Stuttgart: Ungewollt kinderlos

Im Stadtgebiet Stuttgart steigen die Behandlungszahlen wegen ungewollter Kinderlosigkeit. Vor allem 30- bis 39-Jährige suchen einen Arzt auf, wenn es mit dem Wunschbaby nicht klappt. Die AOK Stuttgart-Böblingen unterstützt viele Maßnahmen – über den vorgegebenen Rahmen hinaus.

Datum: 22.07.2016 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart

Besonders Frauen und Männer mit hoher Qualifikation verschieben ihren Kinderwunsch oft auf die Zeit nach dem Berufseinstieg oder der beruflichen Etablierung. Sie wollen ein Kind, aber eben erst später. Jedoch sinken mit zunehmendem Alter die Chancen, schwanger zu werden oder ein Kind zu zeugen. Wenn die Familiengründung zum dann geplanten Zeitpunkt nicht gelingt, ist das eine große Enttäuschung. Ehemals gewollt Kinderlose werden dann zu ungewollt Kinderlosen.

 

Eine aktuelle Auswertung der AOK Stuttgart-Böblingen zeigt, dass die Zahl der ungewollt Kinderlosen seit 2008 jährlich um durchschnittlich 7,7 Prozent im Land gestiegen ist. In ganz Baden-Württemberg ließen sich zuletzt 6.388 AOK-Versicherte deswegen behandeln. Der höchste Anteil Betroffener wird in der Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren erreicht. Im Stadtkreis Stuttgart haben im Jahr 2014 insgesamt 388 AOK-Versicherte eine Behandlung wegen unerfüllten Kinderwunschs durchführen lassen, davon 198 Frauen und 190 Männer. Dabei stellt die AOK Stuttgart-Böblingen für die letzten Jahre eine deutlich steigende Tendenz fest: Allein zwischen 2013 und 2014 hat sich die Zahl der Behandlungen in der Landeshauptstadt um 71 (2013: 317) und damit rund 18 Prozent erhöht.

 

Kündigt sich nach über einem Jahr trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr kein Kind an, kann eine Fruchtbarkeitsstörung vorliegen. „Dann ist es sinnvoll, gemeinsam mit einem Arzt nach den Ursachen zu suchen“, sagt Christian Kratzke, Geschäftsführer der AOK Stuttgart-Böblingen. Statistisch gesehen verteilen sich Fruchtbarkeitsstörungen gleichmäßig auf Frau und Mann. Bei Frauen kommt es vor allem zu Störungen bei der Eireifung und der Gelbkörperphase, beim Eitransport im Eileiter oder an der Gebärmutter. Bei Männern kommt es zu Störungen der Samenzellbildung oder beim Transport der Spermien. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern kommen neben Entzündungen der Fortpflanzungsorgane und immunologischen Gründen auch seelische Ursachen oder Sexualstörungen des Paares in Frage.

 

„Bei ungewollter Kinderlosigkeit werden immer Frau und Mann untersucht“, so Kratzke. Die medizinischen Untersuchungen finden für die Frau beim Frauenarzt, für den Mann beim Urologen stat. Kommt der Arzt zu dem Schluss, dass eine künstliche Befruchtung erforderlich ist, kann er an Spezialpraxen bzw. Zentren für Reproduktionsmedizin weitervermitteln. „Beim überwiegenden Teil der Paare führt die künstliche Befruchtung nach einem oder mehreren Behandlungszyklen zur ersehnten Schwangerschaft“, erläutert Kratzke. Die AOK Baden-Württemberg zahlt bei den ersten drei Versuchen ihrer Versicherten drei Viertel der Behandlungskosten. Das sind 25 Prozent mehr als vorgeschrieben und gilt auch für weibliche gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. Außerdem übernimmt die Gesundheitskasse 75 Prozent der Kosten für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die vom Arzt im Rahmen der Behandlung zur Herbeiführung einer Schwangerschaft verordnet werden und die dafür zugelassen sind. „Damit wollen wir Paare, die unter ungewollter Kinderlosigkeit meist sehr leiden, auf ihrem Weg zum Wunschbaby besonders unterstützen“, unterstreicht Kratzke. „Wichtig ist mir, dass die Betroffenen wissen, dass sie dabei nicht alleine stehen. Als AOK unterstützen wir unsere Versicherten in dieser Lebenssituation – mit Expertise, Rat und Kostenübernahmen.“

 

Allerdings gibt es auch Paare, bei denen die Fortpflanzungsmedizin nicht weiterhelfen kann. Diese Paare bleiben kinderlos und sind leider gezwungen, ihr Lebenskonzept zu ändern. „Diese Menschen setzten große Hoffnungen in die Behandlung. Wenn mehrere Versuche scheitern, ist die Enttäuschung und Verzweiflung oft entsprechend groß. In dieser Situation kann es hilfreich sein, sich von einem Psychologen beraten zu lassen oder den Austausch in einer Selbsthilfegruppe zu suchen. Auch hier helfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter“, betont Kratzke.

 

Anmerkung und weiterführende Informationen

 

Datengrundlage:

 

Versichertendaten der AOK-Bezirksdirektion Stuttgart-Böblingen; die AOK hat einen Marktanteil von über 40 Prozent bei den gesetzlich Krankenversicherten im Stadtkreis Stuttgart.

 

Leistung:

 

Kommt der Arzt zu dem Schluss, dass eine künstliche Befruchtung erforderlich ist, die Erfolgschancen ausreichend sind und weder für die werdende Mutter noch für das Kind besondere gesundheitliche Risiken durch die Schwangerschaft zu erwarten sind, übernimmt die AOK Baden-Württemberg bei verheirateten Paaren für die ersten drei Versuche 75 Prozent der Kosten. Das sind 25 Prozent mehr als gesetzlich vorgesehen. Voraussetzungen dafür sind: Die Frau ist älter als 25 Jahre und der Mann zwischen 25 und 50 Jahre alt und beide sind bei der AOK Baden-Württemberg versichert. Außerdem müssen die Samen- und Eizellen der Ehepartner verwendet werden. Für gleichgeschlechtliche weibliche Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz gilt analog die Kostenbeteiligung in Höhe von 75 Prozent für die ersten drei Versuche – sofern beide Frauen unter krankheitsbedingter Kinderlosigkeit leiden.

 

An der Insemination nach hormoneller Stimulation, der In-vitro-Fertilisation (IVF) und der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) beteiligt sich die AOK bis zu dreimal, an der Insemination im Spontanzyklus ohne Hormonbehandlung bis zu achtmal. Das gilt auch für Medikamente, die in diesem Zusammenhang verordnet werden und dafür zugelassen sind.

 

Vor Beginn einer Behandlung ist eine medizinische und psychosoziale Beratung eines Arztes, der die Behandlung selbst nicht durchführt, zwingend erforderlich. Dieser Arzt stellt auch die Überweisung an die Einrichtung aus, die die Behandlung vornimmt. Die behandelnde Einrichtung erstellt dann einen Behandlungsplan für die künstliche Befruchtung, der vor Behandlungsbeginn bei der AOK eingereicht wird.

 

Kontakt zur Pressestelle

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