Senioren in Bodensee-Oberschwaben leiden häufig an Depression

Zahl der Betroffenen steigt

Datum: 16.12.2020 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Bodensee-Oberschwaben

Depressive Störungen sind die häufigsten psychischen Störungen im Alter. Laut einer Auswertung der AOK Bodensee-Oberschwaben ist die Zahl der an Altersdepression erkrankten Versicherten im Zeitraum 2015 bis 2019 stetig um durchschnittlich 1,7 Prozent gestiegen. Diese Steigerung betrifft Männer stärker als Frauen. Im vergangenen Jahr mussten in den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und dem Bodenseekreis 7.235 Seniorinnen und Senioren wegen einer Depression ärztlich behandelt werden. Das sind 21,7 Prozent der AOK-Versicherten in der analysierten Altersgruppe. Damit liegt die Region etwas über dem Landesschnitt von 21,5 Prozent.

 

Seniorinnen sind mehr als doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Senioren. In ganz Baden-Württemberg zählte die Gesundheitskasse im Jahr 2019 bei den über 70-Jährigen 145.949 behandelte Fälle. Davon waren 105.897 Frauen und 40.052 Männer. Im Bodenseekreis waren im Jahr 2019 1.836 AOK-Versicherte ab 70 Jahren an einer Depression erkrankt. Das sind 19,9 Prozent der Versicherten in dieser Altersgruppe. Im Landkreis Sigmaringen waren 2.403 Senioren betroffen (23,6 Prozent) und im Landkreis Ravensburg 2.996, was einem Anteil von 21,5 Prozent entspricht.

 

„Eine Depression ist eine psychische Störung, welche mit einer überdauernden gedrückten Stimmung, starker Erschöpfung und Antriebslosigkeit sowie Interesselosigkeit einhergeht“, erklärt Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben. Weitere typische Beschwerden sind Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel und eine starke Grübelneigung bis hin zu lebensmüden Gedanken. Dadurch fällt es Betroffenen schwer, den Alltag allein zu bewältigen. Zusätzlich klagen ältere Betroffene häufiger auch über körperliche Begleitsymptome wie Schlafstörungen, Ohrgeräusche, Verdauungsprobleme und Schmerzen. Roland Beierl ergänzt: „Weil diese Begleitsymptome depressive Symptome oft überdecken, besteht die Gefahr, dass eine Depression im Alter nicht erkannt wird. Deshalb sollten mögliche körperliche Ursachen durch den Hausarzt abgeklärt werden.“

 

Besonders gefährdet, an einer Depression zu erkranken, sind Frauen sowie Menschen ohne vertrauensvolle persönliche Beziehungen und Bewohner von Pflegeheimen. Doch die Erkrankung kann auch im Alter gut behandelt werden. „Ab einem gewissen Schweregrad der Depression stellt eine antidepressive Medikation, am besten in Verbindung mit einer Psychotherapie, die wirksamste Behandlung dar“, erklärt Roland Beierl. Auch die Betroffenen selbst können etwas dafür tun, um einer depressiven Symptomatik entgegenzuwirken. So ist es – besonders in Zeiten der Corona-Pandemie – wichtig, eine geregelte Tagesstruktur beizubehalten und in Bewegung zu bleiben. „Das Wichtigste bei einer vorliegenden depressiven Symptomatik ist, nicht alleine in der aussichtslos erscheinenden Situation zu bleiben, sondern sich trotz oft vorhandener Scham- und Schuldgefühle einer anderen Person anzuvertrauen“, rät Roland Beierl und ergänzt: „Im Falle eines Verdachts auf eine depressive Störung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.“

 

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