Tabuthema Parkinson: Jeder Dritte hält Diagnose geheim - Radiolegende Matthias Holtmann spricht über seine Erkrankung

Emotionale Erfahrungsberichte, medizinisches Expertenwissen und musikalische Unterhaltung – das erlebten gestern Abend rund 530 Besucher im Bürgerzentrum Waiblingen. Im Mittelpunkt des Abends stand der ehemalige SWR-Radiomoderator Matthias Holtmann, der im Gespräch mit seinem behandelnden Arzt Dr. Klaus Schreiber und Moderatorin Stefanie Anhalt sehr persönlich und mutig über seine Parkinson-Erkrankung sprach.

Datum: 10.10.2019 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Waiblingen

Mehr als eine viertel Million Menschen sind bundesweit von Parkinson betroffen. Nach Schätzungen der Deutschen Parkinson Vereinigung könnte die Zahl sogar bei deutlich über 300.000 liegen. Damit ist Parkinson die zweithäufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Über 21.000 Versicherte der AOK Baden-Württemberg leben derzeit mit dieser Diagnose, im Rems-Murr-Kreis sind es rund 760 Versicherte. Dennoch ist Parkinson in der Öffentlichkeit eine Tabukrankheit. Laut einer britischen Studie (2016) hält mehr als ein Drittel die Erkrankung geheim – sei es, weil sie keinen Weg finden, darüber zu sprechen, sei es, dass sie ihre Diagnose nicht akzeptieren oder Ausgrenzung und Stigmatisierung befürchten.

 

Matthias Holtmann macht es anders: Er spricht ganz offen über seine Erkrankung. „Es ist mir ein Anliegen, Ängste zu nehmen und aufzuklären, denn man stirbt mit Parkinson, aber nicht wegen Parkinson“, so der Erfinder der SWR-Show „Pop und Poesie.“ Holtmann lebt seit etwa elf Jahren mit Parkinson. Bewegend schildert er, wie er die Symptome zunächst verdrängte, dann schönredete, sogar zum Alkohol griff und erst, als Freunde ihn nachdrücklich dazu aufgefordert hatten, einen Mediziner aufsuchte. Im Gespräch mit seinem behandelnden Arzt, dem Stuttgarter Neurologen Dr. Klaus Schreiber, wurde deutlich, dass ein solches Verhalten beim Beginn der Erkrankung fast schon typisch ist: „Die Meisten glauben erst einmal nicht an die Diagnose und wollen sie nicht wahrhaben“, so Schreiber.

 

Veranstalter waren die drei Vertragspartner des AOK-Hausarzt und -FacharztProgramms. Neben der AOK sind dies der Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg. „Mit der Veranstaltung wollen wir mehr Betroffene erreichen und die Öffentlichkeit über die Erkrankung aufklären“, so Hiltrud Nehls, Geschäftsführerin der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr.

 

Obwohl Parkinson nicht geheilt werden kann, böten medikamentöse Therapie und begleitende Maßnahmen gute Möglichkeiten, den Krankheitsfortschritt zu verzögern und bei den Symptomen deutliche Verbesserungen zu erzielen, so Dr. Schreiber, der auch Mitglied bei MEDI Baden-Württemberg ist. Um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, seien eine frühzeitige Diagnose und das strukturierte Zusammenspiel zwischen Haus- und Facharzt sehr wichtig. Hier biete das eng verzahnte AOK-Haus- und -FacharztProgramm Vorteile. Der behandelnde Arzt habe mehr Zeit für die individuelle Behandlung und eine ausführlichere Beratung, beispielsweise für eigenverantwortliche Bewegungsprogramme, berichtete Dr. Schreiber: „Zudem erhalten Parkinson-Patienten mit häufigen Begleiterkrankungen wie Depressionen schneller Zugang zu psychiatrischer Behandlung“.

 

Bewegend und lehrreich sei die Veranstaltung gewesen, so das Fazit der Besucher, die sich in persönlichen Gesprächen sowie an Ständen der AOK und der Regionalgruppe Waiblingen der Deutschen Parkinson Vereinigung weitergehend informieren konnten.

 

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