Stuttgart: Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität

Kann ein Kind nicht ruhig sitzen, kann es sich nicht konzentrieren oder hat Schwierigkeiten in der Schule, kann das viele Ursachen haben. Es könnte auch hyperaktiv sein. Dieses Zappelphilipp-Syndrom bezeichnet die Medizin als ADHS – als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Nach einer Auswertung der AOK Stuttgart-Böblingen waren 2017 in Stuttgart 1.165 ihrer Versicherten wegen ADHS in ambulanter oder stationärer Behandlung. Die Zahlen steigen.

Datum: 09.09.2019 / Kategorie: Kindergesundheit

Stuttgart

„Eine ausgeprägte ADHS kann das Leben und den Alltag des Kindes, aber auch seiner Eltern und Geschwister, enorm beeinträchtigen. Da sich Kinder mit ADHS anders verhalten, als von ihnen erwartet wird, ecken sie oft an. Sie benötigen viel Aufmerksamkeit. Durch die Konzentrationsschwäche fällt ihnen das Lernen oft schwer. Manche dieser Kinder haben auch ein auffälliges Sozialverhalten, Ängste oder Depressionen,“ so Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK Baden-Württemberg. „Dabei kommt ADHS relativ häufig vor: In Deutschland erhalten etwa fünf von 100 Kindern diese Diagnose – mit der sie oft lange zu kämpfen haben. Mehr als 50 von 100 Betroffenen haben zumindest teilweise noch mit ADHS-Symptomen zu tun, wenn sie erwachsen sind und ungefähr 15 von 100 erfüllen auch noch als Erwachsene die vollständigen ADHS-Diagnosekriterien.

 

„In Stuttgart nimmt seit 2013 die Behandlungshäufigkeit wegen ADHS zu. Zählte die AOK 2013 in den Reihen ihrer Versicherten noch 834 Betroffene, so kamen in den darauffolgenden Jahren jährlich rund 100 betroffene Versicherte im Stadtgebiet dazu. „Der Anstieg entspricht auch der Entwicklung in Baden-Württemberg“, erklärt AOK-Sprecherin Elisabeth Schöndorf. „Im Land waren 2013 rund 25.500 Versicherte in medizinischer Behandlung, vier Jahre später waren es deutlich über 32.000.“ Die Krankheitshäufigkeit sei bei den 10-14-Jährigen am höchsten. Generell wird bei Jungen, so die AOK-Statistik, mehr als doppelt so häufig wie bei Mädchen eine ADHS-Diagnose gestellt. Allerdings ist in den letzten Jahren in Stuttgart ein Rückgang der so genannten Diagnoseprävalenzen, also der Häufigkeit, mit der die Diagnose gestellt wird, bei Jungen zu beobachten.

 

Die Ursachen der ADHS sind nicht abschließend geklärt, vermutlich ist die Störung aber nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Knapstein: „Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung. Untersuchungen zeigen auch, dass der Transport des Botenstoffs Dopamin an die Nervenzellen im Gehirn verändert ist – und zwar in den Bereichen, die unter anderem für die Gedächtnis- und Lernfunktion wichtig sind. Es gibt aber noch andere biologische Ursachen, die zur Entstehung einer ADHS beitragen.“ Die Ärztin ergänzt: „Manche Fachleute äußern Kritik daran, dass ADHS oft nur auf körperliche oder genetische Ursachen zurückgeführt wird. Sie sehen gesellschaftliche Veränderungen als ebenso wichtig an. So sollen ADHS-Symptome auch Folge der Reizüberflutung mit gleichzeitigem Bewegungsmangel, der starken Leistungsorientierung in modernen Gesellschaften sowie von veränderten Familienverhältnissen sein. Ob diese Theorien stimmen, ist bislang aber kaum durch verlässliche Studien untersucht.“

 

Im Umgang mit der Krankheit kommt den Eltern eine entscheidende Rolle zu. „Viele entwickeln mit der Zeit Strategien, um besser mit ADHS umzugehen“, erläutert Knapstein. Hilfreich seien klare Regeln und das Entwickeln von Routinen. Der Austausch mit anderen Eltern in Selbsthilfegruppen werde oft als hilfreich empfunden. Wichtig sei, sich immer wieder klar zu machen, dass das Verhalten des Kindes keine Absicht ist. Eltern von Kindern mit ADHS finden auch online Unterstützung. Der ADHS-Elterntrainer basiert auf dem Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten, das sich seit vielen Jahren in der Praxis bewährt hat. Seine Wirksamkeit wurde in vielen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht. Weitere Informationen unter adhs.aok.de

 

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