Ungesunder Lebensstil geht an die Nieren

Im Ortenaukreis steigt die Zahl der Menschen, die an einer Niereninsuffizienz, also an einer eingeschränkten Nierenfunktion, leiden, stark an. Waren 2014 noch 5.600 Versicherte betroffen, so stieg die Zahl auf mittlerweile über 8.300 Versicherte an. Dies entspricht auf fünf Jahre betrachtet einem Anstieg von rund neun Prozent. Das zeigt eine Statistik der AOK Südlicher Oberrhein auf der Basis ihrer Versicherten.

Datum: 11.03.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Da Erkrankte eine chronische Nierenerkrankung oft erst durch Beschwerden durch Folgeerkrankungen in Erwägung ziehen und dadurch eine Erkrankung oft sehr spät diagnostiziert wird, geht die AOK von einer nicht unerheblichen Dunkelziffer aus.

 

Von einer Nierenschwäche oder Niereninsuffizienz sprechen Ärzte, wenn die Nierenfunktion abnimmt. Dabei unterscheidet die Medizin zwischen einer akuten Niereninsuffizienz, wie sie beispielsweise bei einer Vergiftung entstehen kann, und einer chronischen Niereninsuffizienz. Darum handelt es sich, wenn die Nieren länger als drei Monate nur eingeschränkt arbeiten oder sie dauerhaft geschädigt sind. Dann kann das Blut nicht mehr ausreichend gereinigt werden, Abfall- und Giftstoffe sammeln sich langsam im Körper an. „Unsere Nieren sind kleine wahre Kraftpakete und reinigen Tag für Tag rund 1.700 Liter Blut“, erklärt AOK-Ärztin Sabine Knapstein. „Aber sie regulieren auch den Wasserhaushalt, beeinflussen Blutdruck, Knochenstoffwechsel und Blutbildung. Sie sorgen dafür, dass Gift- und Abfallstoffe mit dem Urin ausgeschieden werden. Wertvolle Stoffe wie Eiweiße, Salze und Wasser holt die Niere zurück ins Blut“. Wenn dieses System geschädigt wird oder gar versagt, wird es lebensbedrohlich.

 

Insgesamt sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männern. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Nierenschwäche. Auch im Land wird ein Anstieg von Versicherten mit Niereninsuffizient beobachtet. Insgesamt zählt die AOK in Baden-Württemberg 2018 über 204.000 erkrankte Versicherte, davon rund 110.600 Frauen und etwas 94.500 Männer.

 

Zu den Risikofaktoren, die zur Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz beitragen können, zählen unter anderem starkes Übergewicht, Rauchen und starker Alkoholkonsum. Auch Diabetes und Bluthochdruck können zu einer eingeschränkten Nierenfunktion führen. „Aber auch Medikamente können das Nierengewebe schädigen“, so die Medizinerin. „Dazu zählen zum Beispiel bestimmte frei verkäufliche entzündungshemmende Schmerzmittel, die immer wieder oder über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden“. Die gute Nachricht: „Ein gesunder Lebensstil kann das Fortschreiten der Erkrankung auch dann beeinflussen, wenn die Nieren bereits geschädigt sind. Wer mit dem Rauchen aufhört, auf seine Blutzucker- und Blutdruckwerte achtet, sich regelmäßig bewegt und Übergewicht abbaut, der ist auf einem guten Weg, die Nieren vor einem weiteren Funktionsverlust zu schützen“.

 

Um Versicherte mit chronischen Nierenerkrankung bestmöglich zu unterstützen, haben die AOK und der Arztverband MEDI in Zusammenarbeit mit dem Verbund nephrologischer Praxen in Baden-Württemberg einen Facharzt-Vertrag geschlossen, der zum 1. April startet. Dieser fördert die umfassende Beratung und Unterstützung durch den Nieren-Facharzt in enger Abstimmung mit dem Hausarzt. Damit sollen frühzeitig dauerhafte Schädigungen erkannt und Spätfolgen vermieden werden. Auch in der Ortenau wird dieses Versorgungsprogramm umgesetzt.

 

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