Sindelfingen: Wenn der Schlaf ausbleibt

Etwa 15 von 100 Menschen haben Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen. Vor allem Frauen und ältere Menschen leiden häufig an Schlafstörungen und chronischen Schlafproblemen. Zwischen 2015 und 2019 verzeichnet die AOK Stuttgart-Böblingen im Landkreis Böblingen eine Zunahme von 6,6 Prozent.

Datum: 24.02.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Sindelfingen

Schlaf ist wichtig für Körper und Seele, denn während wir schlafen, werden im Körper wichtige Prozesse reguliert und gesteuert: Gehirnverbindungen erneuern sich und das Immunsystem wird gestärkt. „Darüber hinaus erhöht ausreichender Schlaf das Leistungsvermögen, die Aufmerksamkeit, Lern- und Gedächtnisprozesse sowie das emotionale Befinden“, erklärt Dr. Hans-Peter Zipp, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg.

 

Schlafstörungen haben in den letzten Jahren in Baden-Württemberg um 3,7% jährlich zugenommen. Eine der höchsten „Zuwachsraten“ verzeichnet dabei der Landkreis Böblingen. Unter den AOK-Versicherten waren 2019 im Landkreis Böblingen 6.702 aufgrund von Schlafstörungen in ärztlicher Behandlung (2018: 6.262; 2017: 5.913; 2016: 5.533; 2015: 4.989).

 

Sinkende Konzentrationsfähigkeit, Gereiztheit, Ängstlichkeit und Niedergeschlagenheit, so wirkt sich Schlafmangel aus. Schlafen Menschen über lange Zeit zu wenig, haben sie ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. „Umgekehrt können aber bestimmte Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenkrankheiten, Schilddrüsenerkrankungen oder auch psychische Krankheiten Ursache chronischer Schlafstörungen sein“, erklärt Dr. Zipp und rät Menschen, die regelmäßig schlecht schlafen, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

 

Was gegen Schlafstörungen hilft, ist bisher nur in wenigen aussagekräftigen Studien untersucht. AOK-Arzt Dr. Zipp: „Mit am häufigsten eingesetzt werden Hausmittel, zum Beispiel ein Glas warme Milch oder Baldriantee am Abend oder ein heißes Bad, pflanzliche Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Baldrian, körperliche Bewegung oder auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung und autogenes Training. Oft wird die kognitive Verhaltenstherapie mit Entspannungstechniken kombiniert mit dem Ziel, Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, die vom Schlaf abhalten können.“

 

Eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) aus dem Jahr 2019 zeigt, dass Menschen, die im Homeoffice arbeiten – und das sind gegenwärtig viele – auch häufiger an Schlafstörungen leiden. Ein Grund können die eher unregelmäßigen Arbeitsbedingungen sein. Umso wichtiger ist es, auch am Heimarbeitsplatz Strukturen und feste Zeiten einzuhalten – und auch zwischendurch (Bewegungs-)Pausen einzubauen.

 

Wissenswertes zum gesunden Schlaf:

 

  • Einen guten und erholsamen Schlaf hat, wer leicht einschläft, während der Nacht nicht wieder ganz wach wird, nicht zu früh aufwacht und sich morgens erholt fühlt.
  • Die Schlafdauer hängt unter anderem vom Alter ab. Kinder ab sechs Jahre schlafen in der Regel etwa neun Stunden pro Nacht, Erwachsene ungefähr sieben Stunden und über 80-Jährige nur noch etwa sechs Stunden. Das sind jedoch nur Durchschnittswerte – manche Menschen brauchen mehr, andere weniger Schlaf, um sich wohlzufühlen.
  • Kleinkinder brauchen viel mehr Schlaf als ältere Kinder und Erwachsene. Erst wenn sie etwa fünf Jahre alt sind, haben die meisten Kinder den Schlafrhythmus eines Erwachsenen: Sie sind tagsüber wach und schlafen die ganze Nacht durch.

 

Fünf Tipps für eine geruhsame Nacht:

 

  • Auf Alkohol verzichten: Alkohol gilt als eine der häufigsten Ursachen von Schlafstörungen. Viele Menschen schlafen zwar schneller ein, wenn sie Alkohol getrunken haben, aber der Schlaf ist dann wesentlich weniger erholsam.
  • Abends lieber leicht Verdauliches essen, statt üppige oder scharf gewürzte Mahlzeiten zu sich nehmen.  
  • Vier bis sechs Stunden vor dem Schlafengehen keine koffeinhaltigen Getränke wie zum Beispiel Kaffee oder Cola und keine anderen anregenden Mittel zu sich nehmen. Auch manche Medikamente enthalten Koffein und können die Schlafqualität einschränken.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung wirkt in der Regel positiv auf die Schlafqualität. Aber: Nicht kurz vor dem Schlafengehen trainieren.
  • Ein fester Zeitplan und klare Gewohnheiten unterstützen den Schlaf-Wach-Rhythmus. So sollte man möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und zur gleichen Zeit aufstehen.

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