Syphilis & Co im Landkreis Ludwigsburg

Sexuell übertragbare Krankheiten sind für viele ein Tabuthema. Dabei ist es zur Prävention der Ausbreitung zentral, sich frühzeitig und gezielt über Infektionen und Übertragungswege zu informieren. Im Jahr 2018 befanden sich 20.783 Versicherte der AOK Baden-Württemberg wegen Geschlechtskrankheiten in ärztlicher Behandlung. Im Landkreis Ludwigsburg waren es 941 AOK-Versicherte. Das entspricht 0,5 Prozent aller Versicherten der Gesundheitskasse in der Region. Wie die Auswertung der AOK zeigt, erkranken Männer und Frauen etwa gleich häufig. Eine Ausnahme bildet hier jedoch die Altersgruppe der 15 bis 24-jährigen – hier sind Frauen erheblich häufiger betroffen als gleichaltrige Männer.

Datum: 07.07.2020 / Kategorie: Gesundheitstipps

Ludwigsburg

Bei der Betrachtung ist zu beachten, dass nur Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Da die Hemmschwelle für einen Arztbesuch wegen einer Geschlechtserkrankung relativ hoch liegt, ist besonders bei den weniger schweren Krankheitsbildern mit einer erhöhten Dunkelziffer zu rechnen.

 

„Die Ursache solcher Erkrankungen können unter anderem Bakterien sein, wie zum Beispiel bei Chlamydien-Infektionen, Syphilis oder Gonorrhö – im Volksmund auch Tripper genannt. Auch Viren, beispielsweise bei HIV-Infektionen, Hepatitis B oder genitalem Herpes, Pilze und Parasiten zählen zu den möglichen Krankheitserregern“, sagt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.

 

Gemeinsames Merkmal ist die Übertragung der Krankheitserreger bei sexuellem Kontakt. „Oft verursachen sexuell übertragbare Krankheiten keine Beschwerden und bleiben deshalb unbehandelt. Zu den häufigsten Anzeichen einer solchen Erkrankung gehören Ausfluss aus Harnröhre oder Scheide, genitale Geschwüre, Schwellungen der Leistengegend oder der Hoden und Unterbauchschmerzen“, so Knapstein.

 

Sexuell übertragbare Krankheiten können zum Teil zu schweren Folgeschäden führen. Beispielsweise kann eine Chlamydien-Infektion die Ursache für Unfruchtbarkeit sein. Infektionen mit humanen Papilloma-Viren oder auch mit Hepatitis B können Krebserkrankungen zur Folge haben und eine nicht behandelte HIV-Infektion AIDS. Es sollte immer auch an die Möglichkeit einer Mehrfachinfektion gedacht werden. So ist beispielsweise das Risiko einer HIV-Infektion höher, wenn bereits eine andere sexuell übertragbare Krankheit vorliegt. Umgekehrt haben Menschen mit einer HIV-Infektion ein erhöhtes Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren.

 

Im Jahr 2018 gab es in Baden-Württemberg unter den AOK-Versicherten 297 neue HIV-Infektionen. Darunter waren 81 Frauen und 216 Männer. „Wird bei einer HIV-Infektion frühzeitig mit einer leitliniengerechten Behandlung begonnen und vom Betroffenen konsequent eingehalten, hat sich die Prognose deutlich verbessert. In Deutschland sind Krebserkrankungen die häufigste Todesursache bei Menschen mit HIV-Infektion. Deshalb sind für die Betroffenen die Angebote zur Krebsfrüherkennung besonders wichtig“, so Knapstein.

 

„Im Falle einer sexuell übertragbaren Erkrankung sollten möglichst auch die Sexualpartner auf eine Infektion untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern erhöht das Risiko einer Infektion“, so Knapstein weiter. Kondome böten einen recht guten Schutz vor einer Infektion.

 

Informationen zur Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.bzga.de/infomaterialien/hivsti-praevention/

 

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