsensible Kinder fallen in einer Gruppe grundsätzlich auf. Aber: Hochsensible Jungen und Mädchen sind keine ´Problemkinder´“, betont Eva Schaber vom Leitungsteam des Hauses der Familie. Vielmehr liegt es an Eltern und auch an den Erzieherinnen und Erziehern in den Kindertagesstätten, richtig mit ihnen umzugehen und ihre eigene Wahrnehmung zu akzeptieren und kennenzulernen.

 

Zumal Hochsensibilität nicht nur besondere Bedürfnisse, sondern auch besondere Fähigkeiten mit sich bringt. Zum Beispiel sind viele betroffene Kinder sehr begeisterungsfähig und wissbegierig, verstehen Dinge schneller und in einem größeren Zusammenhang und zeigen ein hohes Maß an Empathie.

 

„Außerdem machen wir oft die Beobachtung, dass hochsensible Kinder in vertrauter Umgebung, bei vertrauten Menschen völlig aufblühen und gar nicht mehr schüchtern wirken“, so Schaber. „Umso wichtiger ist es, dabei zu helfen, das Verhalten des Kindes zu verstehen“, ergänzt Cornelia Langenbeck, die bei der AOK-Bezirksdirektion Stuttgart-Böblingen den Bereich Prävention und Gesundheitsförderung leitet.

 

Um zum Thema Hochsensibilität Wissen zu vermitteln und zu schulen, starten das Haus der Familie Sindelfingen-Böblingen e.V. und die AOK Stuttgart-Böblingen jetzt ein Pilotprojekt. „Damit wollen wir die Gesundheit der betroffenen Kinder fördern und Aufklärungsarbeit leisten“, erklärt Langenbeck. „Denn jedes Kind soll so sein dürfen, wie es ist.“ Die Idee zum Projekt entstand im Resilienzzentrum der Familienbildungsstätte und wurde nach gemeinsamen Überlegungen der AOK Stuttgart-Böblingen und des Hauses der Familie konzeptionell erweitert. Das Pilotprojekt richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher an Kindertagesstätten in Stuttgart und im Landkreis Böblingen und läuft bis Februar 2017.

 

Im Mittelpunkt des Projekts stehen das Aufklären über Hochsensibilität – mit dem Ziel, diese nicht als Krankheit zu deuten – und das Beraten im präventiven Sinne. Erzieherinnen und Erzieher bzw. die KiTas bekommen Fortbildungen und Gesprächskreise zum Thema Hochsensibilität angeboten, die auch die Bedeutung des nachhaltigen Entspannens gerade im Kindesalter thematisieren. Letztere gilt im Übrigen auch für nicht-hochsensible Kinder. Die AOK kann dabei auf viele Erfahrungswerte aus ihrem Programm JolinchenKids zurückgreifen, das sie zusammen mit Wissenschaftlern aus Gesundheitsforschung und -psychologie entwickelt hat: Module für Entspannung und für das seelische Wohlbefinden von Kindern kommen zum Einsatz, die sich für die Durchführung in KiTas eignen. „Die Übungen stärken die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit der Kinder in Situationen, die sie als stressbeladen empfinden“, erklärt Langenbeck.

 

Isabelle Schönberger und Eva Schaber vom Resilienzzentrum Sindelfingen im Haus der Familie organisieren in Kooperation mit der AOK Stuttgart-Böblingen ab März 2016 für die interessierten KiTas Fortbildungen und Gesprächskreise.

 

Bei Fragen zum Projekt oder allgemein zum Thema Hochsensibilität: Mail an info@hdf-sindelfingen.de

 

Kontakt zur Pressestelle

Dr. Elisabeth Schöndorf

Leiterin Kommunikation/Politik

E-Mail: Dr.Elisabeth.Schoendorf@bw.aok.de
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