Stuttgart: Das Kreuz mit dem Kreuz

Bis zu 85 Prozent der Bevölkerung haben zumindest gelegentlich mit Rückenproblemen zu kämpfen. Gerade wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt oder seinen Rücken bei körperlicher Arbeit stark und einseitig belastet, leidet häufig unter den Schmerzen. Bewegung und Entspannung können helfen.

Datum: 28.09.2016 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für Fehlzeiten im Beruf, und das gilt auch für die Stadt Stuttgart: Knapp 14 Prozent der bei der AOK Stuttgart-Böblingen versicherten Beschäftigten in der Landeshauptstadt waren letztes Jahr mindestens ein Mal wegen Rückenschmerzen krank geschrieben. Das waren insgesamt 10.600 Versicherte. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 10.467, 2013 insgesamt 9.395 Versicherte. Besonders häufig davon betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen – und hier insbesondere die Männer. Landesweit waren 2015 insgesamt 213.564 beschäftigte Versicherte wegen Rückenbeschwerden mindestens einen Tag arbeitsunfähig krank.

 

Dabei kommen zum individuellen Leid auch noch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. Schätzungen zufolge liegen die medizinischen Kosten bundesweit zwischen 10 und 20 Milliarden jährlich, hinzu kommen durch die Ausfalltage Produktionsausfälle von 80 bis 90 Milliarden. Im Stuttgarter Stadtkreis beliefen sich die Ausfallfalltage auf insgesamt 23.579 im Jahr 2015 (2014: 23.153; 2013: 20.038). Doch was sind die Ursachen der „Volkskrankheit Rücken“?

 

Die Top 3 der Schmerzursachen sind, laut AOK-Gesundheitsexpertin und Sportwissenschaftlerin Cornelia Langenbeck, eine schwache Muskulatur, Stress, der mit Verspannungen einhergeht, und außerdem zu wenig Bewegung. Die Ursachen für Rückenprobleme liegen meistens in zu schwachen Muskeln oder verkürzten, unelastischen Bändern. Das ist das Ergebnis von zu wenig, zu einseitiger oder „falscher“ Bewegung und untrainierter Rückenmuskulatur. In weniger als 20 Prozent aller Fälle entstehen Rückenschmerzen dadurch, dass sich Bandscheiben oder Wirbel krankhaft verändert haben. Noch viel seltener sind rheumatische Erkrankungen, Infektionskrankheiten oder poröse Knochen schuld. Die Ursache für Rückenschmerzen kann aber auch in der Psyche liegen. Stress am Arbeitsplatz, Streit mit dem Partner oder andere seelische Belastungen können bewirken, dass sich im Körper Spannung aufbaut. Muskeln verkrampfen dann und üben Druck auf Nervenbahnen aus. Ein Teufelskreis aus Stress, Verspannung und Schmerzen kann entstehen. Das Erlernen und Üben von Entspannungstechniken hilft, ihn zu durchbrechen. Und nicht zuletzt ist ein bewegungsarmer Alltag Gift für den Rücken. „Wir sitzen heute durchschnittlich fast zwölf Stunden pro Tag, zum Beispiel vor dem Bildschirm im Büro. Kleine Bewegungspausen zwischendurch oder nach Feierabend helfen dem Rücken. Denn vor allem Bewegungsarmut macht dem Rücken zu schaffen – nicht das Sitzen an sich“, so Langenbeck.

 

Bei Bürotätigkeiten kann ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz helfen: Oft reicht schon die richtige Einstellung der Büromöbel, um den Rücken weniger zu belasten. „Deswegen geben wir auch im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements für viele Firmen in der Region Hilfen für einen rückengerechten Arbeitsplatz“, ergänzt die Präventionsexpertin.

 

Rückenschmerzen gehören zu den Schmerzerkrankungen, die sehr schnell chronisch werden können. Treten Rückenschmerzen wiederholt auf, ist es deshalb höchste Zeit, aktiv etwas dagegen zu tun. „Auf keinen Fall sollte man sich bei Rückenschmerzen – außer in der akuten Phase – schonen“, betont Cornelia Langenbeck. „Damit fördert man die bereits vorhandene Tendenz der Rückenmuskulatur, schwächer zu werden und sich weiter zu verspannen“. Bandscheiben funktionieren dabei wie ein Schwamm. Im Liegen und bei rhythmischen Bewegungen wie Laufen oder Gehen saugt sich ihr Kern mit Nährflüssigkeit voll. Im Stehen oder Sitzen hingegen werden die förmlich ausgetrocknet. „Im Büroalltag ist es wichtig, öfter die Position zu wechseln. Also mal vorlehnen, mal zurück, zum Telefonieren aufstehen und ähnliches“, so die Expertin.

 

Für den Muskelaufbau ist ein Gerätetraining ratsam. In den vier Rückenstudios der AOK Stuttgart-Böblingen wurden im vergangenen Jahr über 35.000 Übungseinheiten absolviert. „Bei unserer letzten Zufriedenheitsauswertung für unsere Bewegungskurse zwischen Juni und August hatten wir eine Weiterempfehlungsrate von 100 Prozent“, so Langenbeck. „Ich denke, die Menschen sind schätzen vor allem, dass die Angebote sehr gezielt sind und dass sie selbst an den Geräten individuell betreut und begleitet werden.“ Die Mischung aus dynamischem Krafttraining, funktionsgymnastischen Übungen, Stretching und ergonomischem Verhaltenstraining ist auf Nachhaltigkeit angelegt. In Stuttgart finden sich die AOK-Rückenstudios im SpOrt in Bad Cannstatt und im AOK-Gesundheitszentrum Berliner Platz (Anmeldung und Terminvergabe unter Telefon 0711 2069-5450 oder per E-Mail: rueckenkonzept-stuttgart@bw.aok.de; für AOK-Versicherte kostenfrei).

 

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